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Studie: Vertrauen in die Medien steigt massiv an – das Misstrauen aber ebenso

Kommunikationsforscher Oliver Quiring von der Uni-Mainz
Kommunikationsforscher Oliver Quiring von der Uni-Mainz

Mehr Hater, aber auch mehr Unterstützer: In ihrer neuen Ausgabe zitiert die Zeit eine Studie der Uni Mainz, die sich mit dem vermeintlichen Vertrauensverlust der Medien in Zeiten von Fake-News, alternativen Fakten und Lügenpresse-Vorwürfen befasst. Die Macher kommen zu dem für die Medien beruhigenden Schluss, dass heute 40 Prozent der Aussage zustimmen, dass man der Presse „eher oder voll und ganz“ vertrauen könne. Dies ist ein massiver Anstieg. Gleichzeitig nimmt aber auch die totale Ablehnung zu.

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In Auftrag der beiden Kommunikationswissenschaftler Oliver Quiring und Tanjev Schultz befragte das Ifak Institut bundesweit 1.200 Personen.

Die Untersuchung führten die Forscher nicht zum ersten Mal durch. So sprachen sich im Jahr 2008 nur 29 Prozent der Befragten den Medien ihr volles Vertrauen aus. Die Zunahme erklären sich die Macher damit, dass sich Teile der Bevölkerung mittlerweile „klarer positionieren“ würden. „Man könnte das angesichts von bösartigen Vorwürfen wie Lügenpresse als Statement verstehen“, sagt Quiring im Gespräch mit der Zeit. „Vielleicht wird einigen Bürgern jetzt auch stärker bewusst, was man im Vergleich zu anderen Staaten an den Medien und der Pressefreiheit in Deutschland hat.“

Seit 2008 wuchs allerdings auch die Gruppe derjenigen sprunghaft an, die ihren Glauben an die Presse völlig verloren zu haben scheinen. Vor neun Jahren bezifferten die Mainzer diesen Wert noch auf 9 Prozent. Heute sehen sie die Gruppe der Kritiker bei 24 Prozent. Die Hauptvorwürfe der Presse-Kritiker sind laut den Forschern, „dass die Medien Meinungen unterdrücken und nur Experten zitieren, die zur Berichterstattung passen.“

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Gleichzeitig sind die Wissenschaftler auch davon überzeugt, dass die Medien sich zu wenig erklären und das eigene Handeln nicht transparent genug aufarbeiten. „Ich glaube nicht, dass den meisten Journalisten bewusst ist, wie wenig man über ihren Beruf weiß“, sagt Schultz, der selbst viele Jahre bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet hat, zu diesem Punkt. So glauben nämlich 39 Prozent der Befragten, dass die Eigentümer der Medien bestimmen würden, was Journalisten zu berichten haben.

Besonders interessant ist zudem die Meinung der Forscher zur Bedeutung der sozialen Medien. Dort würde „eine kleine Minderheit den Diskurs bestimmen“. Weiter sagt Quiring: „Teilweise sind das Leute, die schlicht Spaß an der Provokation haben. Die wollen nur spielen. Ich würde als Journalist nicht so einfach mit mir spielen lassen.“

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