„Reporterfabrik“: Cordt Schnibben verlässt den Spiegel und gründet mit David Schraven Journalistenschule

Wollen professionelle und Bürgerjournalisten via Web-Akademie weiterbilden: Cordt Schnibben (l.) und David Schraven (r.) gründen die Reporterfabrik
Wollen professionelle und Bürgerjournalisten via Web-Akademie weiterbilden: Cordt Schnibben (l.) und David Schraven (r.) gründen die Reporterfabrik

Spiegel-Edelfeder und Digital-Vordenker Cordt Schnibben macht sich mit einem neuen Projekt selbstständig: Gemeinsam mit Correctiv-Macher David Schraven gründet der 64-Jährige mit der "Reporterfabrik" eine Online-Journalistenschule "für jeden". Finanzieren soll sich die Akademie aus Spenden und Stiftungsgeldern. Für das Start-up wird Schnibben den Spiegel nach rund 30 Jahren Tätigkeit verlassen.

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Cordt Schnibben, seit 1988 Redakteur beim Spiegel, hat kurz vor dem Eintrittsalter in den Ruhestand noch einmal Lust auf etwas Neues, und will sein journalistisches Wissen weitergeben. Mit dem Startup „Reporterfabrik“ will er „durch die Qualifizierung von Nicht-Journalisten und Journalisten“ den Weg in eine „redaktionelle Gesellschaft“ begleiten. So steht es im Konzept der geplanten Akademie, die der Reporter gemeinsam mit David Schraven, Herausgeber des gemeinnützigen Recherche-Büros Correctiv, in den vergangenen zwei Monaten erarbeitet hat.

Zur Zielgruppe gemacht haben sich die Macher also nicht nur (angehende) Journalisten, sondern auch die allgemeine Öffentlichkeit. Das Web, in dem die Akademie übrigens auch lehren will, hat Bewegungen wie die des Bürgerjournalisten hervorgebracht. Millionen von Menschen sind durch Blogs zum Publisher geworden, jeder, der etwas zu sagen hat, kann dies ungehindert tun. Schnibben und Schraven wollen „die positive Seite des Bürgerjournalismus“ stärken und der Gesellschaft ein Angebot zum Erwerb von Medienkompetenz machen – vor allem in Zeiten von Fake News, die nicht nur für den allgemeinen Nutzer schwer zu erkennen sind, ist dies ein ehrenwertes Anliegen. Zumal das Angebot möglichst gratis gemacht werden soll.

Für Online-Workshops, eBooks und auch Vor-Ort-Veranstaltungen sollen auf interessierte Bürger keine Kosten zukommen. Verdienen will die Akademie an kostenpflichtigen Workshops für Profis, also Journalisten. Die hauptsächliche Finanzierung des gemeinnützigen Projekts soll allerdings über Spenden und Stiftungsgelder gewährleistet sein. Welche Institutionen die Reporterfabrik, die in wenigen Wochen ihre Arbeit aufnehmen soll, finanziell unterstützen, wollen die Gründer noch nicht verraten. Dem Vernehmen nach sollen auch Tech-Unternehmen aus den USA Geldmittel zugesagt haben.

Der genaue Start-Zeitpunkt sowie Sitz der Akademie, die von der Correctiv GmbH betrieben werden soll, sind noch nicht bekannt. Dafür stehen weitere Partner wie das von Schnibben gegründete Reporter Forum und das netzwerk recherche fest. Auch ein prominent besetztes Kuratorium können Schnibben und Schraven vorweisen, darunter die Chefredakteure von Spiegel, Zeit, Süddeutscher Zeitung, G+J-Geschäftsführerin Julia Jäkel, FAZ-Digital-Chef Mathias Müller von Blumencron, Armin Wolf, Richard Gutjahr, Andreas Wolfers von der Henri-Nannen-Schule oder auch Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner.

In der Leitung der Schule wird sich Schraven auf das Organisatorische konzentrieren, während Schnibben das Projekt inhaltlich leiten soll. Für das neue Engagement will der langjährige Ressortleiter beim Spiegel das Nachrichtenmagazin verlassen. Offiziell würde er im kommenden Jahr ohnehin in den Ruhestand gehen, möglicherweise kehrt er der Ericusspitze wegen des baldigen Starts der Reporterfabrik auch schon eher den Rücken.

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