Es liegt am Geld: Warum die RTL Group darauf verzichtet, den Youtube-Vermarkter Broadband TV komplett zu übernehmen

Shahrzad Rafati, Gründerin von Broadband TV
Shahrzad Rafati, Gründerin von Broadband TV

Die RTL Group verzichtet auf die Möglichkeit, die restlichen 49 Prozent an dem kanadischen Multi Channel Network Broadband TV zu übernehmen. 2013 hatte die RTL Group für 27 Mio. Euro mit 51 Prozent die Mehrheit an Broadband TV gekauft. Dass man nun nicht weiter aufstocken will, liegt an grundsätzlichen strategischen Überlegungen und vor allem am Geld.

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Die Bewertungen, die mittlerweile für Broadband TV aufgerufen werden, sind nämlich seit dem Einstieg der RTL Group kräftig gestiegen. Shahrzad Rafati, Gründerin des Vermarkters und größte Minderheitsaktionärin taxierte den Wert von Broadband in einem Artikel in der kanadischen Presse mal eben großzügig auf „definitiv zehnstellig“, also im Milliarden-Bereich. Das mag vielleicht etwas hoch gegriffen sein – immerhin hat sie bei einem Verkauf ja ein Interesse an einer möglichst hohen Bewertung – aber die aufgerufenen Zahlen sind offenbar tatsächlich so hoch, dass man bei der RTL Group in Luxemburg dankend ablehnt, aufzustocken. Ein solches Investment würde das normale durchschnittliche Volumen von rund 250 Mio. Euro pro Jahr für Investments, das sich die RTL Group verordnet hat, deutlich übersteigen. 

Warum auch? Mit 51 Prozent kontrolliert der TV Konzern ohnehin das Unternehmen, eine Komplett-Übernahme würde strategisch nichts bringen. Stattdessen wird es auch für die RTL Group interessant, nach einem lukrativen Exit zu schielen. Ein Sprecher der RTL Group sagte gegenüber MEEDIA, dass die drei Optionen Verkauf, Börsengang oder neuer strategischer Investor prinzipiell denkbar seien. Man wolle sich bis Ende des Jahres Zeit lassen, zu entscheiden. Frau Rafati äußerte sich ähnlich: „All options are on the table …including an IPO.“

Sollten sich derart hohe Bewertungen, wie von Frau Rafati ins Spiel gebracht, tatsächlich realisieren lassen, wäre sogar ein Verkauf für die RTL Group eine lohnende Alternative. Rückblickend erweist sich der Kauf von 51 Prozent an Broadband für 27 Mio. Euro als Schnäppchen. Mittlerweile hat der Konzern zudem digital mannigfaltig zugekauft und die Digitalstrategie hängt längst nicht mehr alleine an Broadband TV, das 2013 so etwas wie die Initalzündung für die große Digital-Expansion bei der RTL Group war.

Analysten von der Deutschen Bank halten es für wahrscheinlich, dass RTL an der Beteiligung festhält. Immerhin entwickelt sich Broadband TV sehr gut. Der Umsatz hat sich laut Schätzung der Deutschen Bank im vergangenen Jahr auf rund 110 Mio. Euro verdoppelt. Für 2017 oder 2018 wird der Break Even erwartet.

 

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