Paid Content-Bilanz 2016: Umsätze steigen branchenweit langsam – SZ und taz mit deutlichen Zuwächsen

paid-content.jpg

Paid Content bleibt ein Hoffnungs-Anker für die gebeutelte Medienbranche. Laut einer Analyse von Presse Vertriebs Digest (PVD) sind die Paid Content-Erlöse im vergangenen Jahr bei Zeitungen und Zeitschriften branchenweit um 14% auf 276 Mio. Euro gestiegen. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine (fundierte) Schätzung. Grund zur Freude herrscht bei taz und SZ. Die […]

Anzeige

Paid Content bleibt ein Hoffnungs-Anker für die gebeutelte Medienbranche. Laut einer Analyse von Presse Vertriebs Digest (PVD) sind die Paid Content-Erlöse im vergangenen Jahr bei Zeitungen und Zeitschriften branchenweit um 14% auf 276 Mio. Euro gestiegen. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine (fundierte) Schätzung. Grund zur Freude herrscht bei taz und SZ. Die taz verdoppelte ihre Online-Bezahlumsätze 2016 und die SZ meldet Paid Content-Erlöse im zweistelligen Mio-Bereich.

Die Meldung der SZ, über die die Fachzeitschrift Der Neue Vertrieb berichtet, passt zur Analyse vom Presse Vertriebs Digest. Dort wurden die Paid-Content Erlöse der SZ für 2016 auf 14 bis 15 Mio. Euro geschätzt. Wie die Süddeutsche selbst mitteilt, hätten die Erlöse im „signifikant zweistelligen Bereich“ gelegen. 2015 habe die SZ noch rund 10 Mio. Euro Paid Content-Umsätze erzielt. SZ.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger sagte dem Neuen Vertrieb: „Wir verdienen mit Leserfinanzierung inzwischen genauso viel wie mit Anzeigenfinanzierung. Manche andere Seiten ticken immer noch so, als könnte man im Internet mit ein bisschen Larifari und schnellen News am besten sein Geld verdienen. Wir sehen das anders und vermutlich ganz richtig, wenn wir auf die Umsätze schauen.“

So habe die Zeitung allein mit dem Verkauf spezieller Panama-Paper-Abos eine mittlere dreistellige Zahl neuer Abonnenten gewonnen. Freude auch bei der taz. Die links-alternative tageszeitung aus Berlin setzt online ganz auf freiwillige Zahlungen ihrer Leser mit der Kampagne „taz zahl ich“. Und das mit steigendem Erfolg. 2016 verzeichnete die Zeitung Online-Umsätze in Höhe von etwas über 600.000 Euro. Fast doppelt soviel wie im vorangegangenen Jahr 2015. 2016 hätten sich 3.502 Menschen neu für eine regelmäßige Unterstützung der Online-taz angemeldet, so die Zeitung in ihrem Hausblog. Insgesamt finanzieren 8.960 Menschen taz.de mit freiwilligen Beträgen.

Auch bei Springers Welt, der FAZ und dem Handelsblatt rechnet PVD mit deutlich gestiegenen Paid-Content-Erlösen in 2016. So hat die Welt den Preis für ihre Pay-Ausgabe Welt Edition um 50% erhöht, das Handelsblatt hat massiv in die Vermarktung des Pay-Angebots Digitalpass investiert und die FAZ hat mit FAZ Plus ein neues Pay-Angebot lanciert.

Das sind ermutigende Zahlen, branchenweit gibt es aber auch Verbesserungsbedarf. So notieren die Macher der PVD-Analyse: „14% Umsatzwachstum sind eine Enttäuschung für alle, die bezahlte Digitalinhalten für eine tragende Umsatzsäule der Presseverlage in der Zukunft halten. Aber von nichts kommt nichts! Noch langsamer als die Konsumenten ihre Portemonnaies öffneten, entwickelten im vergangenen Jahr die Verlage ihr Angebot. Die Anzahl der deutschen Zeitungspaywalls wuchs nicht einmal um 10%. Bei den Zeitschriften geht es noch langsamer voran. Eigentlich kommt einem hier nur das halbherzige Laterpay-Experiment des Spiegel in den Sinn. Von einem ernstgemeinten neuen Versuch eines etablierten Verlages, mit einem Digitalangebot Vertriebserlöse zu erzielen, fehlt 2016 weit und breit jede Spur.

Das kann man so sehen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige