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Das böse Wort Routine – meine persönliche, traurige Dschungelcamp-Bilanz 2017

Die Besatzung für das RTL-Dschungelcamp 2017
Die Besatzung für das RTL-Dschungelcamp 2017

Das Dschungelcamp 2017 bei RTL ist fast vorbei – an diesem Samstag wird das große Finale in Überlänge ausgestrahlt. Zeit für eine persönliche Bilanz. Das Camp in diesem Jahr markiert für mich als treuen Dschungelfan einen Wendepunkt. Obwohl die Quoten nach wie vor top sind, ist die eigene Begeisterung für das Format verflogen. Woran kann das liegen?

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Das Dschungelcamp bei RTL hat das Fernseh-Publikum schon immer in zwei Lager gespalten. Entweder man liebt es oder hasst es. Die einen sahen und sehen in dieser Sendung menschenunwürdiges Trash-TV. Andere ein toll produziertes, ironisch-witziges Psycho-Dramolett. Ich selbst gehörte stets zur zweiten Kategorie.

Von dem Moment an, als Daniel Küblböck in der ersten Staffel kreischend mit Kakerlaken übergossen wurde, war die Begeisterung für diese Sendung da. So etwas Unerhörtes hatte ich bislang nicht im Fernsehen gesehen. Der Dschungel war echt, die Kakerlaken waren echt, die Gefühle der „Stars“ waren echt. Das Dschungelcamp war eine Oase der Authentizität in einer Fernseh-Landschaft, in der sonst der Fake regiert.

Dazu kamen mit Dirk Bach und Sonja Zietlow zwei geniale Moderatoren, die zusammen mit höchst talentierten Gagschreibern ein Feuerwerk an Wortwitz und (Selbst)-Ironie abbrannten. Nichts war ihnen heilig auch nicht der eigene Sender. Diese Chuzpe ist bis heute eines der Markenzeichen des Dschungels. Nach dem traurigen Tod von Dirk Bach schaffte es Daniel Hartwich dann sogar in die großen Fußstapfen des kleinen dicken Mannes zu treten.

Die stets als Ausweis der Menschenverachtung herangezogenen Dschungel-Prüfungen waren eigentlich nie die Hauptsache, sondern immer nur Katalysator für eine sich im besten Fall entwickelnde Gruppendynamik. Dazu kamen Kandidaten, die im Dschungel Charakterstärke zeigen konnten – oder eben das Gegenteil. Es gab Leute, die wuchsen dort tatsächlich über sich hinaus, legten Schminke und andere Masken ab. Und es gab welche, die wenig sympathische Züge zeigten. Vorher wusste man nie, was passieren würde, wer am Dschungel wächst oder zerbricht.

Elf Staffeln läuft diese Sendung nun schon bei phänomenalem Zuschauer-Interesse. Regelmäßig schauen immer noch mehr als sechs Millionen Leute zu. Bei der legendären Staffel mit der ewigen Dschungel-Prinzessin Larissa Marolt waren es sogar durchschnittlich 8 Mio. und stellenweise über 9 Mio. Zuschauer. Das war der Höhepunkt der Reihe – inhaltlich und quotenmäßig.

Im vergangenen Jahr, zum 10. Jubiläum, lief das Camp dank der extrem reizbaren Kandidaten Helena Fürst („Höllena“) und Thorsten Legat („Kasalla!“) noch einmal zu einer gewissen Form auf. Aber in diesem Jahr ist endgültig die Luft raus – zumindest für mich.

Woran liegt das?
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In der Theorie hat RTL auch dieses Jahr eine gute Besetzung zusammengetrommelt. Es gab mit dem schrecklichen „Honey“ eine Hassfigur und auch ansonsten ein Panoptikum an schrägen Vögeln. Die Kulisse ist dieselbe, die Moderatoren, die Gagschreiber auch. Die Prüfungen sind teils noch ekliger (Fischaugen mit dem Mund zerdrücken und die Brühe trinken – igitt!). Daniel Hartwich und Sonja Zietlow machen Trump-Gags, eine Spinne krabbelt ins Camp und es gibt Reis und Bohnen satt – es ist so fad. Das böse, tödliche Wort Routine kommt in den Sinn.

