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„Energiezentrum von Gruner + Jahr“: Peter-Matthias Gaede erinnert sich an Brigitte-Chefin Anne Volk

„Sie hatte keine Allüren, sie hatte Überzeugungen“: Ex-Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede erinnert sich an die ehemalige und verstorbene Brigitte-Macherin Anne Volk
"Sie hatte keine Allüren, sie hatte Überzeugungen": Ex-Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede erinnert sich an die ehemalige und verstorbene Brigitte-Macherin Anne Volk

Gruner + Jahr trauert um die ehemalige und langjährige Brigitte-Macherin Anne Volk, die im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist. Im Intranet des Verlagshauses veröffentlichte Peter-Matthias Gaede, selbst langjähriger Chefredakteur von Geo, einen Nachruf auf seine ehemalige Kollegin, das "Energiezentrum von Gruner +Jahr", den MEEDIA zweitveröffentlicht.

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Von Peter-Matthias Gaede

„Miss Germany“ hat die Zeit sie einmal genannt. Anne Volk hat darüber wahrscheinlich gelächelt. Sie brauchte keine Superlative, um sich ihrer Stärke bewusst zu sein als erste Frau auf dem Chefsessel von Brigitte. In ihren Attitüden, wenn sie denn überhaupt welche hatte, war sie immer down to earth. Pragmatisch, klar und durchsetzungsmächtig. Anne Volk war ein Energiezentrum von Gruner + Jahr, bald zwei Jahrzehnte lang. Mit männlichen Alphatieren wusste sie bestens umzugehen. Theoriedebatten zur Genderproblematik überließ sie dem Feminismus, sie stand ihre Frau in der Praxis: beim Blattmachen und dann auch als Verlagsgeschäftsführerin, also mit Zahlen befasst, bis dahin weitgehend Männerdomäne.

Die Mühen der Ebene lachte Anne Volk gerne weg, und zwar laut. Denn stimmgewaltig konnte sie sein. Und streng konnte sie sein, mit der notwendigen Courage dafür ausgestattet. Sie hatte keine Allüren, sie hatte Überzeugungen. Sie nahm sich die Freiheit, den Brigitte-Diäten nicht zu folgen, aber die Mode und die Schminktipps neben den Sozialreportagen in dem von ihr eingeführten Dossier verteidigte sie mit Verve. Als sie gefragt wurde, wie denn das zusammengehe, konterte sie einmal: „Sie sind doch auch geschminkt und gefärbt. Und jetzt fragen Sie mich so einen Dreck.“

Eine Miss Germany? Vielleicht war sie das doch. Weil eben ihre Brigitte trotz aller Konkurrenz immer weit an der Spitze ein Frauenbild verkörperte, das offenbar zum Selbstbewusstsein von Millionen Frauen passte. Nicht Avantgarde und Barrikadensturm, nicht Heimchen am Herd war Anne Volks Brigitte, sondern die wohltemperierte Mitte – oder, wie sie sagte: „So ist das Leben.“

Wie unabhängig Anne Volk war und dachte, zeigte sich, als sie bereits mit 60 entschied, sich aus dem aktiven Berufsleben zurückzuziehen. Schon als Herausgeberin der Brigitte klebte sie nicht am Status, überließ das Bühnenlicht gerne ihren Nachfolgern – und machte sich auf, all die anderen Landschaften jenseits der Presselandschaft neu zu entdecken und zu genießen; an der Seite des langjährigen art-Chefredakteurs Axel Hecht. Als Axel Hecht schwer erkrankte und im November 2013 verstarb, begann für die einst so leuchtende, zuversichtliche, lebendige Anne Volk eine dunkle Zeit. Drei Jahre lang hat sie diese Zeit tapfer ausgehalten. In der Nacht auf den vergangenen Samstag ist sie ihrer großen Liebe nach langer schwerer Krankheit nun gefolgt.

Wir bei Gruner + Jahr werden Anne Volk in respektvoller und zugeneigter Erinnerung behalten. Sie gehört für immer zu unserer Geschichte. Und zwar den besten Kapiteln dieser Geschichte.

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