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Ecclestone-Nachfolger Chase Carey: Der neue Formel 1-Chef räumt auf

Bernie Ecclestone und die Formel 1 trennen sich: Nun hat Chase Carey das Sagen und will
Bernie Ecclestone und die Formel 1 trennen sich: Nun hat Chase Carey das Sagen und will

Der König ist tot, lang lebe der König: Auf Bernie Ecclestone folgt als Chef der Formel 1 Chase Carey. Im Auftrag des Medientycoons Malone erfindet der Amerikaner die Rennserie neu. Dabei gibt er sich großspurig. Jedes einzelne Rennen soll nicht weniger spektakulär werden als der Super Bowl. Entsprechend im Fokus seine Pläne steht der Markt in den USA.

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Von Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar

Bernie Ecclestone war gestern. Was Chase Carey, der neue Chef der Königsklasse des Motorsports von dem ehemaligen Zampano hält, erzählte er der britischen Zeitung „The Telegraph“. „Die Probleme sind überall“, sagte der Amerikaner, der im Auftrag des Medientycoons John Malone aufräumen soll. „Wir vermarkten den Sport nicht, wir ermöglichen es den Fans nicht, sich auf den heute verfügbaren Plattformen mit dem Sport zu verbinden, unsere Sponsoren-Beziehungen sind eindimensional, die Events fühlen sich altmodisch an“, sagte Carey, der ohnehin nicht gerne um den heißen Brei herumredet.

Carey hat mit der Formel 1 Großes vor. Er will sie neu erfinden. Aus den Renn-Wochenenden will er Entertainment-Spektakel schaffen. Selbstbewusst kündigt er an, in der Saison „21 Super Bowls“ zu kreieren. In der Vermarktung will er komplette neue Wege gehen. Neue Rennen in Metropolen wie New York oder Los Angeles sollen aus dem Boden gestampft werden. Soziale Netzwerke werden in der Kommunikation mit den Fans künftig eine Schlüsselrolle spielen. Technisch will er die Formel vereinfachen, in dem er beispielsweise die künstliche Überholhilfe abschafft.

Dabei hat Carey mit Autos auf vier Rädern in seiner Jugend schlechte Erfahrungen gemacht. Sein Markenzeichen, der auffällige Schnurbart, ist kein freiwilliges Attribut. Vor gut vier Jahrzehnten flog er bei einem Unfall durch die Windschutzscheibe eines Autos. Der Fahrer starb, Cary kam mit schlimmen Narben davon, die der Schnurrbart perfekt verbirgt. Der Unfall zeigt auch eine Eigenschaft: Carey, Jahrgang 1954, kämpft sich durch. Aufgeben gibt es für den Manager nicht. Damals war er, Student der Colgate University in New York, gerade unterwegs zu einem Football-Spiel. Careys große Leidenschaft ist seit jeher der Sport. Bis heute ist er ein glühender Anhänger des Teams der New York Giants. In seinem Büro stehen zwei Stühle aus dem alten Baseball-Stadion der ortsansässigen Yankees.

Mit seiner Liebe zum Sport machte der leutselige Amerikaner mit einem MBA der Harvard University schnell Karriere: Früh überzeugte er Medientycoon Rupert Murdoch, in das Geschäft mit den Fernsehrechten im Football einzusteigen. Murdochs Kabelkanal „Fox News“ wurde nicht zuletzt deshalb ein Erfolg. Und Carey machte er für Rupert Murdoch und dessen Sohn James als Aufsichtsratschef den Bezahlsender Sky zum wirtschaftlichen Erfolg. „Für James war er jahrelang ein Coach. Es gab eine persönliche Nähe wie es sich für ein Familienkonzern gehört“, sagte ein Insider dem Handelsblatt.

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Carey bekommt freie Hand

In der deutschen Fußballwelt genießt Carey, der sich schon mal auf Empfängen der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt blicken ließ, höchstes Ansehen. Seit dem Einstieg von Murdoch und seiner rechten Hand beschert nicht zuletzt Sky der Liga Rekordeinnahmen. „Er ist ein Manager, der professionell, sympathisch und pragmatisch agiert“, sagt ein Sky-Manager. „Der Lebenslauf von Chase ist beeindruckend, was die Monetarisierung von TV-Rechten betrifft, da kann man ihm nichts vormachen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff der dpa.

Nun muss er für den in Denver ansässigen Malone dessen acht Milliarden Dollar teures Investments in die Formel 1 vergolden. John Malone, Kopf und Eigentümer der börsennotierten Konzerne Liberty Media und Liberty Global, hat Carey als Chef der Formel 1-Betreibergesellschaft dem Hebel der Macht in die Hand gedrückt, um die Königsklasse des Motorrennsports neu zu erfinden. Eine wichtige Voraussetzungen ist bereits geschaffen: Bernie Ecclestone zieht sich auf das Altenteil zurück. Nun hat Carey endlich freie Hand.

Er steht vor einer Mammutaufgabe. Sein Erfolg steht und fällt in den USA. Denn im weltgrößten Medienmarkt spielt die Formel 1 unter den Sport-Events seit Jahrzehnten nur eine bescheidene Nebenrolle. Das will der Chairman der Formula One Group nun radikal ändern.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Handelsblatt.com

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Alle Kommentare

  1. Die F1 und Superbowl, was soll das? Die F1 und Drag Race wäre eine gute Kombination. Motorsport verträgt sich nur mit Benzin und nicht mit faulen Eiern.

  2. Schon die wenigen Sätze verraten, dass Carey keine Ahnung von der Seele der Formel 1 hat. Die Seele liegt in Monza, Spa, Silverstone, Monaco und am Nürburgring, aber nicht in New York oder irgendwo in China.

    Die Formel 1 muss auch nicht zu einem „Spektakel“ aufgemotzt werden – sie ist ein Spektakel“

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