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„Sophie Scholl würde AfD wählen“: Scharfe Kritik an AfD-Werbung mit Nazi-Opfern bei Facebook

„Völlig geschmackloser Post“: Auch aus den eigenen Reihen erntet eine AfD-Werbung scharfe Kritik
"Völlig geschmackloser Post": Auch aus den eigenen Reihen erntet eine AfD-Werbung scharfe Kritik

"Sophie Scholl würde AfD wählen" – mit diesem Slogan hat der AfD-Kreisverband Nürnberg Süd/Schwabach am Wochenende auf seiner Facebook-Seite geworben. Und heftige Kritik ausgelöst, sogar aus den eigenen Reihen: Die vom Hitler-Regime ermordete Studentin steht wie keine zweite für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus – der Werbetext vermittelt allerdings einen gänzlich anderen Eindruck.

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„Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ‚regieren‘ zu lassen.“ – so lautet der Satz, den der AfD-Kreisverband Nürnberg Süd/Schwabach für ein Werbebild auf seiner Facebook-Seite inszeniert. Versehen mit einem Foto der Widerstandskämpferin und dem Werbeslogan: „Sophie Scholl würde AfD wählen“.

„Sophie Scholl würde euch auf den Tisch sch…“, ist noch eine verhaltenere Netz-Reaktion auf das Posting. Die Kritik: Der Auszug aus dem ersten Flugblatt der Widerstandskämpfer „Weißen Rose“ – deren Urheber Scholls Bruder Hans war – ziele auf die Bundesregierung und rücke sie in die Nähe des Nazi-Regimes des „Dritten Reiches“. Ausgerechnet mit Studentin Sophie Scholl, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ebenso wie ihr Bruder und vier weitere Mitstreiter ihr Leben gelassen hat.

Auch aus den eigenen Reihen hagelt es Kritik – die AfD Nürnberg spricht dem Kreisverband sogar die Legitimität ab. So distanziere sich die AfD Nürnberg, die „mit der Facebookseite einer ‚AfD Nürnberg-Süd/Schwabach‘ nichts zu tun“ habe, von „diesem völlig geschmacklosen Post“. Derzei sei man dabei, juristisch prüfen zu lassen, „ob und wie wir gegen die Betreiber aktiv werden können“.

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Eine Nachfrage des Bayrischen Rundfunks vermittelt allerdings ein anderes Bild. So teilt der mittelfränkische Bezirksvorsitzende Siegfried Lang mit, dass der Kreisverband Nürnberg-Süd/Schwabach am 11. Dezember 2016 satzungsgemäß gegründet worden sei und den Bundestagswahlkreis 245 umfasse. Für den Wahlkreis 244 sei dagegen der Kreisverband Nürnberg/Schwabach zuständig – eine Umbenennung in Nürnberg-Nord werde „zeitnah erfolgen“. Des weiteren gebe es keine Überschneidung der Zuständigkeiten, so Bezirksvorsitzender Lang zum BR. Zu dem umstrittenen Facebook-Post wollte sich Lang nicht äußern.

Dafür hat der Kreisverband AfD Nürnberg-Süd/Schwabach auf sein Facebook-Posting mit einem weiteren Beitrag reagiert. „Zweifelsohne, unser Post ist provokativ“, schreibt der Kreisverband.

Doch „unsere politischen Wettbewerber nehmen für sich allesamt das Recht in Anspruch den politischen Diskurs hart und auch mit den Mitteln der Polemik, der Satire sowie der bewussten Zuspitzung und Verallgemeinerung zu führen und genau dieses Recht nehmen auch wir für uns in Anspruch.“ Den Vorwurf, „wir würden mit diesem Post das Andenken von Sophie Scholl verunglimpfen weisen wir mit aller Schärfe zurück“, heißt es weiter.

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