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Eine Branche kapituliert: Fast alle Games-Magazine steigen nach den Auflagen-Verlusten aus der IVW aus

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Nur noch die Computer Bild Spiele ist IVW-Mitglied, alle anderen Titel wie GameStar, play4 und PC Games Hardware sind ausgetreten

Es gab einmal Zeiten, in denen Millionen Menschen in Deutschland Computer- und Videospiele-Magazine gekauft haben. Allein Computer Bild Spiele und GameStar kamen noch 2002 auf zusammen mehr als 1 Mio. Käufer. Davon waren zuletzt nichtmal mehr 100.000 übrig. Die Verlage Computec und Webedia ziehen nun die Notbremse und haben ihre Titel aus der IVW abgemeldet - dort bleibt nur noch Springers Computer Bild Spiele.

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Es gibt sie immer wieder, die Austritte aus der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW). Titel verlassen die IVW-Auflagen-Ausweisung, wenn sie denken, dass es für ihre Vermarktung nicht mehr nötig ist. Oder wenn sich die Auflagenzahlen Quartal für Quartal nach unten bewegen und man keine Lust mehr auf diese ständigen schlechten Nachrichten hat. Doch eine Entwicklung, wie sie nun im Segment der Games-Magazine zu beobachten ist, hat absoluten Seltenheitswert. Meldeten zuletzt wenigstens noch sechs Titel aus dem ohnehin ausgedünnten Segment ihre Verkaufszahlen an die IVW, ist es nun nur noch einer: die Computer Bild Spiele.

Marktführer Computec und die Firma Webedia, die 2015 die Titel GameStar und GamePro von IDG übernahm, meldeten  ihre Zeitschriften zum vierten Quartal 2016 komplett von der Auflagenmeldung der IVW ab. Ein seriöser und objektiver Blick auf die Erfolgszahlen des Segments ist damit nun endgültig nicht mehr möglich.

Ende der 1990er-Jahre und Anfang der 2000er-Jahre erlebte das Games-Segment seine Blütezeit. Computer Bild Spiele stellte einen Rekord von 736.077 verkauften Exemplaren auf, GameStar und PC Games erreichten mehr als 360.000 Käufer und selbst die Nintendo-Zeitschrift N-Zone landete über der 100.000er-Marke. Zahlen aus einer anderen Zeit.

15 Titel sind in dieser Branche noch übrig geblieben. Nur noch GameStar kam dabei zuletzt auf eine verkaufte Auflage von wenigstens noch über 50.000. Der Rest lag – zum Teil deutlich – darunter. So gibt es bei den Konsolen-Magazinen keins mehr, das überhaupt noch 20.000 Käufer findet. Eine dramatische Entwicklung, die wohl auch noch nicht zu Ende ist.

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Von den 15 Magazinen erscheinen acht bei Computec, dem einstigen Giganten, der bis 2013 auch börsennotiert war und seitdem komplett zu Marquard Media gehört. Das Segment teilt sich dabei auf in zwei Zeitschriften für PC-Spiele, zwei, in denen über PC- und Konsolenspiele gleichzeitig berichtet wird, zwei, in denen es nur um Konsolen geht – allerdings um alle Anbieter, sowie drei für die großen Konsolen-Marken Playstation, Nintendo und XBox. Hinzu kommen drei Spezial-Titel und drei Retro-Magazine, die sich um die Games-Historie kümmern und sich damit vor allem an ein älteres Publikum richten, das sich gern an die Spiele-Vergangenheit in den 1980er- oder 1990er-Jahren erinnert.

Games-Magazine in Deutschland: Übersicht der im normalen Pressehandel erhältlichen Titel
Titel Verlag jüngste bzw. letzte IVW-Meldung Quartal IVW-Hoch Quartal
PC-Games
GameStar Webedia 54.358 III/2016 364.873 IV/2002
PC Games Computec 34.505 I/2015 363.608 IV/1999
PC- und Konsolen-Games
Computer Bild Spiele Axel Springer 40.021 IV/2016 736.077 IV/2002
Games aktuell Computec 14.196 III/2016 47.174 III/2008
Konsolen-Games
M! Games Cybermedia
GamePro Webedia 12.007 III/2016 72.319 IV/2005
Konsolen-Games / einzelne Konsolen-Marken
play4 Computec 16.844 III/2016 52.239 II/2008
N-Zone Computec 14.984 II/2009 110.399 II/2000
XBG Games Computec 5.980 III/2014 28.211 I/2011
Spezial-Titel
PC Games Mmore Computec
making games Computec
PC Games Hardware Computec 25.618 III/2016 117.197 I/2004
Retro-Magazine
retro Gamer eMedia
Return SIGN SET
Retro CSW Verlag
Stand: Januar 2017 / Recherche: MEEDIA

Der allgemeine Niedergang des Segments hat natürlich nichts damit zu tun, dass womöglich weniger gespielt wird als früher. Das Gegenteil ist der Fall. So geben 22% der Über 14-Jährigen laut „Freizeit Monitor“ an, mindestens einmal pro Monat Videospiele zu spielen. Bei den Jugendlichen sind es 73%. Umgerechnet auf die 70,5 Mio. Über-14-Jährigen wären das also etwa 15,5 Mio. Spieler.

