„Das Morgenblatt“: Stromanbieter Care Energy spendiert Hamburg eine neue Tageszeitung

Irgendwas zwischen Abendblatt und Morgenpost: Mit „Das Morgenblatt“ soll eine neue Tageszeitung für Hamburg erscheinen
Irgendwas zwischen Abendblatt und Morgenpost: Mit "Das Morgenblatt" soll eine neue Tageszeitung für Hamburg erscheinen

Der ohnehin satt versorgte Hamburger Medienmarkt bekommt eine neue Tageszeitung: Wie dnv online berichtet, soll im Februar "Das Morgenblatt" starten. Kurios: Hinter dem dazugehörigen K EINS Verlag steht das Hamburger Unternehmen Care Energy. Dessen Gründer ist vergangenes Wochenende überraschend gestorben. Chefredakteur ist für Medieninsider ein alter Bekannter: Ex-Max-Blattmacher Andreas Wrede.

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Das Projekt eines neuen Titels auf dem seit langem rezessiven Zeitungsmarkt kommt überraschend, klingt mutig und wirkt zeitgleich eigenartig. Der Hamburger Medienmarkt gilt bereits als stark umkämpft. So erscheinen neben den täglichen Ausgaben von Bild (Axel Springer), Hamburger Abendblatt (Funke Mediengruppe) und Hamburger Morgenpost (DuMont Mediengruppe) auch Springers Welt sowie die wöchentliche Zeit mit einem Hamburg-Teil.

Die Auflagen der bereits erscheinenden Titel sind recht unterschiedlich. So werden vom Abendblatt rund 198.000 Exemplare gedruckt, die Hamburger Morgenpost erscheint mit rund 100.000. Das Morgenblatt, das sich namentlich an beiden Titeln und in Aufmachung eher am Boulevardblatt Morgenpost orientiert, soll in wesentlich geringerer Auflage gedruckt werden. Laut DNV sollen 50.000 Exemplare zum Copypreis von je 70 Cent erscheinen. Eine Website wurde bereits in Betrieb genommen.

Die neue Zeitung dürfte von der Konkurrenz nicht nur wegen der Anlehnung an ihre Produkte kritisch begutachtet werden, sondern auch wegen des dahinterstehenden Verlages K EINS. Dieser gehört zu 100 Prozent dem Hamburger Energie-Anbieter Care Energy, das unter anderem ein Vergleichsportal betreibt und zahlreiche andere Energie-Dienstleistungen anbietet. Verlagsleiter ist dessen Marketing-Chef Timo Heinemann, die Chefredaktion des Morgenblatt soll laut DNV Andreas Wrede übernehmen. Dieser ist aktuell Dozent an der Hamburg Media School und arbeitete bereits für Bild, BamS, den Spiegel Verlag sowie die Verlagsgruppe Milchstraßen und deren Lifestyle-Titel Max.

Unklar ist derzeit, wann die Zeitung tatsächlich zum ersten Mal erscheinen soll und ob der bislang kursierende Termin (6. Februar) aufrecht erhalten bleibt. Denn erst am Wochenende gab das Unternehmen bekannt, dass sein Gründer und Geschäftsführer Martin Kristek gestorben ist. Für eine Stellungnahme und weitere Nachfragen war das Unternehmen am Dienstagnachmittag nicht zu erreichen.

Das neue Blatt mit dem gestürzten Logo erscheint im Tabloid-Format und sieht auf den ersten Blick ein wenig aus wie eine „Mopo“ in grün – allerdings ohne deren Boulevard-typische Layout-Elemente. Wie es ein solcher Newcomer trotz Dumpingpreis schaffen soll, eine langfristig stabile Käuferschaft zu generieren, erscheint Marktkennern ziemlich schleierhaft. Wahrscheinlicher ist, dass das Projekt „Morgenblatt“ als Anleitung zum möglichst effektiven Geldverbrennen in die lokale Mediengeschichte eingeht. Alles andere als ein Flop wäre definitiv eine Riesenüberraschung. Vermutlich werden die Wettbewerber bis zum Beweis des Gegenteils nicht einmal die sonst üblichen ernsthaften Abwehrmaßnahmen in Erwägung ziehen, so absurd erscheint das Vorhaben vorläufig. Aber auch in der Medienbranche gilt: Sag niemals nie.

 

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