„Nicht ganz einfache Situation“: AMV-Vorstand Schäfer über die Folgen des VDZ-Rückzugs von G+J fürs Grosso

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Mitte des Jahres scheren Gruner + Jahr, der Spiegel, die Zeit und die Medweth-Gruppe nach erheblichen Streitigkeiten aus dem Fachverband Publikumszeitschriften im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) aus. Weil demnächst die Preisspannen mit dem Pressegroßhandel neu verhandelt werden müssen, befüchtet Gertrud Schäfer, im Vorstand des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage (AMV), dass die Gepräche durch den VDZ-Rückzug von Gruner + Jahr & Co. dem Grosso erhebliche Probleme bereiten werden. Das könnte Folgen für die Branche haben.

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Frau Schäfer, Sie sind im Vorstand des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage (AMV), einer Interessengemeinschaft diverser Zeitschriftenverlage und Nationalvertriebe. Sie haben den Verlagen Gruner + Jahr, Spiegel, der Zeit und der Media Group Medweth, die Mitte diesen Jahres aus dem Fachverband Publikumszeitschriften beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) aussteigen, angeboten, sich dem AMV anzuschließen. Was ist daraus geworden?
Ja, das ist richtig. Unser Vorstandsvorsitzender hat die vier Verlage angeschrieben und unseren Gesprächswunsch signalisiert. Dabei ging es aber nicht um eine mögliche Mitgliedschaft im AMV, sondern allein um einen Gesprächswunsch um gemeinsame Interessen herauszuarbeiten. Leider gab es darauf, bis auf eine Absage, keine Reaktion.

Warum haben die vier VDZ-Aussteiger ihr Angebot nicht angenommen?
Das müssen Sie die VDZ-Aussteiger fragen. Vielleicht ist es einfach noch zu früh, vielleicht muss man einfach erst einmal die eigene Marschroute festlegen.

Die vier VDZ-Verlage müssen sich neu aufstellen, um ihre Interessen im Markt wirkungsvoll durchzusetzen. Ist dies überhaupt möglich?
Aus der Sicht des AMV ist das auf jeden Fall möglich, denn die vier VDZ Aussteiger haben einen großen Marktanteil. Ich würde sagen, dass die vier mit ihren Nationalvertrieben weit mehr als 20 Prozent des Marktes darstellen. Von daher haben diese vier Verlage schon einen Menge Gewicht und man kommt bei Verhandlungen nicht an Ihnen vorbei.

Wäre die Gründung eines eigenen Verbandes eine Alternative?
Ich denke, dass eine Zerschlagung der Verlagsseite in viele verschiedene Verbände nicht sehr sinnvoll ist. Eine große Verlagskoalition kann ihre Ziele sicher sehr viel nachhaltiger vortragen, als viele kleine Organisationen. Die Schwierigkeit bei einer Interessenvertretung vieler verschiedener Verlage ist allerdings die Zielfindung. Mitunter ist es schwer, einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Daher ist es in kleinen, feinen Gruppierungen unter Umständen einfacher gemeinsame Ziele zu vereinbaren. Alles hat
eben Vor- und Nachteile.

Können Sie sich vorstellen, dass die vier Verlage die Bauer Media Group mit ins Boot holen?
Ich denke die Bauer Media Group hat in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass Sie auch als Einzelkämpfer ihre Interessen sehr gut durchsetzen können. Ich denke nicht, dass Bauer auf der Suche nach einem neuen Verband ist. Letztendlich ist das aber reine Spekulation von mir.

