„Auf die rechte Tour“: Neon-Reporter geht undercover auf Israel-Leserreise mit dem Rechts-Blog PI-News

Für Neon reiste Autor Marco Maurer mit einer PI-Leserreise nach Israel
Für Neon reiste Autor Marco Maurer mit einer PI-Leserreise nach Israel

Nach Inside-IS und Inside-Facebook ist es Zeit für die nächste Inside-Story samt passendem Hashtag. Unter dem Schlagwort #InsidePI, berichtet Neon-Autor Marco Maurer von einer außergewöhnlichen Reise. Undercover machte der Journalist eine Leserreise von PI-News, des wohl einflussreichsten Rechts-Blogs in Deutschland, mit. Seine Eindrücke schilderte er in einer großen Reportage, die vor allem für den AfD-Abgeordneten Jörg Henke Folgen haben könnte.

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Der Politiker sitzt nicht nur für die AfD im Landesparlament von Thüringen, sondern auch im dortigen NSU-Ausschuss. Seine Teilnahme an einer Reise, die über das islamfeindliche Blog PI-News organisiert wurde, dürfte ihn in erhebliche Erklärungsnöte bringen.

PI ist die Abkürzung für „Politically Incorrect“. Laut den Neon-Recherchen erreicht das Blog täglich rund 100.000 Leser. In der Eigenbeschreibung erklären die Macher, dass sie vor allen News „gegen den Mainstream und die Islamisierung Europas“ liefern.

Wie der 36-jährige Autor auf die Idee zu der Story kam, erklärt er im Text:

Ab und zu besuche ich die Seite, um zu sehen, wie die Rechte denkt, und entdeckte dabei, dass eine Reise für die Leser nach Israel beworben wurde. Und wie kann man besser verstehen, wie die Rechte denkt, als wenn man mit ihr in das Land reist, an dem sich so heftige politische Debatten entzünden wie sonst kaum auf der Welt?

Also meldet er sich an, veränderte sein Aussehen, baute eine kleine Scheinidentität auf und reiste mit PI-News nach Israel.

Das Ziel seiner Recherche beschreibt Maurer ebenfalls gleich zu Beginn des Textes:

Auf der Reise will ich herausfinden, was für Menschen hinter den oft anonymen Stimmen im Netz stehen. Was für ein Leben führen sie? Pöbeln sie bei Tageslicht ebenso wie im Verborgenen? Sind sie Rassisten? Antisemiten? Oder vielleicht doch harmloser als gedacht?

Maurer trifft auf eine sehr bunte Gruppe, die aus der Mitte der Gesellschaft zu kommen scheint. Bei fast allen Teilnehmern, handelt es sich – zumindest auf den ersten Blick – um ganz normale Menschen: „Sie sind Seelsorger, Buchhändler, Lehrer, Gastwirte, Vorstände von Wirtschaftsunternehmen. Sie könnten alle unsere Nachbarn sein. Allerdings fühlen sie sich derart bedroht, dass sie sich – jeder auf seine Art – auf den Kampf gegen ‚die Invasoren‘ vorbereiten“, sagt der Autor gegenüber MEEDIA.

Tatsächlich sollte der Münchner Journalist bis kurz vor Schluss der Rundreise unerkannt bleiben.

Aus Sicht der Reiseteilnehmer hat sich Maurer mit Hilfe seiner Scheinidentität, also mit einer Lügengeschichte, in ihre Gruppe geschlichen. Das macht ihn natürlich zur personifizierten Lügenpresse. Einen Vorwurf, den Maurer kaum kontern kann. Aus seiner Sicht blieb ihm allerdings keine andere Wahl. Anders hätte er diese Geschichte aus dem Herzen der rechten Blog-Szene nicht schreiben können. „Ich wollte die Menschen so kennenlernen und erleben, wie sie wirklich sind; und das ging nur mithilfe einer Tarnung. Zudem: Wir in der Redaktion haben einkalkuliert, dass der Lügenpresse-Vorwurf kommen wird, haben uns aber dennoch für die Geschichte entschieden, weil wir denken, die Geschichte ist notwendig um diese Menschen zu enttarnen und zu verstehen“, sagt er gegenüber MEEDIA.

Welche Folgen seine Reportage haben wird, ob und welche Debatte sie auslösen wird, weiß Maurer nicht. Allerdings hofft er, dass zumindest über die Rolle von Jörg Henke, diskutiert wird. „Ich halte es für einen Skandal, dass ein Landtagsabgeordneter in einem Untersuchungsausschuss sitzt, der die Morde an Muslimen untersuchen soll und dann gleichzeitig mit einer Gruppe durch Israel reist, die die Sorge vor einer ‚islamischen Invasion‘ eint – wie es in der Gruppe genannt wurde.“

Das Neon-Heft mit der PI-Story ist seit dem heutigen Montag im Handel. Wie sie sich weiterentwickelt und welche Reaktionen sie noch auslöst, lässt sich unter dem Twitter-Hashtag #InsidePI verfolgen.

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