ARD-Programmvorschau für 2017: Neues „Tatort“-Team mit Harald Schmidt, „Sherlock“ geht in Serie

„Mit unseren Fernseh- und Spielfilmen wollen wir bewegen“, so ARD-Programmdirektor Volker Herres (Foto)
"Mit unseren Fernseh- und Spielfilmen wollen wir bewegen", so ARD-Programmdirektor Volker Herres (Foto)

Das Erste hat seine Programmhighlights für 2017 vorgestellt. Die Präsentation im 23. Stock des Hamburger Emporio-Hauses war eine klare Ansage – die ARD will hoch hinaus: 150 Fernsehfilm-Erstausstrahlungen, darunter 43 neue Sonntagskrimis, sechs Event-Filme und mehr sind geplant. Programmdirektor Volker Herres präsentierte auch den in diesem Jahr startenden Schwarzwald-"Tatort" mit Harald Schmidt.

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Es liegt ein aufregendes und erfolgreiches Programmjahr hinter der ARD: Mit „Terror – Ihr Urteil“, dem TV-Event zum Abstimmen, hat das Erste eine bundesweite (Fernseh-)Debatte angestoßen – über die Olympischen Spiele in Rio wurde ausgiebiger denn je berichtet, was den Öffentlich-Rechtlichen mit herausragenden Quoten gedankt wurde – und der „Tatort“ hat seine 1.000 Folge gefeiert.

„Mit unseren Fernseh- und Spielfilmen wollen wir bewegen: die Gedanken und Gefühle der Menschen, aber ebenso die gesellschaftliche und politische Diskussion“, formuliert ARD-Programmdirektor Volker Herres seinen Anspruch für das Programm der ARD. „Daran wollen wir auch 2017 anknüpfen.“

Und so wollen es die ARD und ihre Produktionsfirma ARD Degeto anstellen – MEEDIA hat die wichtigsten Highlights für 2017 zusammengestellt.

Themenabende: Wenn TV zum Event wird

Das will die ARD laut Herres: „Diese Relevanz müssen wir im Ersten bei den großen fiktionalen Produktionen erreichen. Wir tun dies 2017 mit Eventfilmen und einer Dokumentation bzw. einer Diskussionsrunde im Anschluss u.a. zu den Themen Rechtsradikalismus in der Familie und Islamismus in Deutschland oder Organspende und Krankenhaushygiene.“

So befasst sich etwa der Fernsehfilm „Katharina Luther“ (22.2, 20.15 Uhr) mit Reformator Martin Luther, allerdings aus der Perspektive seiner Frau Katharina von Bora – das Thema wird im Anschluss durch eine Dokumentation („Luther und die Frauen“) vertieft. Die NDR-Produktion „Kalte Wasser“ (2. Quartal, 20.15 Uhr) rollt das tragische Schicksal der Rekrutin Jenny Böken auf dem Marine-Schulschiff Gorch Fock auf. Ein besonderes Highlight sind „Die Dasslers – Pioniere, Brüder und Rivalen“ (Foto oben, 2. Quartal, 20.15 Uhr) – ein Zweiteiler über die Unternehmens- und Familiengeschichte der (zerstrittenen) Dassler-Brüder, die mit den Marken Adidas und Puma zwei Sportschuh-Imperien aufgebaut haben.

Auch die britische BBC-Erfolgsserie „Sherlock“ (2. Quartal) mit Benedict Cumberbatch (Foto, l.) und Martin Freeman kehrt ins Erste mit drei neuen Filmen zurück. „Die Puppenspieler“ (AT, 4. Quartal, 20.15 Uhr) zeigt Deutschland in einem Zweiteiler im Jahr 1484, an der Schwelle zur Renaissance. „Kästner und der kleine Dienstag“ (4. Quartal, 20.15 Uhr) erzählt nach einer wahren Begebenheit die Geschichte über die Freundschaft eines achtjährigen Jungen zu dem Schriftsteller Erich Kästner, hier gespielt von Florian David Fitz.

