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Was digitale Sprach-Assistenten wie Amazons Alexa für Medien bringen können

Alexa inside: Amazons verständige Lautsprecher Echo (links) und Dot
Alexa inside: Amazons verständige Lautsprecher Echo (links) und Dot

Bei der weltgrößten Unterhaltungs-Elektronikmesse, der Consumer Eletronics Show (CES) in Las Vegas, war Amazons digitaler, sprachgesteuerter Assistent Alexa der Star. Hunderte Unternehmen stellten Produkte und Dienstleistungen vor, die mit Alexa gesteuert werden können. 2017 könnte das Jahr werden, in dem die Sprachsteuerung ihren Durchbruch erlebt. Das ist auch für Medien interessant.

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Wer hätte das gedacht? Als Amazon seinen sprachgesteuerten Lautsprecher Echo 2014 vorstellte, schwankten die ersten Reaktionen zwischen Belustigung und Befürchtung. Man konnte sich die Anwendungsgebiete für einen sprachgesteuerten Lautsprecher offenbar noch nicht so recht vorstellen. Dabei wurde vielfach übersehen, dass die Hardware, der Lautsprecher Echo, weit weniger wichtig ist als die Software: der digitale Assistent Alexa, der mittlerweile auch auch auf Amazons deutlich kleinerem Gerät Dot läuft sowie in zig Gerätschaften von anderen Anbietern.

Amazon ermöglicht es Herstellern, Alexa auch auf ihren Geräten zu integrieren. Das entspricht Amazons Plattform-Strategie und schafft ein um sich greifendes Ökosystem für Spracherkennung. Auf der aktuellen CES war von Staubsauger-Robotern über Smartwatches, Smartphones, Fernsehern, Waschmaschinen, Thermostaten und natürlich den berühmt berüchtigten Kühlschränken so ziemlich jede erdenkliche Geräte-Gattung mit Alexa inside vertreten. Autofirmen wie BMW, Ford und Volkswagen setzen Alexa mittlerweile zur Steuerung von Fahrzeug-Technik ein.

Warum nun der Hype um Alexa, wo andere Hersteller doch auch digitale Sprach-Assistenten haben? Apple hatte mit seinem Digital-Assistenten Siri sogar einen deutlichen Vorsprung, diesen aber offenkundig nicht genutzt. Siri ist an die Welt der Apple-Gerätschaften gebunden und hat gegenüber Alexa oder auch Googles Spracherkennung erhebliche Verständnisprobleme. Microsofts Sprach-Assistent hört auf den Namen Cortana und ging mit deutlicher zeitlicher Verzögerung an den Start. Amazon hat mit Alexa von Anfang an konsequent auf die Plattform-Strategie gesetzt und sich damit einen großen Vorteil erarbeitet.

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Derzeit sind Alexa & Co. vor allem für Marketing, Produktentwicklung und Vertrieb interessant. Was aber ist mit Medien? Auch Medien-Inhalte sind selbstverständlich bei Alexa an Bord. Eine Grundfunktion ist das so genannte Flash-Briefing, das man sich von Alexa-Geräten, wie dem Echo-Lautsprecher, vortragen lassen kann. Das Flash-Briefing ist eine Art persönliche Nachrichten-Sendung, kombiniert mit Wetterbericht. Überregionale Medien wie BBC oder The Economist liefern Inhalte für das Flash Briefing, mittlerweile gibt es aber auch lokale US-Medien, die Alexa für sich entdeckt haben. Nutzer starten das Briefing mit Befehlen wie „What’s my Flash-Briefing?“ oder simpel „What’s new?“ Während des Briefings kann man mit Stimmbefehlen Nachrichten überspringen oder vor und zurück navigieren. Gedacht ist das Briefing etwa zum Anhören während des Frühstücks. Auf Deutsch lautet das Kommando – leicht sperrig – „Alexa, wie lautet meine tägliche Zusammenfassung?“ oder auch „Alexa, was sind die Nachrichten des Tages?“

Auch deutsche Medien sind in dem Alexa-eigenen App-Store – die Apps heißen dort Skills, also „Fähigkeiten“ – schon vertreten. So kann man sein tägliches Nachrichtenfrühstück wahlweise u.a. von der „Tagesschau“, Spiegel Online, n-tv oder der Bild anrichten lassen. Es bleibt dabei den Medien überlassen, welche Inhalte von Alexa übernommen werden. Die Software kann entweder einen Feed mit Textnachrichten vorlesen oder, wie im Fall der „Tagesschau“, vorproduzierte Audio-Inhalte abspielen. Dass Alexa auch über das Vorlesen von News hinaus von Medien genutzt werden kann, zeigt beispielsweise Gruner +Jahr. Das Hamburger Verlagshaus war direkt zum Deutschland-Start mit drei Medien bei Alexa dabei: Chefkoch, Eltern und Gala. Über die Chefkoch-Skill verrät Alexa das jeweilige Rezept des Tages, Eltern bietet einen Audio-Schwangerschafts-Guide an und Gala ein hörbares Star-Quiz zum Mitraten. Gerade solche Quiz-Spiele erfreuen sich bei Alexa-Nutzern großer Beliebtheit.

Wie jeder neue Kanal sind auch die Sprach-Assistenten also erst einmal ein Experimentierfeld bei dem bereits bekannte Inhalte einfach übertragen werden. So wie zu Beginn des World Wide Webs lange Zeit einfach Zeitungsartikel eins zu eins veröffentlicht wurden, werden nun eben meistens bereits vorhandene Web-Inhalte eins zu eins bei Alexa & Co eingespeist. Das Beispiel G+J zeigt, dass man über das Vorlesen von Text-Inhalten hinausdenken und durchaus interaktive Medien-Formate auch für digitale Sprach-Assistenten entwickeln kann. Dabei muss eine Investition in solche Alexa-Inhalte langfristig gesehen werden. Man kann Erfahrungen sammeln, sich technisches Knowhow aneignen und nebenbei als innovatives Unternehmen positionieren. Signifikante Reichweitenzuwächse oder Erlöse sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

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