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Hamburger Abendblatt-Humor, Markwort bei Tichy und kein Trump-Dossier beim deutschen BuzzFeed

Helmut Markwort, Lars Haider, Donald Trump, deutsches BuzzFeed
Helmut Markwort, Lars Haider, Donald Trump, deutsches BuzzFeed

Hamburger Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider geht unter die Newsletter-Schreiber und versucht es mit „Hamburger Humor“. Helmut Markwort fordert von Medien „Fakten, Fakten, Fakten“ bei Tichys Einblick. BuzzFeed Deutschland fällt zur BuzzFeed-Enthüllung des Trump-Dossiers nichts ein. Und der Deutsche Bundestag hat eine überraschend strenge Kleiderordnung. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Moinsen, liebe Leser. Bzw. Hummel Hummel und Mors Mors, wie der echte, Pardon: waschechte, Hamburcher ja so zu schnacken pflegt. Hamburg, die Perle im Norden, hat schon einiges an gewitzten Persönlichkeiten zu bieten. Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider zum Beispiel, berühmt für seine launige, augenzwinkernde Video-Reihe „Chefvisite“. Der hatte jetzt die Idee für einen Chefredakteurs-Newsletter zusammen mit seinem Kollegen Matthias Iken. Und – jetzt kommt’s – weil das Hamburger Abendblatt ja morgens erscheint (herrlich verrückt), kommt der Morgenletter dafür jetzt abends. Abwechselnd kabbeln sich dort nun Chefredakteur Haider und Matthias Iken mit lustigen Reimen („Leider, leider schreibt morgen wieder Haider“) und Frotzeleien über ihre Rivalität als St. Pauli- (Iken) und HSV- (Haider) Anhänger. Vermutlich ist es das, was Lars Haider gegenüber turi2 als „Hamburger Humor“ angekündigt hat. Da kann der Maroldt mit seinem miesepetrigen „Checkpoint“ ja einpacken.

Beim Shitstorm- und Boykott-Fachmedium Tichys Einblick hat der Finanzen Verlag Verleger Frank B. Werner diese Woche den Focus-Gründer Helmut Markwort interviewt. Der hat vor einiger Zeit ja schon mal in der rechten Zeitung Junge Freiheit eine Medienschelte betrieben. Im diesem neuen Interview krittelt Markwort auch wieder an den Medien herum, ist aber ein wenig milder gestimmt.

Er schreibt den Medien und ihren Machern aber ins Stammbuch, wie sehr es auf die nötige Distanz ankomme, die Journalisten zu den Objekten ihrer Berichterstattung wahren sollten. Helmut Markwort ist übrigens jener Mann, der zu seiner Zeit als Focus-Chef und Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern unter Pseudonym („Moritz Rodach“) bei Focus Online Artikel über den FC Bayern schrieb.

Hei, da war was los bei der Pressekonferenz von Donald Trump diese Woche. Trump gewohnt erregt und erratisch, die Presse hysterisch. Und dann noch diese bizarren angeblichen Enthüllungen aus einem Geheimdossier über Trump, das so geheim nicht mehr ist, seit BuzzFeed es öffentlich gemacht hat. Die Veröffentlichung des Trump-Dossiers durch BuzzFeed hat eine große Debatte über Medienethik ausgelöst. Trump bezeichnete BuzzFeed auf seiner PK wegen der Veröffentlichung als „Pile of garbage“, also „einen Haufen Müll“, was als #pileofgarbage auch bei Twitter die Runde machte. BuzzFeed reagiert darauf schnell und verkaufte sogleich T-Shirts mit dem Spruch „Pile of Garbage“. Wie gut, dass es auch einen deutschen BuzzFeed-Ableger gibt. Die haben bestimmt auch was dazu gemacht. Wenn auch vielleicht jetzt nix Investigatives, dann doch vielleicht irgendwas mit Meinung oder was Originelles oder was Übersetztes. Oder einen Witz? Irgendwas? Nein?

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Auch interessant: Im Deutschen Bundestag ist es verboten, Kleidung mit sichtbaren politischen Slogans zu tragen. Darum wurde eine Schülerin vom Sicherheitspersonal des Bundestags angehalten, den Reißverschluss ihrer Jacke zu schließen, weil man sonst die Aufschrift „Refugees Welcome“ auf ihrem Pullover hätte lesen können. Die Lehrerin, Autorin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, Zuschauern von deutschen Politik Talkshows kennen sie, hat sich darüber bei Facebook aufgeregt und gefragt „Wo leben wir eigentlich?“ Die Seite Salonkolumnisten beantwortet die Frage von Frau Kaddor mit: „Wir leben in einem Rechtsstaat.“ Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat sogar extra einen verfassungsrechtlichen „Rahmen für spezifische Bekleidungsmarkenverbote in Hausordnungen von Parlaments- und Verwaltungsgebäuden“ ausgearbeitet. Darin ist zu lesen:

Von den Besuchern des Deutschen Bundestages werde erwartet, dass ihr Auftreten und Verhalten keine Störungen hervorrufen könne. Dazu gehöre auch, dass von Besuchern innerhalb der Gebäude erwartet werde, sich politisch neutral zu verhalten und dementsprechend auch keine Kleidung mit politischen Willensbekundungen zu tragen. Damit solle erreicht werden, dass der Prozess der politischen Entscheidungsfindung in den dafür vorgesehenen parlamentarischen Gremien unabhängig vom „Druck der Straße“ erfolge.

Also alles richtig bzw. vorschriftsmäßig gemacht. Die Hausordnung des Bundestages wird sogar so weit interpretiert, dass die in der Neonazi-Szene verbreitete Bekleidungsmarke Thor Steinar in Bundestagsgebäuden komplett verboten ist. Bei Spiegel Online wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Vizekanzler Sigmar Gabriel im Herbst 2015 sogar mit „Wir helfen! Refugees Welcome“-Button der gleichnamigen Bild-Aktion im Bundestag aufgelaufen ist. Den hätte der Sicherheitsdienst Gabriel dann eigentlich ja auch abnehmen müssen. Aber vielleicht war das Tragen dieses Buttons von Gabriel damals ja auch gar kein „Druck der Straße“ sondern ganz einfach nur eine blöde Idee.

Schönes Wochenende!

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