Von Amazon bis Trump: Zehn Dinge, die Sie über die Golden Globes von gestern Nacht wissen müssen

Ein blasser Jimmy Fallon (l.), ein Rekord-Sieger mit „La La Land“ (o. r.) und eine bewegende Rede von Meryl Streep: das war die Golden Globe-Verleihung 2017
Ein blasser Jimmy Fallon (l.), ein Rekord-Sieger mit "La La Land" (o. r.) und eine bewegende Rede von Meryl Streep: das war die Golden Globe-Verleihung 2017

Wie so oft waren die abwesenden Gäste die präsentesten bei der Verleihung der 74. Golden Globe Awards in der Nacht von Sonntag auf Montag. Statt dem gefürchteten Ricky Gervais moderierte diesmal Talkshow-Star Jimmy Fallon. Das Musical "La La Land" brach alle Rekorde. Meryl Streep hielt eine glühende Rede. Und "Toni Erdmann" ging leer aus. Die Golden Globes im MEEDIA-Check.

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Von Thomas Weiß

1. Mehr Anti-Trump geht nicht

Hollywood ist ein ausgesprochener Gegner des in elf Tagen vereidigten nächsten US-Präsidenten. Stars wie George Clooney veranstalteten große Fund-Raiser für seine Konkurrentin im Wahlkampf, Hillary Clinton. Kein Wunder, dass Moderator Jimmy Fallon gleich zu Beginn auf dem baldigen Präsidenten rumhackte: „Willkommen zu den Golden Globes, einem der wenigen Plätze, wo die Wahlen noch gerecht ablaufen.“ Es folgten weitere Trump-Witze: „Ihr erinnert Euch an ‚Manchester by the Sea‘ – der einzigen Sache in 2016, die einen noch mehr runtergezogen hat als 2016 selbst.“ und „In ‚Florence Foster Jenkins‘ wird uns der Welt schlechteste Opernsängerin gezeigt – und selbst sie hat abgelehnt, bei Donald Trumps Vereidigung zu singen.“ Als Hugh Laurie als bester Nebendarsteller in „Night Manager“ gewinnt, legt er noch einen drauf: „Das ist die letzte Veranstaltung dieser Art – ich will nicht zu düster klingen, aber sie hat HOLLYWOOD, FOREIGN und PRESS im Titel.“

2. Hollywood feiert sich selbst

Geschichten über Los Angeles und die dort arbeitenden Schauspieler sind eine sichere Bank bei Filmverleihungen und so räumte auch diesmal das grandiose Filmmusical „La La Land“ mit Ryan Gosling ab. Der Film zeigt einen Musiker und eine Schauspielerin, die sich in Los Angeles kennen und lieben lernen. Sieben Nominierungen ergaben sieben Siege!

3. Deutschland geht leer aus

Nachdem der deutsch-österreichische Film „Toni Erdmann“ in Cannes gefeiert wurde, durfte man sich berechtigte Hoffnung auf einen Sieg in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ machen. Die Trophäe ging aber an den französischen Beitrag „Elle“ mit Isabelle Huppert, die auch den Preis als Beste Schauspielerin in einem Filmdrama gewann.

4. Amazon auf der Siegerstraße

Im Januar 2015 war die Amazon-Serie „Transparent“ der erste TV-Hit eines Online-Anbieters der den Preis als Beste Serie gewann. Seitdem räumte Amazon einen Globe nach dem anderen ab. Alleine 11 Nominierungen für Amazon-Serien gab es diesmal, u.a. gewann Billy Bob Thornton für seine Rolle in der Anwaltsserie „Goliath“. Amazon-Chef Jeff Bezos saß im Publikum, wurde zwei Mal eingeblendet, Golden-Globe-Gewinner Casey Affleck dankte ihm für seine Unterstützung beim Globe-Gewinner „Manchester by the Sea“.

5. Rückzug der Free-TV-Sender

Zwar überträgt NBC die Golden Globes, mehr und mehr muss es aber seltsam für den Free-TV-Giganten sein, eine große Live-Übertragung zu zeigen, bei der keine einzige eigenproduzierte Serie punkten kann. NBCs Mainstream-Serien wie „The Blacklist“, „Grimm“ oder „Blindspot“ können gegen die oft schrägen und überraschenden Hits von Netflix, Amazon & Co. kaum mehr punkten. Wenigstens bei Live-Shows wie etwa NBCs „The Tonight Show starring Jimmy Fallon“ sind die Free-TV-Sender aber noch unverzichtbar. Immerhin konnte auch die ABC-Serie „Black-ish“ einen Preis gewinnen.

