Ende einer Ära: Magazin-Gründer Helmut Markwort gibt Focus-Herausgeberschaft ab

Er gründete 1993 den Focus und trat nun als Herausgeber zurück: Helmut Markwort
Er gründete 1993 den Focus und trat nun als Herausgeber zurück: Helmut Markwort

Beim Focus Magazin geht eine Ära zu Ende: Helmut Markwort, Gründer des Nachrichtenmagazins aus dem Hause Burda, hat sein Amt als Herausgeber niedergelegt. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer morgigen Ausgabe. Markwort, der im Dezember 80 wurde, war von 1993 bis 2010 Chefredakteur des Blatts. In seiner Rolle als Herausgeber des kriselnden Magazins hatte er zuletzt an Einfluss verloren.

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Wie Hubert Burda Media nach Angaben der Süddeutschen bestätigt, sei Markwort bereits seit Jahreswechsel nicht mehr als Herausgeber tätig und wird seitdem im Impressum des Nachrichtenmagazins als Gründungschefredakteur geführt.

Der Rückzug von der Spitze des Magazins, das der Journalist 1993 in Konkurrenz zum mächtigen Spiegel gegründet hatte, ging also mehr oder weniger geräuschlos vonstatten. Die Gründe dafür sind bislang unklar. Dass sich Markwort vom Posten des Herausgebers trennen könnte, wurde bereits vor einem Jahr zum ersten Mal spekuliert. Das Handelsblatt berichtete jedoch damals, dass der Rücktritt zeitnah geschehe. Dem war nicht so.

Markwort trat 2010 vom Amt des Chefredakteurs zurück und wechselte in die Herausgeberschaft. Die redaktionelle Führung des Focus übergab er an seinen damaligen Co-Chefredakteur Uli Baur und Wolfram Weimer, der das Blatt jedoch ein Jahr später wieder verließ. Nachdem 2013 auch Baur ausschied,  war die Führungskrise unübersehbar. Nachfolger Jörg Quoos musste seinen Platz bereits nach 20 Monaten räumen, und auch dessen Nachfolger Uli Reitz – neben Baur einer der Wunschkandidaten von Markwort – schaffte es nicht länger als etwas über ein Jahr.

Focus woe

Zudem blieb der Focus auch vor den Erschütterungen, die die gesamte Branche noch immer treffen, nicht verschont. Nachdem sich die in den vorangegangenen Jahren rasant gesunkene Auflage nach dem Ausscheiden Markworts als Chefredakteur 2011 zunächst erholte, fiel die Kurve danach wieder ab. Die ständigen Blattmacher-Wechsel zeigten sich dabei als wenig hilfreich.

2016 installierte der Verlag dann den bis dahin Super-Illu-Chef Robert Schneider, der den Abwärtstrend bislang auch nicht stoppen oder abfedern kann. Die Berufung des damals 39-Jährigen wurde als Anzeichen für den schwindenden Einfluss des Gründungs-Chefs Markwort gedeutet, galt Reitz doch als enger Vertrauter des Herausgebers. MEEDIA kommentierte damals:  

Früher hätte das Reitz vor einer Absetzung bewahrt, zumindest eine ganze Weile. Jetzt wird nicht lange gefackelt, wenn Vorstand Philipp Welte und sein Vertrauter und Focus-Geschäftsführer Burkhard Graßmann den Glauben an die Handlungsfähigkeit einer Führungskraft verloren haben.

Nun ist es auch für Markwort mit dem Einfluss auf die Geschicke des von ihm konzipierten Titels vorbei. Er werde dem Magazin weiterhin als Autor seiner wöchentlichen Kolumne erhalten bleiben, auch sein Büro soll er behalten. Denn der 80-Jährige bleibe weiterhin Geschäftsführer von Burda Broadcast Media, zu der diverse Radiosender gehören. Bei seinem Lebenswerk Focus kann Markwort mit Stolz darauf zurückblicken, den übermächtigen Spiegel eine ganze Weile das Fürchten gelehrt und so wichtige Reformen beim Hamburger Magazin bewirkt zu haben.

Ob sein Herausgeberposten neu besetzt wird, ist noch nicht bekannt.

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