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„Martin Schulz wird nicht Kanzler werden“: die Pressestimmen zum neuem Merkel-Herausforderer

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Der Rücktritt von Sigmar Gabriel als SPD-Parteichef und sein Verzicht auf die Kanzlerkandidatur beschäftigt die Medien kaum noch. Alle Augen richten sich jetzt auf Martin Schulz. Am heutigen Donnerstag durchleuchten die Kommentatoren von Bild, FAZ und SZ erst einmal den neuen starken SPD-Mann auf Herz und Nieren. Was sie sehen, scheint ihnen zu gefallen – zumindest vieles.

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In der Bild analysiert Nikolaus Blome, was ein Herausforderer Schulz für Merkel bedeutet: „Mindestens ein Gutes hat die überraschende Kür des Kanzlerkandidaten für die SPD: Auch die Gegnerin, Angela Merkel, wird auf dem falschen Fuß erwischt. Martin Schulz ist in vielem schwerer auszurechnen als Sigmar Gabriel. Seine Stärken – emotionale Auftritte und klare Sprache – sind Merkels Stärken gerade nicht.“

In seinem Morning Briefing notiert Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart: „Freund und Feind des Sozialdemokraten versuchen, sich anhand früherer Interview-Äußerungen ein Bild seiner politischen Positionen zu machen. So wirbt Schulz für zusätzliche Investitionen, finanziert durch höhere Schulden. Dem EU-Haushalt würde er gerne neue, direkte Einnahmequellen erschließen. Die schwarze Null von Wolfgang Schäuble hält er für einfallslos. Das Erkennungszeichen von Martin Schulz scheinen die Spendierhosen.“

Bei Spiegel Online wendet sich Florian Gathmann ganz praktischen Fragen zu, wie dem noch fehlenden Team, mit dem Schulz unvorbereitet in den Wahlkampf geschickt wird: „Dabei fehlt ihm seine komplette Mannschaft. In Straßburg und Brüssel hatte Schulz ein eingeschworenes Team, seine engsten Leute aber werden dort bleiben. In Berlin muss er nun so schnell wie möglich eine Truppe zusammenstellen. Schulz‘ sogenanntes Berliner Umfeld besteht mit Markus Engels aus genau einem Mann, allerdings ist der ein sehr erfahrener und gut vernetzter Politik-Profi.“ Weiter schreibt Gathmann: „Dieser Umstand erinnert an Peer Steinbrücks Kanzlerkandidatur, der personell ähnlich unvorbereitet in die Bundestagswahl 2013 startete. Vergleiche mit Steinbrücks Pannen-Kandidatur hört man ja nicht gerne in der SPD.“

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Auch Stefan Reinecke in der taz beschäftigt sich mit den Parallelen zwischen Schulz und Steinbrück: „Ist dies also die Fortsetzung zu 2013? Wieder eine stolpernde, aus der Not geborene Verlegenheitslösung? Martin Schulz als neuer Steinbrück? Es sieht ähnlich aus. Aber so ist es nicht. Schulz mag wenig Erfahrung mit dem innenpolitischen Betrieb haben. Aber er hat eine Botschaft. Und keine schlechte: Europa.“

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Heribert Prantl: „Schulz ist ein Mann aus der kleinen Provinz mit Erfahrung in der großen Welt. Er wird nicht Kanzler werden, jedenfalls nicht 2017. Er wird, wenn es gutgeht, die SPD gestärkt in die Opposition führen. Er wird, wenn es ganz gut geht, einer geknickten, jammrigen Partei wieder ein wenig alten Stolz geben. Gabriel hat das nicht geschafft; sein Verhältnis zu seiner Partei war zu gebrochen; er verkörperte, ob er wollte oder nicht, das Leiden seiner Partei an der Agenda 2010. Er konnte in der großen Koalition mit der Union zwar viele sozialdemokratische Projekte durchsetzen, aber für die SPD kein Kapital daraus schlagen. Gabriel war ein Verwalter des Elends der SPD.“

Holger Stelzner, FAZ: „Er steht wie kein anderer deutscher Politiker für „Brüssel“ als Chiffre für eine abgehobene und bürokratische Europa-Elite. Die Entfremdung zwischen Eliten und großen Teilen der Bevölkerung gibt es nicht nur in Amerika. Auch in Deutschland wenden sich zunehmend Wähler von der etablierten Politik ab.“

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