6. Jimmy Fallon machte keine gute Figur

TV-Star Fallon wird für seine „The Tonight Show“ gefeiert, keiner versteht es hier wie er, Stars wie Will Smith oder Justin Timberlake zu witzigen Show-Auftritten zu überreden. Bei den Globes versagte aber erst der Teleprompter, dann funktionierten seine Witzchen kaum, einige waren völlig deplatziert. Lag der verhaltene Applaus des Publikums daran, dass Fallon Donald Trump während des Wahlkampfs in seine Show eingeladen hatte, während ihn andere Moderatoren ignorierten?

7. Meryl Streeps größte Szene

Hollywoods wohl meistgeliebte Schauspielerin Meryl Streep las ihre Rede ab, trotzdem lieferte sie den bewegendsten Beitrag: „Hollywood wimmelt nur so von Outsidern und Ausländern und wenn wir sie alle rauswerfen, bleibt alles, was wir noch angucken können, Football und Mixed Martial Arts, die mit Arts nicht zu tun haben.“ Dazu erinnerte sie noch an den Moment, in dem Donald Trump eine behinderte Reporterin erniedrigte.

8. Trend True Crime

In den USA schon länger Trend: True Crime Serien. Die Doku „Making a Murderer“ war in den USA ein Netflix-Hit, dem viele Free-TV-Sender nacheiferten. Jetzt konnte die spektakulär besetzte Serie „The People v. O. J. Simpson: American Crime Story“ zwei Golden Globes ergattern. Die Nacherzählung des Kriminalfalls ist u.a. besetzt mit John Travolta und Cuba Gooding Jr. In Deutschland ist sie ist ab Freitag, 13.1. 20 Uhr bei Sky Atlantic HD zu sehen.

9. Mel Gibson ist rehabilitiert

In den letzten Jahren musste der Schauspieler und Regisseur viel einstecken, vor allem vom letztjährigen Moderator Ricky Gervais. Schuld waren Gibsons umstrittene Äußerungen zum Judentum und einige seiner seltsamen Auftritte. Dank seines neuen Films, „Hacksaw Ridge“ ist er nun zurück und scheint wieder aufgenommen zu sein im Kreise Hollywoods – wenn auch keine der drei Nominierungen in einen Preis mündete.

10. Keine Sternstunde des Live-TV

Die Übertragung der Golden Globes beginnt den Reigen der Preisverleihungen in Hollywood, der mit den Oscars am 26.2.2017 beendet wird. Bei den Globes sitzen die Stars an runden Tischen, anders als bei den Oscars wird Alkohol ausgeschenkt. Das führt zu viel Unruhe im Publikum, oft mussten auch diesmal die Presenter die Leute zu Ruhe aufrufen. Was früher cool wirkte, wirkte diesmal stümperhaft. Neben Fallons Teleprompter-Katastrophe gab es viele improvisierte Momente. Fallons Einführungs-Clip mit vielen Stars war allerdings spektakulär.

 

Golden Globes 2017: Die Gewinnerinnen und Gewinner

FILM

Bester Film – Drama
Hacksaw Ridge – Die Entscheidung
Hell or High Water
Lion
Manchester by the Sea
Moonlight

Bester Film – Komödie/Musical
20th Century Women
Deadpool
Florence Foster Jenkins
La La Land
Sing Street

Beste Regie
Damien Chazelle – La La Land

Tom Ford – Nocturnal Animals
Mel Gibson – Hacksaw Ridge – Die Entscheidung
Barry Jenkins – Moonlight
Kenneth Lonergan – Manchester by the Sea

Bester Hauptdarsteller – Drama
Casey Affleck – Manchster by the Sea

Joel Edgerton – Loving
Andrew Garfield – Hacksaw Ridge – Die Entscheidung
Viggo Mortensen – Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück
Denzel Washington – Fences

Beste Hauptdarstellerin – Drama
Amy Adams – Arrival
Jessica Chastain – Miss Sloane
Isabelle Huppert – Elle
Ruth Negga – Loving
Natalie Portman – Jackie

Bester Hauptdarsteller – Komödie/Musical
Ryan Gosling – La La Land

Colin Farrell – The Lobster
Hugh Grant – Florence Foster Jenkins
Jonah Hill – War Dogs
Ryan Reynolds – Deadpool

Beste Hauptdarstellerin – Komödie/Musical
Annette Bening – 20th Century Women
Lily Collins – Regeln spielen keine Rolle (Rules Don’t Apply)
Hailee Steinfeld – The Edge of Seventeen
Emma Stone – La La Land
Meryl Streep – Florence Foster Jenkins

Bester Nebendarsteller
Aaron Taylor-Johnson – Nocturnal Animals

Mahershala Ali – Moonlight
Jeff Bridges – Hell or High Water
Simon Helberg – Florence Foster Jenkins
Dev Patel – Lion 