Alte Bekannte und Neues am Serien-Dienstag

O-Ton Herres: „Neue Wege beschreiten wir auch bei unseren Hauptabendserien.“

Für 2017 sind neue Staffeln von „Die Kanzlei“ und „Um Himmels Willen“ geplant, auch „In aller Freundshaft“ fährt mit neuen Folgen auf. Für das kommende Jahr stehen aber auch drei Serien-Neustarts in den Startlöchern. Die sechsteilige Serie „Frau Tamme sucht das Glück“ (ab 24.1., 20.15 Uhr) erzählt von Carla Tamme, Risikoanalysten einer Versicherung, die nicht nur im Beruf zwischen Herz und Hirn ins Schleudern gerät. Die sechsteilige Event-Historienserie „Charité“ (Foto oben, ab 21. März, 20.15 Uhr) beleuchtet das traditionsreiche Berliner Krankenhaus – auch hier zeigt das Erste eine Dokumentation („Die Charité – Geschichten von Leben und Tod) im Anschluss – während die Anwalts-Comedy „Falk“ (3. Quartal, 20.15 Uhr) einen Gastronom bei der Rückkehr in seinen alten juristischen Beruf begleitet.

Jede Menge Fernsehfilm-Stoff am Mittwoch

Anspruch der ARD: „Der FilmMittwoch im Ersten ist der Sendeplatz für gesellschaftlich relevante und emotionale Stoffe und bietet Raum für außerordentliche Geschichten, die berühren, aufwühlen und den Zuschauern oft einiges abverlangen.“

Insgesamt 34 Fernsehfilm-Erstausstrahlungen seien für 2017 geplant. Eine davon: „Am Abend aller Tage“ (Foto oben, 2. Quartal, 20.15 Uhr) – dem neuen Drama des „Die geliebten Schwestern“-Regisseurs Dominik Graf um die turbulente Jagd auf ein verschollenes Gemälde. „Warum“ (2. Quartal, 20.15 Uhr) greift das Unglück der Love Parade im Jahr 2010 auf und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sieben Jahre später immer noch mit den Ereignissen zu kämpfen hat. In „Die letzte Reise“ (2. Quartal, 20.15 Uhr) mit Christiane Hörbiger in der Hauptrolle geht es um Sterbehilfe.

Der Donnerstag wird noch krimineller

Ziel des Senders: „Mit dem DonnerstagsKrimi konnten wir erfolgreich eine Reihe platzieren, die unterhaltende Krimi-Einzelstücke in attraktiven europäischen Städten und Regionen zeigt. Diese Reihe werden wir 2017 fortsetzen.“

Die Highlights der insgesamt 23 neuen Krimis auf diesem Sendeplatz: Die „Bozen-Krimi“-Reihe (Foto oben), in deren Auftakt „Der Anschlag“ (26.1., 20.15 Uhr) Kommissarin Sonja Schwarz (Chiara Schoras) einem Anschlag entgeht. Die Kugel verletzt jedoch ihren Ehemann, der im Auto neben ihr saß, lebensgefährlich. Wer ist der Täter? In „Donna Leon – Tod zwischen den Zeilen“ (2. Quartal, 20.15 Uhr) führt der gewaltsame Tod eines Büchersammlers Commissario Brunetti (Uwe Kokisch) zur Bibliothek Merula in Venedig – und in die Arme einer einflussreichen Drogen-Dynastie. „Der Lissabon-Krimi“ (2. Quartal, 20.15 Uhr) begleitet den abgehalfterten Rechtsanwalt Eduardo (Jürgen Tarrach) bei seiner Arbeit.

Neues Motto: „Endlich Freitag im Ersten“

Angepeiltes Ziel laut ARD: „Das Motto soll die Filme deutlich bei den Zuschauerinnen und Zuschauern positionieren und ihnen signalisieren, was sie auf diesem Sendeplatz erwartet“

Insgesamt werden im Laufe des Jahres 34 neue Fernsehfilme im Ersten zu sehen sein. Angefangen bei der Drama-Reihe „Die Eifelpraxis – Eine Dosis Leben“ (ab 27.1., 20.15 Uhr), in der ein 20-Jähriger nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Seine Lebenslust rauscht in den Keller – doch Dr. Chris Wegner  und Vera halten dagegen. Von einer ungewöhnlichen Freundschaft handelt „2 Sturköpfe im Dreivierteltakt“ (10.3., 20.15 Uhr) mit Uwe Ochsenknecht (foto oben, r.) und Herbert Knaup, in der die Herren um die 60 übergangsweise das Dance Center ihrer gemeinsamen Verflossenen führen sollen. In drei Filmen beschreibt „Eltern allein zu Haus“ (ab 24.3., 20.15 Uhr), wie sich das Leben der Schröders, der Winters und der Busches durch den Auszug der Kinder verändert – mit hochkarätigen Schauspielern wie Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer.

Sommer- und Premierenkino: Kino-Hits in Serie

Der ARD-Anspruch: „Neben hochkarätigen Fernseh- und Spielfilmen zeigen wir im Ersten auch besonders erfolgreiche und anrührende Kinohighlights. Und natürlich wird der Nachwuchs der Fernseh- wie Kinoregisseure seine Arbeiten wieder im FilmDebüt im Ersten einem breiten Publikum vorstellen können.“

Insgesamt zeigt Das Erste 16 deutsche ARD-Kinokoproduktionen als Fernsehpremieren am Sonntagabend sowie 14 Filme im Sommer- und Premierenkino. Darunter der international gefeierte Streifen „Victoria“ (2. Quartal, 23.30 Uhr) mit Frederik Lau (Foto, l.) – der gänzlich ohne Schnitt in einer einzigen 140-minütigen Kameraeinstellung gedreht wurde – sowie „Ich und Kaminski“ (4. Quartal, 23.30 Uhr) mit Daniel Brühl als überehrgeizigen Biografen eines Künstlers und das Oscar-prämierte Drama „The Imitation Game“ (3. Quartal, 20.15 Uhr) mit Benedict Cumberbatch als kriegsentscheidender und verfolgter Code-Knacker im Zweiten Weltkrieg.

Publikumsmagnet: Sonntagskrimi

Herres: „Ein neues Team aus dem Schwarzwald wird die älteste und erfolgreichste Krimi-Reihe im deutschen Fernsehen ergänzen. Ansonsten setzt der Sonntagskrimi auf Kontinuität, das heißt hier auf spannende Unterhaltung mit aktuellen Fällen, die nah an der Wirklichkeit und in den Regionen verwurzelt sind.“

Insgesamt werden 36 „Tatort“-Erstausstrahlungen und sieben neue „Polizeiruf 110“-Episoden 2017 im Ersten zu sehen sein. Beim SWR ermittelt ab Herbst sogar ein neues „Tatort“-Team: Beim neuen „Tatort Schwarzwald“ sind die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) im Einsatz. Gut aufeinander eingespielt, kommen die beiden ohne lange Absprachen aus, und ihren taktisch-politischen Dezernatsleiter Gernot Schöllhammer (Harald Schmidt, Foto r.) wissen sie zu nehmen.

Fazit: Masse und Klasse, aber…

Insgesamt will Das Erste im neuen Jahr über 150 Fernsehfilm-Erstausstrahlungen, darunter 43 neue Sonntagskrimis und sechs Eventfilme im Rahmen eines Themenabends zeigen. Hinzu kommen 38 neue Folgen der Hauptabendserien, 16 Kinoproduktionen, 12 Debüt-Filme sowie 14 Sommer- und PremierenKinoplätze.  „Aber das ist nur die rein quantitative Bilanz des Filmjahrs“, so Herres. „Qualitativ haben wir viel mehr zu bieten, das sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt.“

MEEDIA-Fazit: Die ARD-Zuschauer dürfen also gespannt sein; es gibt jede Menge Film- und Serienstoff. Doch: Es wird auch ein Jahr ohne außergewöhnliche Sportereignisse im Ersten sein – wie Olympia, das erst wieder 2018 stattfindet und obendrein bei Eurosport – und offenbar auch ohne große Experimente. Oscar-prämierte Filme und Themenabende zu tagesaktuellen Themen (wie das 500-jährige Jubiläum von Martin Luthers Thesen) sind zweifellos spannende Fernsehkost. Aber auch die sichere Bank. So war etwa das Abstimmungs-Event „Terror – Ihr Urteil“ ein Achtungserfolg für das Fernsehen und die ARD – von TV-Experimenten dieser Kategorie würde man gerne mehr sehen.

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