Man spürt diesen Effekt auch daran, dass man bei Unterhaltungen mit anderen Fans des Formats automatisch immer wieder auf die Höhepunkte aus vergangenen Staffeln zu sprechen kommt: Weißt du noch, als die Larissa … das war was, als die Sarah Dingens die Prüfung geschmissen hat … die Lagerfeuer-Beichte als die van Bergen erzählt hat, wie sie ihren Mann erschossen hat … und der schreckliche Peter Bond! Aber ob Hankas Psychosen jetzt echt oder gespielt sind – Achselzucken. Auch egal.

Alles ist da und vermag doch nicht mitzureißen. Das geht über den temporären Frust über eine einmalig schlecht besetzte Staffel (Dschungelkönigin Maren Gilzer) hinaus. Es ist alles so vorhersehbar geworden: Wer frisst, gewinnt. Wer sich positiv und ein bisschen dümmlich verhält und nicht rumzickt, kommt weiter. Die Briefe kommen an, es wird geheult. Irgendwann werden dann die Kekse des Sponsors aus der Schatzkiste geholt und die „Stars“ haben längst begriffen, dass sie nicht mehr jeden Schmu mitmachen müssen („Ich trete zu dieser Prüfung nicht an!“). RTL dehnt das Camp mittlerweile auch erkennbar aus. Zu Sarah-Knappik-Zeiten gab es ausnahmsweise mehr Sendezeit, weil man solch eine Fülle an Material hatte. Heute wird fast jede Folge auf fast zwei Stunden gestreckt – auch wenn die Ödnis regiert. Die einstündige Camp-Folge ist die Ausnahme geworden und findet nur statt, wenn hinterher „stern TV“ läuft, in der es mit Camp-Berichterstattung weitergeht.

Es stimmt zwar: Die Produktion ist vom Niveau her immer noch Lichtjahre entfernt von wirklichen Trash-Formaten wie etwa dem unteririschen „Adam sucht Eva“, aber der Dschungel ist mittlerweile einfach auch zu einer normalen TV-Show geworden. Die Meta-Ebene, das Ironische, das Besondere hat sich abgenutzt. Man könnte auch sagen: Das Dschungelcamp wurde durchgespielt. Sogar mehrfach.

Für RTL ist das vermutlich höchstens langfristig ein Problem. Die Sendung liefert immer noch Top-Quoten und sogar leicht steigende Marktanteile in der Zielgruppe, die Werbevermarktung brummt. Selbst falls die Quoten schrittweise sinken sollten, wird es lange dauern, bis sich das für den Sender nicht mehr lohnt. Zumal andere Formate, die die Strahlkraft des Dschungelcamps auch nur annähernd haben, weit und breit nicht zu sehen sind. Und das Camp zieht ja auch die Sendungen in seinem Umfeld nach oben. „stern TV“ feierte gerade einen historischen Quoten-Rekord mit einer Dschungel-Nachbesprechung. Auch „Deutschland sucht den Superstar“ und andere RTL-Serien profitieren von einer Programmierung direkt vor oder nach dem Camp.

Das Dschungelcamp wird also bleiben und es wird weiter viele Zuschauer haben. Aber ob nun eine Hanka, ein Marc Terenzi oder Florian Wess die Blätterkrone aufgesetzt bekommen, ist mir herzlich egal. Und ob Leute wie ich noch bei jeder Folge gebannt am TV-Schirm hängen – das kann letztlich RTL egal sein.

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Alle Kommentare

  1. es müssten die Regeln feändert werden, zb.die Zuschauer betimmen bis zum Schluss wer in die Prüfung geht.Jeder Prominuss eine Essensprüfung machen, diejenigendie verweigern müssen gehen oder pro Verstoss und Verweigerung 5000 euro von der Gage abziehen.Wenn die promis aufgeteilt werden dann nur per Los ..so das wäre mein Vorschlag, die bekommen genug Geld , dann sollen sie auch was dafür tun, denn sie wissen was suf sie zukommt

  2. Yep, genau so isses … ich stelle auch fest, dass ich früher begeistert vor dem Bildschirm gesessen habe und mir heute irgendwas fehlt, das weiterhin zu tun.

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