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BuzzFeed veröffentlicht umstrittenes Anti-Trump-Dossier und entfacht Debatte um Medienethik in den USA

BuzzFeed News hat ein umstrittenes Dossier über Donald Trump veröffentlicht
BuzzFeed News hat ein umstrittenes Dossier über Donald Trump veröffentlicht

Das US-amerikanische Medium BuzzFeed hat ein Dokument mit peinlichen und hoch explosiven Anschuldigen gegen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump veröffentlicht und damit eine Debatte über journalistische Ethik in den USA ausgelöst. Das Dossier, in dem u.a. Verbindungen des Trump-Lagers zu Russland behauptet werden, zirkulierte über Monate in Kreisen von Medien und der Politik. Traditionelle Medien wie New York Times und CNN haben davon abgesehen, Inhalte aus dem Dossier zu veröffentlichen.

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Das 35-seitige Dossier zu Trump soll von einem ehemaligen britischen Geheimdienstmitarbeiter erstellt worden sein, heißt es. Die Chefs von FBI, CIA und NSA sowie der nationale Geheimdienstdirektor informierten Trump, den scheidenden Präsidenten Barack Obama und acht führende Parlamentarier vergangene Woche darüber, wie CNN berichtete. Die Bundespolizei FBI untersuche Glaubwürdigkeit und Wahrheitsgehalt der Informationen. Laut „New York Times“ schätzen US-Beamte den britischen Ex-Agenten als verlässlich und Russland-erfahren ein.

Zunächst im Auftrag von Trumps parteiinternen Rivalen während der US-Vorwahlen, später dann soll der Ex-Geheimdienstler im Auftrag von Mitgliedern der Demokratischen Partei gehandelt haben. In dem Dossier werden Trump Verbindungen zu Russland unterstellt. Außerdem werden „perverse sexuelle Handlungen“ beschrieben, die vom russischen Geheimdienst arrangiert und aufgezeichnet worden seien und die geeignet seien, den künftigen US-Präsidenten zu erpressen.

Beschrieben werden außerdem angebliche Treffen zwischen Trump-Vertretern und russischen Offiziellen während des US-Präsidentenwahlkampfs, bei denen unter anderem über russische Hackerangriffe auf die Demokratische Partei gesprochen worden sei. Dies sei mit Trumps Wissen und Unterstützung geschehen. Trump hat dies wiederholt bestritten. In dem Dossier ist auch die Rede davon, dass russische Behörden über ein Dossier mit kompromittierendem Material über Hillary Clinton verfügen würden, das bislang aber noch nicht ins Ausland gelangt sei.

Das Trump-Dossier befindet sich offenbar seit vergangenem Herbst im Besitz mehrerer US-Medien und politischer Kreise in den USA. Reporter haben versucht, die Vorwürfe aus dem Dossier zu recherchieren und zu überprüfen, was bislang offensichtlich niemandem gelungen ist. Auch BuzzFeed schreibt, dass die Infos aus dem Dossier bislang nicht verifiziert werden konnten und teilweise auch nicht verifizierbar sind. Außerdem sind mehrere klar nachweisbare Fakten-Fehler in dem Dossier. Der noch im Amt befindliche Präsident Barack Obama und Donald Trump haben nun von den US-Geheimdiensten kürzlich eine zweiseitige Zusammenfassung des Dossiers ausgehändigt bekommen, worüber CNN berichtete. CNN vermied es aber, Inhalte aus dem Dossier wiederzugeben. Donald Trump und Mitarbeiter bestreiten die Vorwürfe aus dem Dossier energisch.

Moskau dementierte die Berichte. „Das ist vollkommen ausgedacht, es ist eine Ente“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Russland sammle weder Material über Trump noch über dessen demokratische Gegenkandidatin bei der Präsidentenwahl, Hillary Clinton. „Das ist eindeutig ein Versuch, die bilateralen Beziehungen zu stören“, sagte Peskow in Moskau.

Nun hat BuzzFeed das komplette Dokument mit einem begleitenden Text online veröffentlicht. „Damit sich die amerikanischen Bürger ein eigenes Bild über die Vorwürfe machen können, die in höchsten Regierungskreisen über den designierten Präsidenten zirkulieren“, wie BuzzFeed schreibt. Die Washington Post hält diese Begründung für lächerlich. Leser könnten sich nur dann selbst ein Bild machen, wenn sie ihren eigenen Geheimdienst aufbauen würden, mit einer deutlichen Konzentration auf Aktivitäten in Russland und Osteuropa.

In einer internen Mail, rechtfertigte BuzzFeed-Chefredakteur Ben Smith die Veröffentlichung noch damit, dass dies zeige, „wir wir den Job von Reportern in 2017 verstehen“.  Mit dieser Sicht steht BuzzFeed derzeit ziemlich allein da.

Mit Material von dpa.

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