Trotz explodierender Reichweite zu wenig Werbeeinahmen: Blogging-Portal Medium streicht 50 Jobs

Blogging-Plattform Medium: „Mit Stimmen und Perspektiven verbinden, die etwas bedeuten“
Blogging-Plattform Medium: "Mit Stimmen und Perspektiven verbinden, die etwas bedeuten" © Medium

Überraschender Schritt bei einer der angesagten Content-Plattformen im Web: Medium kündigt einem Drittel der Belegschaft. Firmenchef Evan Williams begründete den Schritt mit bescheidenen Monetarisierungserfolgen. Das werbefinanzierte Business-Modell sei "kaputt", schrieb der frühere Mitbegründer von Twitter in einem Blogbeitrag. Medium verabschiedet sich zudem vom Native Advertising und sucht nach einem neuen Geschäftsmodell, wisse aktuell aber noch nicht, wie das aussehen könnte.

Anzeige

Es ist die Lieblingsplattform vieler Hobby-Blogger, Influencer, Marketer, Werber, PRler und anderer Content-Produzenten, die sich mit (längeren) Beitragen im Web mitteilen möchten: das im August 2012 gegründete Medium.

Allein der Gründer hauchte der neuen Plattform eine gehörige Portion Coolness ein: Von niemand Geringerem als dem ehemaligen Twitter-Mitbegründer Evan Williams, der 1999 bereits die Plattform Blogger.com gestartet hatte, die in den Nullerjahren von Google übernommen wurde, wird das Start-up geführt.

Bis heute hat Medium immerhin 130 Millionen Dollar an Wagniskapital eingesammelt und wurde in der letzten Finanzierungsrunde mit schon 600 Millionen Dollar bewertet – deutlich mehr als der Kaufpreis für den Business Insider oder die Huffington Post.

„Kaputtes System“ der Werbevermarktung im Internet

Allein: Auch Williams hat mit seiner neuen Blogging-Plattform bislang nicht den Heiligen Gral gefunden, wie mit Inhalten im Netz ordentliches Geld zu verdienen ist, wie der 44-Jährige in einem 1000 Worte langen Blogbeitrag – natürlich auf Medium selbst – einräumte. Den Grund dafür identifiziert Williams im „kaputten System“ der Werbevermarktung im Internet.

„Das werbefinanzierte Modell bringt den Lesern keinen Nutzen. Tatsächlich soll es das auch nicht. Die überwältigende Mehrheit von Artikeln, Videos und anderen Inhalten, die wir täglich konsumieren, wird – direkt oder indirekt – von Unternehmen finanziert, um ihre Ziele zu erreichen. Und wird entsprechend daran gemessen“, schreibt Williams, der 2016 bei Medium Native Advertising eingeführt hat. Das werbefinanzierte Modell, würde zudem dazu führen, dass Autoren immer schneller, schlagwortbasierter und schlagzeilengetriebene Inhalte produzieren, um wahrgenommen zu werden.

Reichweite wächst rasant

Nach Reichweiten-Kriterien ist Medium das zumindest vollauf gelungen: Das Wachstum verläuft explosiv. Nach Lesern und veröffentlichten Posts hätte Medium auf Jahressicht ein Plus von 300 Prozent erzielt. Die Massen an Content, die 2016 produziert worden sind, sind tatsächlich bemerkenswert: Zwei Milliarden Wörter wurden in der Blogging-Plattform veröffentlicht – durch 7,5 Millionen Posts:

Auf 60 Millionen Nutzer ist monatliche Leserschaft bereits angewachsen:

Und doch funktioniert das reichweitenorientierte Modell für Medium trotzdem nicht im erhofften Maße. Evan Williams verabschiedete sich zudem vom Native Advertising-Experiment, durch das immer mehr werbliche Inhalte auf die Blogging-Plattform gelangt waren und den originären Qualitätsanspruch verwässert hatten, und kündigte die Suche nach einem neuen Business Modell an, ohne konkret zu werden.

Qualität statt Quantität solle bei Medium künftig im Vordergrund stehen: „Wir glauben, dass Leute, die lesenswerte Ideen verbreiten, für ihre Gabe zu informieren und aufzuklären, belohnt werden sollten – und nicht für die Fähigkeit, für ein paar Sekunden Aufmerksamkeit zu erzeugen.“

50 Mitarbeitern gekündigt

Wie das gelingen könnte, ließ Williams indes komplett offen und kündigte stattdessen eine weitere Veränderung an: Medium trennt sich von einem Drittel seiner Belegschaft – das sind etwa 50 Mitarbeiter.

Die Kündigungen wurden vor allem im Vertrieb vorgenommen, Entwickler wären verschont geblieben. Nach dem harten Einschnitt fallen die Netzreaktionen entsprechend frustriert aus:

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. >> Überraschender Schritt bei einer der angesagten Content-Plattformen im Web:

    Danke Meedia für den Tipp. Medium war mir bisher unbekannt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige