Neurechtewelt: Web-Projekt listet News-Artikel, die bei AfD- und Pegida-Anhängern „steil“ gehen

Diese Nachrichten-Artikel werden auf den Facebook-Seiten von AfD (Parteichefin Frauke Petry) und Pegida geteilt
Diese Nachrichten-Artikel werden auf den Facebook-Seiten von AfD (Parteichefin Frauke Petry) und Pegida geteilt

Eine Facette der Debatte um Lügenpresse, "alternative Fakten" und dem Erstarken der neuen Rechte, ist die Annahme, dass immer mehr Nutzer in ihren Facebook-Filterblasen gefangen sind und nur noch die Inhalte der ihnen nahestehenden Medien wahrnehmen. Aber, ist das wirklich so? Eine interessanten Beitrag zur Beantwortung dieser Frage, liefert das Web-Projekt Neurechtewelt. Die Initiative sammelte jede Wochen die Nachrichtenartikel aus den beliebtesten Posts der Facebook-Seiten von AfD und Pegida.

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In einem sehr reduzierten Layout listet die Seite von Neurechtewelt, nach Wochen sortiert, die beliebtesten Nachrichten-Postings von vier Facebook-Seiten: Pegida, AfD-Deutschland, AfD-Nordrhein-Westfalen und AfD-Baden-Württemberg.

So zeigt sich, dass die Top-Quellen in der vergangenen Wochen auf der Pegida-Seite von Focus Online („Trump: ‚Werden den radikalen Islamismus vom Antlitz der Erde tilgen'“), der Welt („Sonntagsfrage Bundestagswahl: AfD überholt in Brandenburg die Regierungspartei SPD“) und Politically Incorrect („Dresdner Rede: Gauland stellt sich hinter Höcke“) stammen.

Auf der AfD-Deutschland-Seite kommen die ersten drei Artikel von Focus Online („Donald Trump: Merkel hat mit Grenzöffnung „katastrophalen Fehler“ gemacht“ und „Umfrage-Klatsche für Gabriel: AfD landet in Brandenburg erstmals vor der SPD“) und Bild.de („Gaucks letzte Rede: „Das beste Deutschland, das wir je hatten“).

Hinter dem Projekt steht eine Gruppe von fünf Personen, die sich selbst als dem „Democracy in Europe Movement 2025 (DiEM25)“ nahestehend beschreiben (eine linke paneuropäische Bewegung, die unter anderem vom ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis ins Leben gerufen wurde), aber namentlich ungenannt bleiben wollen, wie sie in einem E-Mail-Interview mit MEEDIA erklären: „Wir sind eine kleine Gruppe von Aktivisten, die anonym bleiben möchte, um uns und unsere Familien keiner Hetze auszusetzen“

Ihr Angebot verstehen die Macher als Recherche-Tool für Journalisten und Aktivisten. So wollen bei der Aufklärungsarbeit gegen die Neue Rechte helfen. „Wir denken, dass unsere Datenbank zum Verständnis der ‚Mechaniken‘ und Methoden beitragen kann, mit denen der neurechte Populismus momentan so erfolgreich arbeitet. Wir hoffen, dass wir dadurch helfen können effektive Gegenmittel zu finden“, erklären sie.

Der Blick in die Quellen-Liste zeigt, dass die Fans der vier Facebook-Seiten sich noch immer überwiegend mit Hilfe, der von ihnen als „Mainstream“-Medien bezeichneten Nachrichten-Seiten informieren. Trotz anhaltender Lügenpresse-Rufe scheint man – zumindest auf den AfD-Seiten – die Berichterstattung von Bild, Focus, SZ & Co. noch immer für relevant zu halten. Natürlich finden sich der Liste auch die einschlägigen Blogs der sogenannten Querfront, doch diese scheinen weniger beliebt, als man gemeinhin annehmen könnte.

Das sieht auf der Seite von Pegida etwas anders aus. Dort finden sich – wie die Macher analysieren – „viele bekanntere, hetzerische, neurechte Medien, wie z.B. die Epoch Times, Unzensuriert.at, Politically Incorrect, oder Junge Freiheit.“ Weiter sagen sie gegenüber MEEDIA: „Im Allgemeinen sind wir überrascht, dass auch sehr viele österreichische Medien auf den Seiten verlinkt sind. Das Grundmotiv dieser neurechten Welt scheint Angst und Bedrohung zu sein, vor allem mit einem extremen Fokus auf (angenommener) Kriminalität durch Asylbewerber, besonders im Hinblick auf Sexualdelikte. Es ist für uns nur schwer nachvollziehbar, wie schrecklich man sich fühlen und ängstigen muss, wenn man täglich nur solche Nachrichten liest und alles was auf diesen Seiten berichtet wird, für bare Münze hält.“

Mit solchen Formulierungen hängen die Macher den Wert ihrer Datenbank allerdings etwas hoch. Tatsächlich blenden sie nämlich die Kommentar-Debatten unter den Quellen-Verlinkungen aus. So zeigt das Projekt nur eine Seite der Medaille. Es macht keine Angaben, wie die Facebook-Freunde von Pegida und der AfD über einen Text aus einem „Mainstream-Medium“ reden oder gar herziehen.

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