Frische Fake News zu Donald Trump, der Zeit, sowie dem alten und dem jungen Augstein

Willkommen in der „Twilight Zone“
Willkommen in der "Twilight Zone"

Egal wo man hinschaut, überall finden sich diese angeblichen „Fake News“. Sogar in der Zeit, die über die Eröffnung der Elbphilharmonie berichtete, als diese noch gar nicht eröffnet war. Außerdem: Jakob Augstein verteidigt seinen Vater in seiner Spiegel-Kolumne gegen die neuen Rechten. Und Donald Trumps Amtseinführung ist laut einer schottischen Zeitung bloß der Staffelauftakt einer altbekannten SciFi-Serie. Der MEEDIA-Fake-Wochenrückblick.

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Fake News und kein Ende. Kein Tag vergeht ohne neue Enthüllungen, Geißelungen und angekündigte Gegenmaßnahmen gegen diese schlimmen, schlimmen Fake News, die uns alle sehr bald töten, wenn wir nicht aufpassen! Dabei ist der Begriff wabbeliger als der Oberkörper von Malle-Jens im RTL-Dschungel. Was ist das überhaupt, Fake News? Donald Trump hat den CNN-Bericht über die Existenz dieses seltsamen „Geheim“-Dossiers über sich als Fake News bezeichnet, obwohl es das Dossier erwiesenermaßen gibt. Diese Woche blamierten sich zahlreiche Medien mit falschen Eilmeldungen zu einem angeblichen NPD-Verbot, obwohl das Bundesverfassungsgericht das Verbot abgelehnt hat. Sofort hieß es wieder: Fake News! Peter Glaser fand für diese Art von Story, die auf Smartphone-Bildschirmen gleichzeitig wahr und unwahr ist, einen hübschen Ausdruck:

Die Zeit berichtete in ihrem Hamburg-Teil über die Eröffnung der Elbphilharmonie, obwohl diese noch gar nicht eröffnet war und kam dabei verständlicherweise mit der Kleiderfarbe von Moderatorin Barbara Schöneberger durcheinander. Ist eine solche Dummheit auch Fake News? Wer weiß das schon?

Der Rechercheverbund Correctiv soll bald für Facebook Fake-News-Stempel ausgeben. Gleichzeitig brütet die ARD über einer Fake News Task Force. Und die Politik ist sowieso auf Zinne wegen dieser Fake News und tüftelt an Anti-Fake-News-Gesetzen in Serie. Dabei ist „Fake News“ mittlerweile zu einem hohlen Kampfbegriff mutiert. Meinungen, die einem nicht passen, Fehler (natürlich immer die der anderen), Überspitztes, frei Erfundenes alles ist Fake News. Und wie das so ist: Wenn man versucht, ganz viele ganz verschiedene Dinge mit einem einzigen Begriff zu belegen, dann sagt der am Ende doch gar nichts. Hoffentlich hat der Spuk bald ein Ende.

Definitiv keine Fake News war die fürchterliche Rede des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Dresden, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnete. Fast noch erschreckender war aber, als man daran erinnert wurde, dass Rudolf Augstein und Martin Walser im Rahmen der Debatte um das Mahnmal in den 90er Jahren ganz ähnliche Formulierungen benutzt hatten wie Höcke heute. Dass etablierte Medien diese Facette zunächst ausblendeten, wurde von Stefan Niggemeier bei Übermedien kritisiert. Beim Spiegel haben sie das nun nachgeholt und ausgerechnet Jakob Augstein in seiner Online-Kolumne darüber schreiben lassen. Er nimmt Rudolf Augstein gegen die Vereinnahmung durch die neuen Rechten in Schutz:

Der alte Augstein lässt sich nicht vor euren dreckigen Karren spannen. Er gehörte zur Generation der Täter, die an der Schuld buchstäblich zerbrochen ist. In jenem Artikel, den die Rechten fleddern wollen, heißt es auch: „In uns, die wir von der ‚Endlösung‘ nichts wußten, sträubte sich alles, und es dauerte, bis wir uns als Deutsche zu der Erkenntnis durchringen konnten, daß ein einmaliges Verbrechen geschehen war.“
Noch mal an alle Kurzschließenden: Für Rudolf Augstein war das „Schandmal“ ein Mahnmal unserer Schande. Für den AfD-Mann Höcke ist es ein schändliches Mahnmal. Anders ist er im Kontext seiner Rede nicht zu verstehen, auch wenn er hinterher das Gegenteil behauptet.

Unabhängig davon, ob man der sprachlichen Auslegung von dem jungen Augstein folgen mag oder nicht: War es schlau, ihn diesen Kommentar schreiben zu lassen? Immerhin ist Jakob Augstein bekanntermaßen der Sohn von Rudolf Augstein (den er im Text nur „den alten Augstein“ nennt) und leiblicher Sohn von Martin Walser, der in der damaligen Debatte rund ums Mahnmal ebenfalls eine zentrale Rolle spielte und vom „alten Augstein“ in seinem Kommentar auch verteidigt wurde. Zumindest hätte es eines Hinweises bedurft, dass es sich bei diesem Thema für Jakob Augstein auch um eine Familiensache handelt.

Können Sie das hier überhaupt noch lesen oder ist das Abendland in der Zwischenzeit schon untergegangen? Während dieser Wochenrückblick geschrieben wird, laufen nämlich die Vorbereitungen für die Amtseinführung – oder wie es neudeutsch heißt: die Inauguration – von Donald Trump als 45. US-Präsident. Anfang der Woche landete Kai Diekmann seinen mutmaßlich letzten Scoop als scheidender Bild-Herausgeber mit einem Exklusiv-Interview mit Donald Trump. Medien weltweit haben über das Interview berichtet. Die Süddeutsche Zeitung versteckte den Hinweis, dass es die Bild war, zunächst etwas, was Diekmann sofort aufspießte.

Und siehe da: Kurz darauf wurde die Bild in der SZ an prominenter Stelle zitiert.

Diekmann und Trump wissen: Twitter wirkt.

Dieses Fundstück ist zwar schon leicht angegammelt, aber so gelungen, dass ich es hier trotzdem nochmal bringe, falls Sie es noch nicht kennen sollten.

Damien Love, TV-Kritiker der schottischen Zeitung The Sunday Herald, schrieb den Programmhinweis auf die Übertragung der Trump-Amtseinführung als ob es sich um die erste Folge einer neuen Staffel der klassischen Science-Fiction-Serie „The Twilight Zone“, die immer düstere Zukunftsszenarien ausgemalt hat, handeln würde:

The story begins in a nightmarish version of 2017 in which huge sections of the US electorate have somehow been duped into voting to make Donald Trump president. It sounds far-fetched, and it is, but as it goes on it becomes more and more chillingly plausible. Today’s feature-length opener concentrates on the gaudy inauguration of President Trump, and the stirrings of protest and despair surrounding the ceremony, while pundits speculate gravely on what lies ahead. It’s a flawed piece, but a disturbing glimpse of the horrors we could stumble into, if we’re not careful.

Fake News! Es gibt ja gar keine neue Staffel von „The Twilight Zone“!

Schönes Wochenende!

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