„Gute Abfindungen“ für entlassene T-Online-Journalisten: Ströer einigt sich mit Betriebsrat auf Sozialplan

Ströer-Chef Udo Müller
Ströer-Chef Udo Müller

Der börsennotierte Außen- und Digitalvermarkter Ströer schließt die Redaktion des Nachrichtenportals T-Online in Darmstadt. Betroffen hiervon sind 108 Mitarbeiter. Nach MEEDIA-Informationen haben sich inzwischen das Unternehmen und der Betriebsrat auf einen Sozialplan verständigt. Er sieht unter anderem faire Abfindungszahlungen vor, die ein Vertreter der Gewerkschaft Verdi als "gut" bezeichnete.

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Es war Schock für die Belegschaft des Nachrichtenportals T-Online. Überraschend verkündete der börsennotierte Außenwerber Ströer Mitte September vergangenen Jahres das Aus für den Redaktionsstandort Darmstadt. Das komplette Angebot soll ab 1. April in einem Newsroom in Berlin entstehen. Dort plant das Unternehmen, auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern eine der modernsten Nachrichten-Redaktionen des Landes zu schaffen. Von der Maßnahme sind 108 Mitarbeiter betroffen.

Wie ein Firmensprecher von Ströer auf MEEDIA-Anfrage bestätigt, hat sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat auf einen Sozialplan verständigt. Die Einigung sei bereits kurz vor Weihnachten am 21. Dezember erfolgt, heißt es. Danach steht den Mitarbeitern unter anderem eine Abfindung vor, die sich an die jeweilige Betriebszugehörigkeit orientiert. Thomas Müller, Landesfachbereichsleiter bei der Gewerkschaft Verdi in Hessen, bezeichnet die Höhe der Abfindung als „gut“. Er nannte aber keine weiteren Details.

Dass sich Ströer mit den Arbeitnehmervertretern noch vor Jahresende geeinigt hat, ist verständlich. Dadurch ist es für die Aktiengesellschaft leichter, notwendige Rückstellungen in die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres einzustellen. In Branchenkreisen geht man davon aus, dass der Vermarkter für die Abfindung aller Mitarbeiter einen Betrag in Millionenhöhe aufbringen muss. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat auf eine Transfergesellschaft verständigt. Sie soll entlassene Redakteure begleiten und weiterqualifizieren. Die Gesellschaft hat Bestand für die Dauer von zwölf Monaten.

Hintergrund für die Maßnahme ist, dass Ströer künftig alle Inhalte für die Special-Interest-Content-Portale wie giga.de, kino.de und erdbeerlounge.de sowie den allgemeinen Newsbereich von T-Online.de an der Spree ansiedeln will. Alle anderen Bereiche des Portalbetriebs wie Produktmanagement, Technik und Vermarktung verbleiben hingegen im Rhein-Main-Gebiet.

Gegen das Aus des Redaktionsstandortes hatte sich die Belegschaft vehement gewehrt. Die Mitarbeiter hatten unter anderem auch bei Google Anzeigen geschaltet, um auf ihr Anliegen öffentlich aufmerksam zum machen. Fraglich ist, ob Mitarbeiter von Darmstadt an den neuen Redaktionsstandort Berlin ziehen. Denn die Journalisten müssen sich hier auf einen Arbeitsplatz neu bewerben. Ihre Bewerbung würde wohlwollend, aber nicht bevorzugt berücksichtigt, heißt es aus Unternehmenskreisen bei Stroer. T-Online-Journalisten, die in Darmstadt und Umgebung Familie haben, dürfte aber ein Umzug an die Spree schwer fallen.

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