Abschied von Ex-Herausgeber Dieter Eckart: der stille „Baumeister der FAZ“, den alle d.e. nannten

Im Alter von 78 Jahren verstorben: Dieter Eckart prägte den Nachrichtenstil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Im Alter von 78 Jahren verstorben: Dieter Eckart prägte den Nachrichtenstil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Vergangene Woche verstarb Dieter Eckart, ehemaliger Herausgeber der FAZ. Der Darmstädter hatte ab 1966 in der Politikredaktion des Blattes gearbeit, und dieses als Nachrichtenchef maßgeblich geprägt. "Er war Tag für Tag ihr Baumeister", schrieb die FAZ über die Rolle Eckarts bis zu seiner Pensionierung 2005. Für MEEDIA erinnert Ulrich Schulze an den Ausnahme-Journalisten mit dem Kürzel d.e..

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Von Ulrich Werner Schulze

Es ist für die heutigen Medien bezeichnend, dass sie über den Tod eines ihrer Besten kaum ein Wort veröffentlichten. Dieter Eckart, den seine engsten Freunde stets nur d.e. nannten, hätte dies nicht verwundert – er, ein stiller, aber stilprägender Journalist, der Generationen von Redakteuren den Pfad in den Beruf wies und viele später bei ihrem Aufstieg still begleitete und immer wieder anspornte, verstarb am 19. Januar im Alter von 78 Jahren nur wenige Tage nach der letztendlichen Diagnose. Am kommenden Montag, dem 30. Januar, wird er in seinem Wahlheimatort Heusenstamm beigesetzt werden.

d.e. war umfassend gebildet, aber er blieb Zeit Lebens neugierig; seinen enormen literarischen und musischen Hintergrund ließ er gelegentlich mit verschmitztem Lächeln aufblitzen; die zunehmende Kurzsichtigkeit der Tagespolitik ärgerte ihn, die lange Dünung einer neuen politischen Entwicklung sah er oft eher als andere voraus. 1966 kam er zur Frankfurter Allgemeinen, wurde 1973 deren verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und prägte länger als ein Vierteljahrhundert deren klassisch englischen Nachrichtenstil, der zugleich maßgebliche Beiträge des weltweiten Korrespondentennetzes der Zeitung einschloss. 2001 wurde er in das Herausgeber-Gremium des Blattes berufen, dem er bis zu seinem Ruhestand 2005 angehörte.

„Dieter Eckart besaß einen prinzipienfesten Pragmatismus, der einen Begriff davon hatte, wo die Grenze zwischen Grundsatztreue und Starrsinn verläuft“, notierte Werner D’Inka, sein Nachfolger im Amt als Herausgeber, in seinem Nachruf. „Er wusste, was die Zeitung brauchte, wie an unsichtbaren Fäden lenkte er die Redaktion dorthin“; er war auf diese Weise ein „Baumeister der Zeitung“, schrieb D’Inka.

Der Autor dieses Textes war von 1980 bis Ende 1991 Redakteur der FAZ.

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