Beste Nebendarstellerin
Viola Davis – Fences

Naomie Harris – Moonlight
Nicole Kidman – Lion
Octavia Spencer – Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen
Michelle Williams – Manchester by the Sea

Bestes Drehbuch
Damine Chazelle – La La Land

Tom Ford – Nocturnal Animals
Barry Jenkins – Moonlight
Kenneth Lonergan – Manchester by the Sea
Taylor Sheridon – Hell or High Water 

Beste Filmmusik
Justin Hurwitz – La La Land

Nicholas Britell – Moonlight
Jóhann Jóhansson – Arrival
Dustin O’Halloran und Hauschka – Lion
Hans Zimmer, Pharrell Williams und Benjamin Wallfisch – Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Bester Filmsong
„City of Stars“ aus La La Land – Justin Hurwitz, Benj Pasek und Justin Paul

„Can’t Stop the Feeling!“ aus Trolls – Justin Timberlake, Max Martin und Shellback
„Faith“ aus Sing – Ryan Tedder, Stevie Wonder und Francis Farewell Starlite
„Gold“ aus Gold – Brian Burton, Stephen Gaghan, Daniel Pemberton und Iggy Pop
„How Far I’ll Go“ aus Vaiana – Das Paradies hat einen Haken (Moana) – Lin-Manuel Miranda

Bester Animationsfilm
Kubo – Der tapfere Samurai (Kubo and the Two Strings)
Mein Leben als Zucchini (Ma vie de Courgette)
Sing
Vaiana – Das Paradies hat einen Haken (Moana)
Zoomania (Zootopia)

Bester fremdsprachiger Film
Divines – Frankreich
Elle – Frankreich
Neruda – Chile
The Salesman – (Forushande) – Iran, Frankreich
Toni Erdmann – Deutschland, Österreich 

FERNSEHEN

Beste Serie – Drama
The Crown

Game of Thrones
Stranger Things
This Is Us
Westworld

Bester Serien-Hauptdarsteller – Drama
Billy Bob Thornton – Goliath

Rami Malek – Mr. Robot
Bob Odenkirk – Better Call Saul
Matthew Rhys – The Americans
Liev Schreiber – Ray Donovan 

Beste Serien-Hauptdarstellerin – Drama
Caitriona Balfe – Outlander
Claire Foy – The Crown
Keri Russell – The Americans
Winona Ryder – Stranger Things
Evan Rachel Wood – Westworld

Beste Serie – Komödie/Musical
Atlanta

Black-ish
Mozart in the Jungle
Transparent
Veep – Die Vizepräsidentin 

Bester Serien-Hauptdarsteller – Komödie/Musical
Anthony Anderson – Black-ish
Gael García Bernal – Mozart in the Jungle
Donald Glover – Atlanta
Nick Nolte – Graves
Jeffrey Tambor – Transparent

Beste Serien-Hauptdarstellerin – Komödie/Musical
Tracee Ellis Ross – Black-ish

Rachel Bloom – Crazy Ex-Girlfriend
Julia Louis-Dreyus – Veep – Die Vizepräsidentin
Sarah Jessica Parker – Divorce
Issa Rae – Insecure
Gina Rodriguez – Jane the Virgin

Beste Miniserie oder Fernsehfilm
American Crime Story (The People v. O. J. Simpson: American Crime Story)

American Crime
The Dresser
The Night Manager
The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht

Bester Hauptdarsteller – Miniserie oder Fernsehfilm
Riz Ahmed – The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht
Bryan Cranston – Der lange Weg
Tom Hiddleston – The Night Manager
John Turturro – The Night Of – Die Wahrheit einer Nacht
Courtney B. Vance – American Crime Story (The People v. O. J. Simpson: American Crime Story) 

Beste Hauptdarstellerin – Miniserie oder Fernsehfilm
Sarah Paulson – American Crime Story (The People v. O. J. Simpson: American Crime Story)

Felicity Huffman – American Crime
Riley Keough – The Girlfriend Experience
Charlotte Rampling – London Spy
Kerry Washington – Auf Treu und Glauben

Bester Nebendarsteller – Serie, Miniserie oder Fernsehfilm
Hugh Laurie – The Night Manager

Sterling K. Brown – American Crime Story (The People v. O. J. Simpson: American Crime Story)
John Lithgow – The Crown
Christian Slater – Mr. Robot
John Travolta – American Crime Story (The People v. O. J. Simpson: American Crime Story) 

Beste Nebendarstellerin – Serie, Miniserie oder Fernsehfilm
Olivia Colman – The Night Manager

Lena Headey – Game of Thrones
Chrissy Metz – This Is Us
Mandy Moore – This Is Us
Thandie Newton – Westworld

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