Mehr als 15 Mio. der 15,5 Mio. greifen aber nicht (mehr) zu einem Print-Magazin, um sich zu informieren, was sie spielen könnten. Stattdessen spielen die Online-Plattformen eine große Rolle. Laut AGOF erreichte allein das Computec-Netzwerk Gamesworld zuletzt über 4 Mio. Nutzer pro Monat, GameStar.de fast 3 Mio. und Spieletipps.de 2,36 Mio. Zahlen, die die Print-Nutzerschaft mittlerweile komplett in den Schatten stellen. Offenbar lohnt es sich für die Verlage dennoch, weiterhin Zeitschriften heraus zu bringen – die Kosten dürften dafür extrem gesenkt worden sein. Wann der Punkt erreicht ist, an dem es sich nicht mehr lohnt, wird die Öffentlichkeit nun nicht mehr erfahren – denn objektive Zahlen gibt es eben nur noch für einen der Titel.

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Alle Kommentare

  1. Das geht anderen Zeitschriften in Nischen Märkten genauso…

    Die verkaufte Auflage der meisten Motorradzeitschriften wird auch seit 5 Jahren nicht mehr veröffentlicht.

    Da sind Motorrad-Magazine, die jeder von den Verkaufsständern in den Zubehör-Shops kennt und für „ach so wichtig“ hält… die verkaufen dabei keine 10000 Exemplare pro Monat.
    Dafür werden dann die unverkauften Exemplare beim nächsten MRT oder BMW-GS Treffen stapelweise verschenkt!

    Der Nischke-Verlag kommt immer mit dem Kleinlaster, um seine alten Exemplare von Motorrad-Abenteuer, Motorrad-Fahrer und Touren-Fahrer zu verschenken…

  2. Rückwirkend wundern mich die enorm hohen Verkaufszahlen um die Jahrtausendwende herum. Da kann sich dieses Zeitschriftensegment nur gratulieren und sagen: Schwein gehabt, denn schon damals gab es gute Gamerseiten.
    Allerdings gabs damals auch noch gute Spiele, die wirklich neue Konzepte hatten, z.B. SIM Earth, SIMS oder früher Lemminge und Wing Commander. Jetzt gibt es nur noch den x-ten Aufguss von der x-ten Fortsetzung, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.
    Ich kaufe nur noch die diversen Retromagazine. Die machen auch als Zeitschrift noch Sinn, weil sich fast niemand 100 verschiedene Homecomputer in die Wohnung stellt. Die Webseiten brechen meist unter einer Bilderflut zusammen, bzw. sind sehr unübersichtlich.

  3. tja warum punktet der springer verlag mit seiner cbs?
    dvd inkl. bei jeder ausgabe. mit mindestens einer spielevollversion!
    der einzige kaufgrund für das naja ansonsten bündel altpapier.
    pcgames, gamestar oder so sind sicher lesenswerter,
    aber ohne silberling… kauft keiner.

      1. Also ich bin schon seit vielen Jahren Gamestar-Abonnent. Aber die Vollversionen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Da sind kaum noch große bekannte Titel dabei und viele Nischen-Spiele wie z.B. Adventures.
        Aber ich kann schon verstehen, dass bei sinkenden Verkaufszahlen nicht mehr die ganz großen Blockbuster eingekauft werden können.

  4. Hallo Jens,

    schade, ein kurzer Anruf oder Email und wir hätten gerne erklärt warum wir aus der IVW ausgestiegen sind. Hat nichts mit „kapitulieren“ oder “ keine Lust mehr auf diese ständigen schlechten Nachrichten hat“. Wir waren sogar für ein Quartal wieder „Marktführer“ (was aber auch nur an den Eigenheiten der IVW lag).

    Die IVW gibt auch schon lange keinen echten Hinweis auf den „Erfolg“ oder Zukunftsaussichten eines Magazins mehr. Es wurden reihenweise Hefte eingestellt, die im Vormonat noch in der IVW waren – und es gibt noch Hefte, die schon vor langer Zeit aus der IVW ausgestiegen sind.

    Naja. Schade. 😉

    PS: Falls doch noch Interesse an mehr Hintergrund besteht: Kontakt-Email hängt an.

    1. Die Antwort liegt doch auf der Hand: Die IVW-Zählung kostet Geld. Mittlerweile bei einigen Verlagen vielleicht schon mehr, als sie noch für die Print-Autoren ausgeben müssen:-)
      Um die Hefte trotz sinkender Verkäufe noch profitabel zu halten, wird eben jeder nicht lebenswichtige Ausgabenposten durchgegangen und wenn möglich gestrichen.

      Die IVW-Kosten wären nur unentbehrlich, wenn man damit große Marken zur Anzeigenbuchung überzeugen könnte. Das ist aber völlig aussichtslos und es gibt wohl auch keine Anzeigenverkäufer mehr, die das überhaupt noch versuchen.

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