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Erfundene Vergewaltigung als Fake-News bei Facebook: Polizei ermittelt jetzt gegen mutmaßliche Verfasserin

„DIESE MELDUNG IST FALSCH“: Die Polizeistelle Oberbayern Süd geht in die Fake-News-Offensive
"DIESE MELDUNG IST FALSCH": Die Polizeistelle Oberbayern Süd geht in die Fake-News-Offensive

Mit drastischen Mitteln war die Polizei aus Rosenheim in der vergangenen Woche gegen eine vermeintliche Fake-News vorgegangen. Das Präsidium Oberbayern Süd hatte einen Facebook-Eintrag über eine angebliche Vergewaltigung veröffentlicht und diesen mit einem breiten leuchtend-roten Banner samt der Aufschrift "Falschmeldung!" versehen. Jetzt haben die Beamten die Ermittlungen gegen die mutmaßliche Verfasserin aufgenommen – eine 55-Jährige aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn.

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Die 55-Jährige steht im Verdacht, den sexuellen Missbrauch einer 17-Jährigen als freie Erfindung in den sozialen Netzwerken verbreitet zu haben, wie die Polizei am Montag in Rosenheim mitteilte. Es werde wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen Volksverhetzung gegen die Frau aus dem niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn ermittelt.

In einem Facebook-Eintrag hatte sie nach Überzeugung der Polizei geschrieben, die Jugendliche sei in Mühldorf am Inn von einem Asylbewerber vergewaltigt worden und habe notoperiert werden müssen. Nichts davon stimmte jedoch laut den Ermittlungen der Polizei.

Möglicherweise handelte es sich bei der vermeintlichen Tat um eine Art von Aktualisierung einer alten Fake-News. Wie Rosenheim24.de berichtet, kursierte vor gut einem Jahr eine ganz ähnliche Falschmeldung. Damals wie heute, ging es um einen Flüchtling, der ein junges Mädchen brutal vergewaltigt haben soll. Statt in Traunstein soll sich die Tat nun in Mühlendorf abgespielt haben. Dort soll das Opfer auch im Krankenhaus behandelt worden sein.

Auf Nachfrage von Rosenheim24.de stellt stellte Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd klar: „Es gibt keinen solchen Fall. Der ist schlichtweg erfunden“

Nach Bekanntwerden der gefälschten Meldung war die Polizei offensiv gegen das Posting vorgegangen: Sie hatte auf Facebook und bei Twitter die Fälschung mit deutlichen Worten angeprangert.

Unter dem Posting-Bild mit dem Schriftzug „Fälschung“ war noch zu lesen: „Bitte TEILEN! Helft mit im Kampf gegen HOAX“. Der Begriff Hoax steht für einen Schwindel oder eine falsche Meldung, die etwa im Netz verbreitet wird.

„Immer wieder tauchen – vor allem in den sozialen Medien – Meldungen über angebliche Straftaten auf“, teilten die Beamten dazu mit. Sie informierten Facebook über die Inhalte und verantwortlichen Personen. „Wir prüfen die strafrechtliche Relevanz solcher Postings insb. hinsichtlich des bewussten Vortäuschens von Straftaten sowie etwaige Aufwandsansprüche“, hieß es weiter. Auf das Vortäuschen einer Straftat kann laut einem Sprecher eine Geld- oder Haftstrafe stehen.

Die Polizei rief alle Internetnutzer dazu auf, derartige Posts umgehend zu melden und nicht wahllos zu verbreiten. Und sie betont: „Wir berichten sachlich und offensiv bei tatsächlichen Vorfällen.“ Der öffentliche Hinweis auf Falschmeldungen ist für die Rosenheimer nicht neu. „Sowas machen wir immer mal wieder», sagte der Sprecher gegenüber der dpa. „Wir wollen die Verbreiter aus der Anonymität holen.“

In diesem Prozess sind die Beamten nun noch einen Schritt weiter gegangenen, indem sie mutmaßlich Verfasserin ermitteln.

An ihrem harten Kurs gegenüber den Verfassern von Falschmeldungen bei Facebook, wollen die Bayern festhalten. „Die große Zustimmung in medialen Veröffentlichungen als auch der Community in sozialen Medien ist für mich eine eindeutige Bestätigung für unser offensives und geradliniges Vorgehen im südlichen Oberbayern gegen Falschmeldungen oder Hetzbotschaften im Netz“, erläuterte nun der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp.

Mit Material von dpa

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