So wertvoll wie nie: Warum Netflix die TV-Industrie revolutioniert wie Apple einst die Musikbranche

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Reed Hastings: Sein Streaming-Riese Netflix wird immer wertvoller

Der Siegeszug geht weiter: Kaum hat das neue Jahr begonnen, setzt Netflix an der Wall Street ein neues Ausrufezeichen – auf Schlusskursbasis notierte der Streaming-Pionier gestern bei 132 Dollar auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Der Optimismus der Börse wird durch den anhaltend großen Abonnentenzuwachs befeuert, der Netflix mittlerweile über 83 Millionen Abonnenten beschert hat. Medienmogul Barry Diller erteilte dem Streaming-Dienst auf der Elektronikmesse CES den Ritterschlag und sagt gleichzeitig für das lineare Fernsehen schwere Zeiten voraus.

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Man kann es einen gelungenen Jahresauftakt nennen: Drei Handelstage ist das neue Börsenjahr inzwischen alt – und die Netflix-Aktie liegt schon wieder um 6,5 Prozent vorne. Lohn der fulminanten Rally: Bei Notierungen von 132 Dollar bringt es Netflix bereits auf einen stolzen Börsenwert von 57 Milliarden Dollar und ist damit auf Schlusskursbasis so wertvoll wie nie.

Was den Streaming-Pionier, der weiterhin lediglich zweistellige Millionengewinne einfährt, in den Augen der Wall Street so wertvoll macht, untermauert CEO Reed Hastings von Quartalsbilanz zu Quartalsbilanz immer wieder aufs Neue mit einem rasanten Abonnentenzuwachs.

„Netflix wird die neue Kabelgesellschaft der Welt“

Alle drei Monate kann Netflix zumindest drei Millionen zahlende Mitglieder einsammeln – im abgelaufenen Weihnachtsquartal dürften sogar mindestens 5 Millionen neue Abonnenten hinzugekommen sein. Hält die Wachstumsdynamik an, könnte Netflix bereits Ende dieses Jahres die magische 100 Millionen-Mitglieder-Marke knacken, die eigentlich erst im Jahr 2020 anvisiert worden war.

„Ich glaube, dass Netflix die neue Kabelgesellschaft der Welt wird“, adelte CNBC-Marktkommentator James Cramer den unlängst  digitalen Film-Pionier, der in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Unternehmensjubiläum feiert.

Branchenmogul Barry Diller: „Die besten Inhalte sind nicht mehr im linearen Fernsehen und bei Kabelsendern zu finden“

Branchenveteran Barry Diller, der in den 80er Jahren mit Rupert Murdoch die Fox Broadcasting Company gründete, wies in einem Gespräch auf der Verbraucherelektronikmesse CES in Las Vegas gleichzeitig auf die Konsequenzen von Netflix‘ Siegeszug für traditionelle Fernsehindustrie hin.

„Dies dürfte das beste Jahr für Fernseh-Inhalte werden“, schwärmte Diller, „doch die besten Inhalte sind nicht mehr im linearen Fernsehen und bei Kabelsender zu finden.“ Wegen der immer größeren Streaming-Angebote von Netflix und Amazon  „sehen die meisten Leute, die ich kenne, inzwischen werbefreies Fernsehen“, erklärte Diller laut Branchenorgan Deadline.

Klassisches Fernsehen „wirbt für Produkte, die sich die Leute ohnehin nicht leisten können“

Das führt für die werbetreibende Industrie im Umkehrschluss jedoch zu einem erheblichen Zielgruppenproblem: Wenn nur noch Zuschauer lineares Fernsehen sehen würden, die sich die kostenpflichtige Streaming-Dienste nicht leisten könnten,    „wirbt die Branche für Produkte, die sich die Leute ohnehin nicht leisten können“.

Unterdessen sieht Diller, der heute das Internet-Konglomerat InterActiveCorp (Muttergesellschaft u.a. von Tinder) leitet, durch Netflix & Co in der Fernsehbranche einen ähnlichen gravierenden Paradigmenwechsel aufkommen wie ihn Apple der Musikindustrie in den Nullerfahren mit iTunes aufgezwungen hatte.

„Warum sollte man sich noch von irgendjemand diktieren lassen, was man wann zu sehen hat?“

„Man wird das Programm in Zukunft individuell für sich kuratieren. Man kann sich entscheiden: Ich mag Netflix. Ich mag Amazon. Ich mag ESPN. Warum sollte man sich noch von irgendjemand diktieren lassen, was man wann zu sehen hat, wenn man die Inhalte selbst aussuchen kann?“ sieht Diller für die klassischen Kabelnetzbetreiber ABC, CBS, Viacom & Co schwierige Zeiten abrechen.

Wie gut sich Netflix‘ Geschäfte unterdessen entwickelt haben, können Anleger bereits in 12 Tagen überprüfen, wenn der Streaming-Gigant am 18. Januar nach Handelsschluss an der Wall Street sein neues Zahlenwerk für das abgelaufene Weihnachtsquartal vorlegt.

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Alle Kommentare

  1. Das „Fernsehen“ ist tot lang lebe das fernsehen!

    Für mich (30 Jahre alt, Selbstständig, verheiratet) ist das Streamen die Zukunft, die mittlerweile die Gegenwart erreicht hat.

    Das alte Fernsehen wird in der Art wie es Heute ist, bald nicht mehr sein, denn es kann sich dieses nicht leisten. Denn sobald die Unternehmen mit Werbemacht (CocaCola, Apple, etc) gemerkt haben, dass die Zielgruppe(14-49) gar nicht mehr RTL/Pro7 usw. schaut, sondern lieber Netflix, Amazon und Co. nutzt, werden die Einnahmen so drastisch sinken das Ihnen nichts anderes übrig bleibt, als einen Wechsel in die Streaming Welt zu vollführen.

    Ich bin gespannt und freue mich vllt. die WM 2026 auf AmazonPrime zuschauen, selbst wenn es dann 99€ im Jahr kostet oder auf Netflix für einen € mehr im Monat.

    Beste Grüße

  2. Im Fernsehen läuft eh fast nur noch Mist. Dazu ständige Werbepausen… Frage mich wer das überhaupt noch freiwillig schaut.
    Denke aber vorallem bei der älteren Generation wird das Fernsehen noch eine Weile traditionell ablaufen.
    Ich freu mich jedenfalls auf die nächsten Jahre 🙂

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