Darts-Hype: Wie der Kneipensport zum Kult-Event wurde – und warum er im Fernsehen voll ins Schwarze trifft

Michael van Gerwen (Foto) ist Darts-Weltmeister – und die ganze Welt feiert mit. Wie ist die Kneipensportart zum Kult-Event geworden?
Michael van Gerwen (Foto) ist Darts-Weltmeister – und die ganze Welt feiert mit. Wie ist die Kneipensportart zum Kult-Event geworden?

Verrauchte Pubs und bierklebrige Tische – das war einmal: Darts ist vom Kneipensport zum Kult-Event avanciert, das mittlerweile ein Millionenpublikum vor die Bildschirme lockt und den Rahmen für ProSiebens erste Samstagabend-Show im neuen Jahr ("Promi Darts WM", 7.1., 20.15 Uhr) vorgibt. Keine weiteren Fragen. Außer: Wie ist das denn passiert?

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Es war das Jahr des Sommermärchens, Klinsmanns kleines Wunder, der Fußball-WM in Deutschland – doch in den Niederlanden hat noch ein ganz anderer Sport für Schlagzeilen gesorgt: Darts. 2006 bezwang Jelle Klaasen im Finale der World Professional Darts Championship der BDO den Titelverteidiger und Landsmann Raymond van Barneveld – rund sieben Millionen Zuschauer haben die Partie im Fernsehen verfolgt. Bei einer Bevölkerungsanzahl von rund 16 Millionen (Stand: 2006) entspricht das einem Marktanteil von 44 Prozent. Zahlen einer Fußball-WM.

Ganz so weit ist Deutschland noch nicht. Aber auf dem besten Weg dahin.

Das WM-Herzschlagfinale zwischen Michael van Gerwen und Gary Anderson hat auch hierzulande rund 1,5 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme gelockt – der überraschende Triumph von „Mighty Mike“ war Thema in den Abendnachrichten von ARD und ZDF. Das Sportphänomen gibt den Rahmen für ProSiebens erste Samstagabend-Show des neuen Jahres („Promi Darts WM“, 7.1., 20.15 Uhr) vor. Und Deutschlands Darts-Koryphäe Max Hopp will den ehemaligen Kneipensport bei Olympia sehen.

Der Urknall des Darts-Hype lässt sich wohl auf 1992 zurückführen – und auf den Sport-Promoter Barry Hearn. Der Brite machte mit seinen Sporthallen und Sendelizenzen bereits Kneipensportarten wie Snooker und Boxen groß, bis er schließlich die PDC (Professional Darts Corporation) als Konkurrenz zur BDO (British Darts Organisation) gründete. Seine Prämisse: Hohe Preisgelder und neue Turnierformate, die Spieler aufbauen und Darts somit zu einem salonfähigen, professionellen (Kneipen-)Sport entwickeln. Randnotiz: Für die letzte Darts-Weltmeisterschaft wurde das Preisgeld erneut angehoben; insgesamt 1,65 Millionen Pfund wurden zwischen dem 15. Dezember 2016 bis 02. Januar 2017 ausgeschüttet.

Und dennoch bleiben Top-Spieler wie Phil „The Power“ Taylor, van Gerwen und Raymond van Barneveld eindeutig nahbarer als millionenschwere Fußball-Spieler wie Christiano Ronaldo. Warum? Darts ist immer noch ein hemdsärmeliger Sport – es geht immer in die Vollen, alle drei Minuten fällt eine Entscheidung, ist als launige Party mit Walk-On-Girls, Bierbänken und Chorgesang-tauglichen Songs inszeniert. Und auch ein Rekord-Weltmeister Phil „The Power“ Taylor muss aufpassen, dass er nicht in den ersten Runden rausfliegt. Denn eines der „Double“- oder „Triple“-Felder in Serie zu treffen, ist ebenso schwierig wie es nicht zu tun. Oder haben Sie schon einmal 501 Punkte in mit neun Dart-Pfeilen (ein „Perfect Match“) geworfen? Nicht mal einem professionellem Dart-Spieler kann man es ernsthaft Übel nehmen, wenn er das nicht schafft. Denn wir kennen das Prozedere selbst nur zu gut: Es geht Dart um Dart, bis endlich einer bei 0 „auscheckt“, wie der Experte sagt.

All das macht Darts zum bodenständigen Volksport – und zu regelrechtem Fernseh-Gold. Mit der WM-Übertragung erzielte Sport1 Marktanteile von über zwei Prozent – klingt wenig, ist für den Spartensender aber beachtlich. Das Sendevolumen steigt stetig. Mit 15 Prozent stellt Deutschland in London die zweitgrößte Gruppe der Zuschauer. Für ProSieben ist das Thema auch kein unbekanntes, bot der Sender doch einst mit um die deutschen TV-Rechte für die WM. Oder um das Erfolgsgeheimnis in den Worten von Sport-Promoter Barry Hearn zu fassen: „Darts ist das Golf des kleinen Mannes“.

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