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Warum sich Til Schweiger mit der Mopo über Leitungswasser stritt

Til vs Mopo, Gabriel im stern und ein reaktivierter Twitter-Account von Frank Schirrmacher
Til vs Mopo, Gabriel im stern und ein reaktivierter Twitter-Account von Frank Schirrmacher

Der stern landete in dieser Woche einen dicken Scoop mit dem Rücktritts-Interview mit Sigmar Gabriel. Til Schweiger zoffte sich mit der Hamburger Morgenpost wegen teuren Leitungswassers. Der Twitter-Account von Frank Schirrmacher entwickelte ein Eigenleben. Und ein großes Nachrichtenmagazin ärgerte sich maßlos über einen kleinen Mediendienst. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Wir kommen da ja nicht drumherum. Auch in diesem Wochenrückblick muss der Medien-Coup von Sigmar Gabriel noch einmal thematisiert werden. Kurz für die ein, zwei Leute, die das eventuell verpasst haben sollten: Sigmar Gabriel wollte seiner SPD am späten Dienstagnachmittag oder auch am frühen Abend eröffnen, dass er nicht den Kanzlerkandidaten geben will, sondern den Außenminister. Und dass er auf den Parteichef ebenfalls pfeift. Stattdessen soll sich lieber Martin Schulz im Bundestagswahlkampf ins Zeug legen, um die SPD aus ihrem 20-Prozent-Plus-X Tal zu hieven. Vor seinen Kollegen Spitzen-Genossen hat Gabriel das – sicher ist sicher – lieber zwei Medien verraten: dem stern und der Zeit. Nach seiner parteiinternen Verkündigung sollten die beiden dann also mit Vorab-Meldungen am Dienstagabend rausgehen dürfen. Dieser kleine Medien-Dienst Ihres Vertrauens schüttelte die Planung dann ein bisschen durcheinander, indem MEEDIA schon kurz nach 14.30 Uhr das stern-Cover mit dem „Rücktritt“ zeigte. Große Aufregung bei den ahnungslosen Hauptstadtmedien. Bei der SPD war man auch nicht super amüsiert. Zu besichtigen war das auch tags darauf bei „Markus Lanz“ im ZDF, als stern-Chefredakteur Christian Krug den Scoop erklärte und auch SPD-Vize Ralf Stegner anwesend war. Gerade erst hatte Lanz schlau aus Stegner herausgekitzelt, dass dieser ja sehr sauer sein müsse – wobei Stegner nicht widersprach – und dass Stegner (wie auch Thomas Oppermann) von den Veröffentlichungen bei stern und Zeit nix wusste. Dann Lanz zu Krug: „Aber warum hat Gabriel das nur ihnen erzählt und nicht seinen Vertrauten in der SPD.“ Krug: „Seinen wirklichen Vertrauten hat er das glaube ich schon erzählt.“ (sinngemäß zitiert) Schnitt auf Stegner. Das Gesicht: priceless.

Waren Sie schon mal in Til Schweigers Restaurant in Hamburg, dem „Barefood Deli“? Wenn sie dort einen Liter „Barewater Sprudel“ oder „Barewater Still“ für 4,20 Euro bestellen, dann bekommen Sie: Leitungswasser! Das Hamburger Hahneberger wurde im „Barefood“ aber „veredelt“ (mit Kräutern!) und „gefiltert“, was den recht happigen Preis für ein eher prosaisches Produkt rechtfertigen soll. Die Mopo witterte einen lokalen Aufreger und titelte: „Til Schweiger verkauft Hamburgs teuerstes Leitungswasser“. Das wollte der Til nicht auf sich sitzen lassen und antwortete in seinem Lieblingsmedium stern.de mit einem offenen Brief an die „Liebe Hamburger Mopo“. Am Ende schließt der Til mit den Worten:

In einer Zeit, in der gegen freie Presse wetternde Populisten rund um den Globus die Macht an sich reißen, solltet Ihr Euch fragen, ob Ihr mit dieser Art von Journalismus nicht auch einen Beitrag dazu leistet …

Der Weltenlauf, er wankt, weil die Mopo das teure Leitungswasser vom Til anprangert. Die Mopo hat nach dem Brief vom Til natürlich nochmal nachgelegt.

Was war denn diese Woche auf dem Twitter-Account des verstorbenen FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher los? Statt Schirrmachers letzte Tweets zu zeigen, mutierte der Kanal @fr_schirrmacher zur Spam-Werbeschleuder. Nach einem Hinweis von Spiegel Social Media-Chef Torsten Beeck und FAZ-Leuten wurde Twitter aktiv und entfernte die unschöne Werbepost.

Zum Schluss nochmal kurz in eigener Sache zur Causa Gabriel und die Medien. Nicht ganz so rund wie für den stern lief die Sache ja für den Spiegel. Der freute sich am Dienstag noch im Morgenletter, bei seiner Jubiläumsparty mit Siggi Gabriel am Abend vielleicht den frisch gebackenen SPD-Kanzlerkandidaten begrüßen zu können. Und im Spiegel-Interview neulich hatte Gabriel seine wahren Absichten vor den Spiegel-Redakteuren noch geheim gehalten. Gabriel kam zwar abends zur Spiegel-Sause, ebenso aber auch G+J-Chefin Julia Jäkel und stern-Chef Christian Krug, die bei der Party ob des gelungenen Scoops viel zu erzählen hatten. Das kann schon auf den Magen schlagen, wenn man als Gastgeber auf der eigenen Party mit anschauen muss, wie sich die Konkurrenz feiern lässt. Anja Reschke vom NDR-Medienmagazin „Zapp“ machte sich deswegen ein bisschen über den Spiegel lustig:

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Und auch Ulrike Simon ging in ihrer Medienkolumne dahin, wo es wehtut:

Schon seit langem reden Hamburger „Spiegel“-Kollegen in Gesprächen mit mir von den „drei Fragezeichen“, wenn sie die Chefs des Berliner Büros meinen, René Pfister und seine beiden Stellvertreter Michael Sauga und Christiane Hoffmann. Sie sagen, ihnen fehlten die direkten Drähte in die Politik, weshalb es dem „Spiegel“ in dieser Hinsicht an Relevanz mangle. Prangern sie das intern an, bekommen sie zu hören, am Hauptstadtbüro sei schon immer herumgenörgelt worden, aber Hauptstadtjournalismus funktioniere nun einmal nicht so idealistisch, wie man sich das an der fernen Elbe vorstellt.

Besonders regte sich der Spiegel dann aber offenbar über unsere Betrachtungen zum Thema Nähe und die Medien auf:

Diese herbeifantasierte MEEDIA-Handelsblatt-Zeit-Anti-Spiegel-Verschwörung ist ja leider ein Lieblingsthema der Leute an der Ericusspitze. Wird aber durch Wiederholung auch nicht wahrer, siehe unsere frühere Stellungnahme dazu an dieser Stelle. Und wenn wir wirklich „im Auftrag“ der Zeit unterwegs wären, hätten wir wohl kaum das Cover des stern so prominent gezeigt. Liebe Leute beim großen Spiegel, so ein bisschen Kritik werdet Ihr aber doch sicher aushalten, oder? Das ist Euch ja auch nicht ganz fremd …

Schönes Wochenende!

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