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10 Jahre iPhone: Apple und der magische Moment, in dem Steve Jobs die Smartphone-Revolution verkündete

Steve Jobs:  Apple-Gründer und Techpionier
Steve Jobs: Apple-Gründer und Techpionier

Keine Frage: Das iPhone ist das wichtigste und erfolgreichste Produkt in der Geschichte der Verbraucherelektronik. Mehr als eine Milliarde Mal wurde Apples Smartphone seit seinem Marktdebüt vor neuneinhalb Jahren verkauft – nun jedoch zeigt der Trend deutlich nach unten. Tim Cook und Phil Schiller beschwören zum heutigen zehnjährigen Jubiläum eine goldene Zukunft, doch die Fixierung auf das iPhone birgt Risiken.

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Ehre, wem Ehre gebührt: Eine ganze Dekade ist es nun schon her, dass Steve Jobs in seiner legendären Keynote zu seiner  unsterblichen Ankündigung ansetzte. „Heute stellen wir gleich drei revolutionäre Produkte dieser Güteklasse vor“, verblüffte er die Zuhörer. „Das erste ist ein Breitbild-iPod mit Touchscreen. Das zweite ist ein revolutionäres Handy“, worauf im Moscone Center ein Riesenjubel losbrach. „Und das dritte ein bahnbrechendes Internet-Kommunikationsgerät.“

Drei Produkte auf einmal? „Ein iPod. Ein Handy. Ein Internet-Gerät.“ Jobs spielte mit der begeisterten Menge und wiederholte die Schlagworte immer wieder. „Versteht Ihr? Das sind nicht drei unterschiedliche Geräte. Es ist nur ein einziges. Und wir nennen es iPhone!“

Noch immer treibt die Keynote Apple-Fans – und allen, denen Verbraucherelektronik am Herzen liegt – einen Schauer über den Rücken: Für die Tech-Industrie war der 9. Januar 2007 der bislang wichtigste Tag dieses Jahrhunderts.

Phil Schiller: „Ich weiß nicht, ob es  das iPhone ohne den iPod  gegeben hätte“

Am meisten gilt das natürlich für Apple selbst, das mit dem iPhone eine gewaltige Wette einging. Seit 2004 wurde am iPhone in einer streng geheimen Arbeitsgruppe namens „Purple“ entwickelt – wäre das Smartphone gefloppt, wäre das Aufwärtsmomentum, das Apple unter Steve Jobs mit dem iPod eingeschlagen hatte, zum Erliegen gekommen.

„Ich weiß nicht, ob es  das iPhone ohne den iPod  gegeben hätte“, erinnert sich Marketing-Chef Phil Schiller heute im Gespräch mit Newsweek-Reporter Steven Levy. Der Rest ist Geschichte: Steve Jobs’ waghalsige Wette ging auf – und veränderte für immer die Welt.

Über eine Milliarde iPhones konnte Apple bereits im vergangenen Sommer, neun Jahre nach dem  Marktdebüt verkaufen und in den zehn Jahren seit der iPhone-Enthüllung den Aktienkurs um knapp 900 Prozent steigern und damit zum wertvollsten Konzern der Welt aufsteigen, der Apple mit kurzen Unterbrechungen seit mehr als fünf Jahren ist.

Zum Jubiläum im Rückwärtsgang

Ausgerechnet jedoch zum großen Jubiläum befindet sich Apples mit Abstand wichtigstes Produkt der Unternehmensgeschichte, das dem Kultkonzern aus Cupertino allein im vergangenen Jahr Erlöse von 136 Milliarden Dollar beschert hat, im Rückwärtsgang. Gleich 17 Millionen weniger Geräte verkaufte Apple im Fiskaljahr 2016 und brockte sich damit den ersten Umsatz- und Gewinnrückgang in einem Fiskaljahr seit 2001 ein.

Traut man den Indikationen aus der Zuliefererkette, dürfte der Abwärtstrend auch 2017 über weite Strecken anhalten. Staranalyst Ming-Chi Kuo von KGI Securities hatte bereits im November vor allem in China eine enttäuschende Nachfrage nach dem iPhone 7 ausgemacht und im ersten Halbjahr 2017 entsprechend nachgebende Verkäufe prognostiziert.

Dass Apple in diesem Jahr zum zehnjährigen Jubiläum mit einem neuen Flaggschiff-Modell das Absatz-Comeback gelingt, gilt an der Wall Street als weitgehend gesichert. Wie Ming-Chi Kuo bereits im November berichtete, plant Apple mit dem iPhone 8 einen Rekordabsatz. Erst heute empfahl Morgan Stanley Apple mit einem Kursziel von 148 Dollar als einen „Top Pick“ des Jahres – nach dem bestmöglichen Szenario hält Analystin Katy Huberty sogar Kurse von 190 Dollar für möglich.

Tim Cook: „Wir haben mit dem iPhone erst angefangen“

Befeuert wird der anhaltende Optimismus für das mit Abstand wichtigste Konzernprodukt, das im letzten Quartal weiter für 63 Prozent der Umsätze verantwortlich war, natürlich von Apples Management selbst. „Ich glaube, wir haben mit dem iPhone erst angefangen“, lockt Cook heute in einem Presse-Statement.

Marketing-Chef Phil Schiller geht im Backchannel-Interview noch weiter. Er hoffe, dass  in 50 Jahren gesagt werde: „Wow, sie haben gar nicht realisiert, wie viel noch kommt – andere haben die Gelegenheiten verpasst, weil sie damit beschäftigt waren, nach anderen Dingen zu suchen. (…) Vielleicht befinden wir uns ja erst in den ersten Minuten des Viertels des Spiels“, schürt Schiller Aufbruchstimmung. In anderen Worten: Apples größte Zukunftswette bleibt das iPhone.

Doch wie sehen die langfristigen Perspektiven nach einem einkalkulierten iPhone 8-Comeback aus? Was passiert, wenn sich die Blaupause der vergangenen beiden Jahre wiederholt und die Nachfrage bei den wenig veränderten Nachfolge-Generationen  iPhone 8s und 9 schon wieder nachlässt, wie sie bei beim iPhone 6s und (mutmaßlich) 7 nachgelassen hat? Und was, wenn in der nächsten Dekade doch ein gänzlich neues Gadget auf den Markt kommt, das das iPhone in seiner Anwendung buchstäblich alt aussehen lässt – und damit unweigerlich der Prozess der kreativen Zerstörung einsetzt?

„Wie lange kann Apple noch auf Nummer sicher gehen?“

„Wie lange kann Apple noch auf Nummer sicher gehen, bevor sie wieder große, revolutionäre Risiken eingehen?“, hinterfragt etwa ZDNet Apples Jubelstimmung kritisch. „Mit dem nächsten iPhone hat Apple die Chance, wieder jene Aufregung zu erzeugen, die das Unternehmen in der Vergangenheit ausgelöst hat“, merkt Fondsmanager Walter Price von der Allianz gegenüber CNBC an. „Ich hüte mich davor zu sagen, dass es die letzte Chance ist, aber es könnte ein Wendepunkt in der Geschichte von Apple werden.“

Am zehnten Jahrestag der iPhone-Enthüllung mag die Wall Street daran noch nicht glauben. Nach einer Achterbahnfahrt des vergangenen  Jahres schlossen die Anteilsscheine des iKonzerns bei 119 Dollar fast standesgemäß auf dem höchsten Stand der vergangenen 52 Wochen.

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