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Angst vor der Eiszeit bei „Hart aber fair“: Bei Donald Trump sollte die Thermounterwäsche griffbereit sein

„Trump macht ernst – wie warm müssen wir uns anziehen?“, wollte Moderator Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD) wissen. Die Antwort: Es ist kompliziert.
"Trump macht ernst – wie warm müssen wir uns anziehen?", wollte Moderator Frank Plasberg bei "Hart aber fair" (ARD) wissen. Die Antwort: Es ist kompliziert.

Trump ist widersprüchlich. Trump ist inkonsequent. Trump ist eine Gefahr für die Menschheit. Nach zehn Tagen zieht die Expertenrunde bei "Hart aber Fair" (ARD) eine ernüchternde und erschreckende Bilanz zu Donald Trumps Start als US-Präsident. "Trump macht ernst – wie warm müssen wir uns anziehen?", wollte Moderator Frank Plasberg wissen.

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„Wenn ich abends beim zweiten Glas Riesling denke, vielleicht ist doch etwas Gutes an ihm, dann bekomme ich morgens jedes Mal wieder eins auf die Mütze“, räumt Publizist Wolfram Weimer ein. Seit zehn Tagen bekleidet Donald Trump das mächtigste Amt der Welt – und neben einer allgemeine Ablehnung des US-Präsidenten herrscht auch in der Talk-Runde „Hart aber fair“ (ARD) kollektive Katerstimmung.

Mauerbau vor Mexiko, Einreisestopps für Muslime, die aufgeweichte Gesundheitsreform Obamacare, Strafzölle für in- und ausländische Unternehmen – vor dieser Kulisse diskutierten eine Amerikanerin (Melinda Crane, Journalistin bei der Deutschen Welle), ein Saarländer (Oskar Lafontaine, Die Linke), ein Rheinländer (Carl Martin Welcker, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), eine Bayerin (Ilse Aigner, CSU) und ein Hesse (Wolfram Weimer, Publizist) darüber, wie warm sich Deutschland unter US-Präsident Trump anziehen muss.

Zumindest Lafontaine hat sich bei diesem politischen Klima schon im übertragen Sinne angesteckt; Trumps Regierungsstil fühle sich für ihn „wie ein Reizhusten“ an. Dabei ist es ausgerechnet er, der immer wieder heimliche Bewunderung für den Holzhammer-Politiker durchblicken lässt: Fakten schaffe er – und zunächst sei es schon imponierend, „wenn Politiker konsequent gegenüber Wirtschaftsführern auftreten“. Und sein Slogan „America First“ sei nicht neu. Trump habe ihn lediglich als erster ausgesprochen. „Da wird mir ja angst und bange, wenn Sie und Trump einer Meinung sind. Nicht, dass Sie am Ende wie ein roter Trump in Deutschland rauskommen!“, kommentiert Weimer. Plasberg: „Twittern Sie?“, worauf Lafontaine Entwarnung geben kann. Überhaupt ist die Runde sehr unterhaltsam – offenbar scheint nach den Ereignissen der vergangenen zehn Tage nur Humor zu helfen.

Es werden sämtliche Szenarien durchbuchstabiert. Vom drohenden Handelskrieg über Trumps amateurhaften Stab bis hin zum beunruhigenden Aufstieg des  Rechtsauslegers und Strategieberaters Stephen Bannon. Für den Exportweltmeister Deutschland sei die Situation vor allem wirtschaftlich bedrohlich. „Abwarten und sehen, was wirklich umgesetzt wird“, rät die US-Journalistin Crane. Ungern wolle sie sich auf das „Auge um Auge“-Prinzip begeben, das Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer skizziert.

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Zwischenfazit: Die Lage ist doch viel ungewisser, als sie von der Runde beschrieben wird. Das ist insofern ernüchternd, weil die Runde bei aller Ablehnung gegenüber Trump kaum Lösungsansätze im Umgang mit dem US-Präsidenten hat. Den ungewöhnlichsten, aber lobenswerten, Auftritt legte daher Matthias Schranner hin: Der Verhandlungsexperte schien der einzige zu sein, der sich auf den Holzhammer-Politiker einen Reim machen kann. „Er bestimmt die Themen und setzt die Agenda“ – angefangen beim „Anker“, den er mit Reizthemen wie Zölle von bis zu 35 Prozent auf ausländische Produkte setzt. Dabei verfolge Trump eher einen „sportlichen Ansatz“, der keine Win-Win-Situationen zulässt. „Das ist ein super Verhandlungsstil“, analysiert Schranner. Und riet Angela Merkel, sich nicht in eine Opferrolle zu begeben. „Das Signal ist: Hey, du willst einen Konflikt? Gerne, lass uns reden.“ Sein Fazit: „Cool bleiben, ja. Abwarten, nein.“

Also, wie warm müssen wir uns anziehen? Zwar wurde in der Sendung Tacheles geredet, aber auf diese Frage bekommt Plasberg „immer wieder Antworten im Konjunktiv“. Da hilft nur sein obligatorischer Griff zur Schlussfrage, bei der „Fantasie gefragt“ ist: Wie würden Sie Trump für Deutschland begeistern und damit die Beziehungen festigen? Eine passende Antwort liefert Hans Hütt von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Es bleibt an diesem Abend bei Symbolpolitik. Wolfram Weimer würde sich als Reiseleiter mit Trump am Tegernsee betrinken. Oskar Lafontaine würde in Helmut Kohls Fußstapfen treten und mit Trump kulinarisch in die Pfalz ziehen. Frau Crane und Frau Aigner würden ihm zeigen, wie die Berufsausbildung im mitbestimmten deutschen Kapitalismus aussieht. Carl Martin Welcker würde Trump das Treppenhaus von Schloss Brühl (und die eigene Firma) zeigen. Alle wollen sie ihn beschämen oder betäuben.

Wolfram Weimer werden seine zwei Gläser Riesling in Zukunft wohl nicht reichen. Die Thermounterwäsche sollte wohl griffbereit sein.

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