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„Wie in Nazi-Deutschland“: Die Echos des Dritten Reichs werden für die Trump-Administration lauter

Autor Volker Ullrich hat für die Zeit die Reaktionen auf die Wahl von Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler beschrieben – ein eindrucksvolles Dokument mit durchaus aktuellen Bezügen
Autor Volker Ullrich hat für die Zeit die Reaktionen auf die Wahl von Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler beschrieben – ein eindrucksvolles Dokument mit durchaus aktuellen Bezügen

Die Töne werden schriller: Spätestens nach dem überraschenden Einreiseverbot der Trump-Administration für Flüchtlinge und Menschen aus sieben muslimischen Staaten wird die weltweite Kritik am neuen US-Präsidenten lauter. Nicht zuletzt angesichts des Jahrestags der Machtergreifung Hitlers sind Vergleiche zum Dritten Reich von Intellektuellen und politischen Kommentatoren immer öfter zu hören.

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Der Widerstand wächst. Das überraschende Einreiseverbot der Trump-Administration gegen Flüchtlinge für Menschen aus sieben muslimischen Staaten ist nicht nur bei den CEOs von Tech- und Internet-Konzernen wie Apple, Facebook, Netflix und Twitter auf große Ablehnung gestoßen.

In großer Allianz verurteilten Politiker, Prominente und Intellektuelle das am Wochenende erlassene Dekret von Präsident Trump. In die Entrüstung über den Einreisestopp mischen sich immer mehr besorgte Vergleiche zu der Nazi-Ära.

Bereits in ihrer Printausgabe vom Donnerstag vergangener Woche hat die Zeit historische Bezüge zur Machtergreifung durch die Nazis gezogen. Der am Montag auch online veröffentlichte Artikel von Volker Ullrich fand unter den Internet-Nutzern ein riesiges Interesse.

In allen vier Reichweiten-Kategorien des News-Portals Zeit Online (aufsteigend, meist gelesen, meist kommentiert und meist geteilt) belegte das Stück zu den aus heutiger Sicht lapidaren Reaktionen auf die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler den Spitzenplatz. Bis Dienstag wurde der Artikel rund 300.000 Mal geklickt.

Die hohe Qualität der Betrachtung des Historikers Ullrich liegt darin, dass der Name Trump in seinem Text gar nicht auftaucht, die Parallelen aber dennoch für die Leser überdeutlich werden – sonst wäre sich der Artikel nicht wie in einer solchen Geschwindigkeit in den Sozialen Netzwerken verbreitet worden. Im Vorspann etwa heißt es über die allgemeine Erwartungshaltung von Politik und Gesellschaft: „Das Amt wird ihn vernünftig machen, sein Kabinett ihn zähmen. Eine Diktatur? Undenkbar.“

Dass einer wie Hitler von Zeitgenossen derart unterschätzt wurde, ist vielen heute nicht mehr bewusst und angesichts der aktuellen Lage eine Warnung und ein Weckruf, achtsam zu sein, was Angriffe auf elementare Werte angeht.

Analogien zu Nazi-Deutschland

Auf erste Ähnlichkeiten zwischen Trump und Hitler hatte der renommierte US-Sprachwissenschaftler und MIT-Professor Noam Chomsky bereits im vergangenen Jahr noch während des Wahlkampfs hingewiesen.

Volkswirtschaftler und Börsenguru Nouriel Roubini schlägt in die gleiche Kerbe. Auf Twitter zitiert Roubini Nobelpreisgewinner Ned Phelps, der einen Vergleich der Trump-Regierung zu Nazi-Deutschland und dem faschischten Italien zieht.

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Die Washington Post-Kolumnistin Anne Applebaum sieht unterdessen Analogien in der anhaltenden Börsenrallye der Trump-Ära zu Nazi-Deutschland.

Der britische Journalist Christopher Hooton vom Independent arbeitet seinerseits Parallelen in der Diskriminierung von Minderheiten heraus.

Auch bei der Filmpreisverleihung SAG Awards hallten die Echos der Vergangenheit im Angesicht der Trump-Ära nach. Die amerikanische Schauspielerin Lilly Tomlin („I heart Huckabees“) erklärte: „Auch die Nazis haben die Gesetze verändert, wenn sie ihnen nicht gepasst haben. Sie haben sie verändert und damit gemacht, was sie wollten.“

Die britische Schauspielerin Cara Delevingne zog in einem Instagram-Post ebenfalls Parallelen zum Dritten Reich.

#regram @zoeisabellakravitz

Ein von Cara Delevingne (@caradelevingne) gepostetes Foto am

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