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Correctiv und Plusminus müssen sich bei Berichten zu angeblich unhygienischen Krankenhäusern korrigieren

Reizthema Krankenhaus-Keime: Correctiv und Plusminus müssen sich korrigieren

Viel Wirbel um eine Recherche von Correctiv und dem ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus. Beide Medien hatten Mitte Januar berichtet, dass mehr als jedes vierte Krankenhaus in Deutschland 2014 die Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts nicht erfülle. Dazu wurde eine interaktive Landkarte veröffentlicht, die zeigt welche Krankenhäuser angeblich unhygienisch sind und welche nicht. Die Veröffentlichung zog viel Kritik auf sich. Mittlerweile haben die Medien ihre Landkarte aus dem Netz entfernt und Fehler eingeräumt.

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Correctiv und Plusminus hatten für ihre Berichte die jährlichen Krankenhausqualitätsberichte und Da­ten des Landesverbands Nordwest der Betriebskrankenkassen ausgewertet. Die Deutsche Kran­kenhausgesellschaft und verschiedene Kliniken hatten den beiden Medien nach der Veröffentlichung vorgeworfen, dass die Daten teilweise fehlerhaft und veraltet seien.

Plusminus schreibt dazu auf seiner Website:

Nach der Berichterstattung haben wir mehrere Hinweise auf Widersprüchlichkeiten mit Blick auf die Zahlen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erhalten. Unter anderem habe es offenbar technische Schwierigkeiten bei der Datenübermittlung an den G-BA gegeben. Außerdem kam es aufgrund von Landesverordnungen in einigen Bundesländern zu Missverständnissen in der Auswertung der Daten, mithin in Einzelfällen auch zu Fehlern in unserer Karte.

So haben etwa einige Kliniken in 2014 Hygienepersonal beschäftigt, dies jedoch mitunter nicht angegeben, da nicht alle Berufe in den länderspezifischen Verordnungen gefordert oder empfohlen werden.

Man habe sich nach eingehender Prüfung entschieden, die interaktive Landkarte Karte aus dem Netz zu nehmen. Auch der TV-Beitrag werde nicht weiter verbreitet.

Die Landkarte wurde bei der Veröffentlichung von den beiden Medien per Pressemitteilung als interaktives Enthüllungs-Tool angepriesen:

CORRECTIV.org und Plusminus haben erstmals eine frei zugängliche Datenbank erstellt, in der man auf der Homepage plusminus.de nachschauen kann, welche Krankenhäuser die Hygienestandards erfüllen und welche nicht.

Bei Correctiv äußerte man sich unter der Überschrift „Viel Lärm um viel“ zu der Kritik an dem Recherche-Stück. Darin geht Co-Autor Hristio Boytchev auf Kritikpunkte ein, muss am Ende aber auch einräumen: „Es stimmt: Kliniken, die bei uns ‚rot‘ markiert sind, weil sie den Personalschlüssel nicht erfüllen, können in Sachen Hygiene einen guten Job machen. Und umgekehrt.“ Mit anderen Worten: Die interaktive Landkarte, auf der Nutzer mit einem Klick erkennen sollten, ob ihr Krankenhaus in Sachen Hygiene einen guten Job macht, war wertlos.

„Darum ist unsere Analyse nur ein erster Schritt, um die Krankenhausqualität in Deutschland transparent zu machen“, heißt es bei Correctiv. Das klang bei der Veröffentlichung freilich noch anders. Die Landkarte wurde auch dort offline gestellt. Die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft hat gegenüber dem Ärzteblatt begrüßt, dass die Karte vom Netz genommen wurde. Die falsche Darstellung ha­be Patienten verunsichert und Krankenhäuser verunglimpft. DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum: „Plusminus muss sich fragen lassen, ob eine ausreichende Überprüfung der Rechercheergebnisse statt­gefun­den hat. Dies gilt auch für den BKK-Landesverband Ost, der die Daten geliefert hatte und im Be­richt aufgrund der falschen und veralteten Daten ebenfalls Beschuldigungen gegen Kran­kenhäuser erhoben hatte.“

Der Fall zeigt exemplarisch, welche Probleme es bei Datenjournalismus geben kann. Hygiene in Krankenhäusern und Keime sind ja in der Tat ein wichtiges und heikles Thema, bei dem die Aufklärung von Missständen zu begrüßen ist. Aber gerade darum sollten Enthüllungen in diesem sensiblen Bereich auch besonders sorgfältig recherchiert und geprüft werden. Eine Landkarte, die Krankenhäuser aufgrund von alten Daten in „schmutzig“ und „sauber“  einteilt, schadet sowohl Patienten als auch Krankenhäusern. Und letztlich auch den beteiligten Medien.

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