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Correctiv unter Druck: „Mittlerweile wurden fast alle unserer Förderer direkt angeschrieben und angegriffen“

Berichtet von Bedrohungen – körperlicher wie auch wirtschaftlicher Natur: Correctiv-Herausgeber David Schraven
Berichtet von Bedrohungen – körperlicher wie auch wirtschaftlicher Natur: Correctiv-Herausgeber David Schraven

Wer kritisch berichtet, erfährt viel Gegenwind – gar Drohungen. Über solche berichtet nun Correctiv-Herausgeber David Schraven. Er und seine Mitarbeiter stünden mittlerweile unter Personenschutz. Zudem versuchten "rechte Hetzer" immer wieder Correctiv auch wirtschaftlich zu bedrohen – indem man kleine und große Spender angreift. Dabei strickt er selbst eine Theorie, die vom ehemaligen stern-Chef Michael Maier bis in zum Spiegel reicht.

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„Als wir unser Projekt Correctiv vor drei Jahren starteten, haben wir eine Stellenanzeige veröffentlicht. Wir haben Mitarbeiter gesucht, die hart im Nehmen sind“, erinnert Schraven. Die Arbeitsbelastung auf seine Reporter sei so hoch wie damals befürchtet. Aufwendige Recherchen, mühselige Datenbankpflege und Versuche, den Rechercheuren ihren Job zu erschweren. Dass es darüber hinaus aber auch bedrohlich werden kann, das haben sich die Correctiv-Macher nicht gedacht – zumindest nicht in der Weise, die Schraven schildert.

Die „Angriffe und Diffamierungen“ würden sich häufen, schreibt er in einem Beitrag in eigener Sache. So würden Versuche unternommen, der Redaktion in ihrem Ansehen zu schaden. Als Beispiel erwähnt Schraven die jüngsten Vorwürfe des ehemaligen Xing-Herausgebers und Macher von „Tichys Einblick“, Roland Tichy, der den Eindruck erweckt hatte, Correctiv sei nicht unabhängig. Schraven wiederholt, was er bereits im Interview mit MEEDIA betont hat. „Es ist offensichtlicher Unfug. Dennoch wird er von Anhängern der neuen Rechten begierig aufgegriffen, um einen Shitstorm gegen uns in den sozialen Medien zu befeuern.“ Im Zusammenhang mit den Recherchen zum Absturz des Fluges MH17 sei Correctiv gleiches widerfahren.

Der Hass richte sich dabei nicht gegen die Journalisten allein, sondern auch gegen die (unter anderem kleinen) Unterstützer. „Wer bei Twitter schreibt, dass er Mitglied von Correctiv ist, muss damit rechnen, vom Mob beschimpft zu werden.“ Ziel sei es, den Druck auf die Geldgeber zu erhöhen, um Einfluss auf die Arbeit der Reporter zu nehmen. „Mittlerweile wurden fast alle unserer Förderer direkt angeschrieben und angegriffen.“

Als Beispiel nennt Schraven einen angeblichen Versuch von Michael Maier, Herausgeber der umstrittenen Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Dieser habe gezielt versucht, Druck auf Bodo Hombach, 2. Vorsitzender der Brost-Stiftung, die Correctiv überhaupt erst möglich gemacht hat, auszuüben. Correctiv hatte zuvor über rechtspopulistische Medien recherchiert und berichtet.

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Schraven zitiert aus einer E-Mail Maiers: „Ich bitte Sie, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Diffamierung umgehend gelöscht wird.“ Und aus einer zweiten: „Sie haben selbst ja bei unserem Treffen (ich war damals stern-Chefredakteur) vor vielen Jahren in Ihrem Haus in Mühlheim darauf hingewiesen, wie verheerend es sein kann, wenn man Opfer einer Diffamierung ist.“ Hintergrund dieser „Drohung“, wie Schraven schreibt, sei eine damalige Recherche, die unter Maier beim stern veröffentlicht worden sei. Das Magazin berichtete damals – wie zahlreiche andere Medien – davon, dass bei einem Hausbau Hombachs Dinge nicht mit rechten Dingen zugegangen seien sollen. Die Vorwürfe wurden später entkräftet.

Der „Drohung“ Maiers aber seien wenige Tage später Taten gefolgt, schreibt Schraven. So seien „etliche Vorwürfe“ in einem aktuellen SPoegel Artikel ohne Einordnung wiederholt worden. In der Autorenzeile des Stückes: „ein ehemaliger stern-Kollege von Michael Maier“. Schraven: „Die Verquickung der Vorwürfe gegen die Brost-Stiftung und Bodo Hombach mit der ausdrücklichen Aufforderung der aktiven Einflussnahme eines der wichtigsten Geldgeber auf Correctiv kann uns nicht kalt lassen.“ Und: „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen.“

So richtet sich Schraven auch an jene, die mit körperlicher Gewalt drohen. Die Redaktion stehe unter „polizeilichem Objektschutz“, „Personenschützer gehen bei uns ein und aus. Und das in Deutschland.“ Doch: „Wir sind gewappnet.“

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