Die derzeitige Vereinbarung über die Handelsspannen, mit denen der Anteil des Pressegroßhandels am Vertriebserlös bemessen wird, läuft Ende Februar 2018 aus. Bislang hat der VDZ bei den Spannenverhandlungen als Interessenvertretung die Gespräche mit den Zeitschriftenverlagen geführt. Wird es nach dem Ausstieg von Bauer und dem Rückzug von Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und Medweth für den VDZ nicht schwieriger, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten?
Da muss ich Sie korrigieren, der VDZ hat in der Vergangenheit noch nie Handelsspannen mit dem Grosso vereinbart. Das darf er erst seit der neuen GWB-Novelle. Er hat aber von Anfang an gesagt, dass er diese Option nicht wahrnehmen wird, weil die Interessen der VDZ-Verlage viel zu heterogen sind. Dennoch war es in der Vergangenheit so, dass einige große Verlage aus dem Zeitungs- und Zeitschriftenbereich neue Spannen verhandelt haben und diese dann, über bilaterale Vereinbarungen der einzelnen Verlage, quasi von allen anderen Verlagen akzeptiert wurden. Rabattverhandlungen sind schon seit dem Rückzug der Bauer Media Group schwieriger geworden, durch den Rückzug von G+J, Spiegel, Zeit und Medweth ist das natürlich noch komplizierter. Mit wem soll der Grosso-Vorstand sprechen, mit den Verlagen, die noch im VDZ sind? Mit der Bauer Media Group? Mit den vier Rückzüglern? Mit Springer für die Zeitungen? Oder mit dem AMV für die kleinen und mittleren Verlage? Da das Grosso aufgrund seiner marktbeherrschenden Stellung zur Meistbegünstigung verpflichtet ist, muss man sich genau überlegen, mit wem man spricht und was man zusagt. Eine nicht ganz einfache Situation.

Der Bundesverband Presse-Grosso hat mit dem VDZ bislang einen Ansprechpartner gehabt, der den Großteil des Marktes abdeckt. Mit dem Ausstieg von Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und Medweth entfällt dies. Könnte sich dies negativ auf die Preisspannen zwischen dem Grosso und der Branche auswirken?
Wie ich schon sagte, der Rückzug von der Bauer Media Group und den vier Verlagen G+J. Spiegel, Zeit und Medweth ist für den VDZ schwierig. Alles was in den Arbeitsgruppen des VDZ erarbeitet wird, und das gilt nicht nur für Handelsspannen, ist nur für einen Teil des Marktes relevant. Die Verbindlichkeit ist einfach geringer.

Ist es möglich, dass die zwischen Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und Medweth und dem Grosso ausgehandelten Preisspannen schlechter ausfallen könnten als der Branchenschnitt, weil die vier Unternehmen weniger Verhandlungsmacht mitbringen?
Nein, das ist nicht möglich. Das Grosso ist zur Gleichbehandlung verpflichtet und egal wer das beste Verhandlungsergebnis erzielt, für gleichartige Titel aus anderen Häusern muss das dann auch gelten. Das ist ja das schwierige für den Grosso-Verband, er ist immer verpflichtet das beste Ergebnis allen zugänglich zu machen.

Welche Auswirkungen sehen Sie durch die neue Konstellation im Markt auf die Mitgliedern des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage?
Wir haben in den letzten Monaten sechs namhafte mittelständische Verlage als neue Mitglieder begrüßen dürfen. Auch der AMV repräsentiert einen zweistelligen Marktanteil. Jeder kleine und mittelständische Verlag sollte sich die Frage stellen, wer seine Interessen in der jetzigen Situation vertritt. Aus meiner Sicht fällt mir da nur der AMV ein und von daher erwarten wir, dass noch mehr mittelständische Verleger die Notwendigkeit erkennen, dass nur der AMV ihre Interessen nachhaltig vertreten kann.

Der Grossoverband hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, dass bei den Handelsspannen stärker das Verursacherprinzip berücksichtigt werden sollte. Dass heißt, Billig- und Mee-Too-Produkte mit hohen Remissionsquoten, die das Vertriebssystem deutlicher belasten, sollten stärker zur Ader gelassen werden. Wie sehen Sie dies?
Der AMV würde es gern sehen, wenn das Verursacherprinzip bei der Handelsspannenbemessung eine Rolle spielen würde. Dann allerdings auch konsequent, was aus unserer Sicht heißt. An wie vielen Erstverkaufstagen nutze ich das System, wie viele Einzelhändler werden durch meinen Titel angefahren, wie hoch ist die absolute Remission und die dadurch verursachten Kosten etc. ? Wie stehen der Verursacherdiskussion daher durchaus offen gegenüber.

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