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Nach „Gutmensch“ und „Lügenpresse“: „Volksverräter“ ist das Unwort des Jahres 2016

„Volksverräter“ ist das Unwort des Jahres 2016 – eine schwere Entscheidung, so die Jury
"Volksverräter" ist das Unwort des Jahres 2016 – eine schwere Entscheidung, so die Jury

Die Jury habe lange überlegt, ob das "Unwort des Jahres 2016" aus dem "plakativen und polemischen Sprachgebrauch, den Angehörige und Anhängerinnen von Pegida, AfD oder ähnlichen Initiativen verwenden" stammen sollte. Die Wahl soll der Kritik am Sprachgebrauch mit faschistischem und fremdenfeindlichem Hintergrund mehr Gewicht verleihen.

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Das „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 von einer sprachkritischen Initiative gewählt. Zuletzt wurden „Gutmensch“ (2015) und „Lügenpresse“ (2014) zum „Unwort des Jahres“ gekürt. „Es ist uns auch bewusst, dass wir mit ‚Volksverräter‘ ein Wort gewählt haben, das sich dem bereits 2014 gewählten Wort ‚Lügenpresse‘ an die Seite stellen lässt.“, so Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Nina Janich, die seit 2011 Jury-Sprecherin ist. Doch die Einsendungen hätten gezeigt, dass sich ein Großteil öffentlicher Sprachkritik gegen einen diffamierenden Sprachgebrauch im Themenfeld Migration richtet.

Die Jury der institutionell unabhängigen Organisation kritisierte das Unwort des Jahres 2016 als „typisches Erbe von Diktaturen“, das als Vorwurf gegenüber Politikern „undifferenziert und diffamierend“ sei. Darüber hinaus würde solch ein Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft „abwürgen“. Der Ausdruck sei zudem „antidemokratisch“ und verneine „die Gültigkeit der Grundrechte für alle Menschen im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik“.

Das Unwort des Jahres wird in diesem Jahr zum 26. Mal gekürt. Die Jury erhielt insgesamt 1.064 Einsendungen – 594 davon hätten den Unwort-Kriterien der Jury entsprochen. Die zehn häufigsten Einsendungen insgesamt, die allerdings nicht alle den Kriterien der Jury entsprachen, waren „postfaktisch“ (48), „Populismus/Rechtspopulismus“ (38), „(bedauerlicher) Einzelfall“ (21), „Gutmensch“ (18), „(Flüchtlings-)Obergrenze“ (17), „Flüchtlingsdeal“ (15), „Biodeutscher/biodeutsch“ (14), „Umvolkung“ (12), „Wir schaffen das!“ (11) und „eine Armlänge/eine Armlänge Abstand“ (10).

Jede Bürgerin und jeder Bürger kann jederzeit schriftlich und unter Angabe der Quelle Unwortvorschläge einsenden. Das Auswahlverfahren endet jeweils am 31. Dezember. In der ersten Januarhälfte des Folgejahres wählt eine Jury aus allen Vorschlägen und auf der Basis einer ausführlichen inhaltlichen Diskussion das „Unwort des Jahres“ und ggf. weitere Unwörter aus. Die Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten (siehe unter „Mitglieder der Jury“) und beruft jährlich wechselnd ein weiteres Mitglied aus dem Kultur- und Medienbetrieb.

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