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„Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen“: Hamburger Investor über den Kauf der G+J-Spanien-Tochter

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Kurz vor Jahresende hat die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Axos MidCap die spanische Tochter von Gruner + Jahr erworben. Jetzt plant der neue Eigentümer mit einem spanischen Ableger seines deutschen Wirtschaftsmagazins bizz energy, das dortige Geschäft besser auszulasten. Herausgetrennt wird aus dem von G+J übernommenen Portfolio Cosmopolitan. Der US-Lizenznehmer Hearst will den Titel künftig selber in Spanien verlegen.

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Herr Früh, Sie sind Geschäftsführer der Hamburger Investmentfirma Axos MidCap. Zum 1. Dezember haben Sie die spanischen Verlagsaktivitäten von Gruner + Jahr erworben. Würden Sie die von Ihnen geführte Gesellschaft als Heuschrecke bezeichnen?
Hans-Gereon Früh: Nein, auf keinen Fall. Wir sind kein klassischer Finanzinvestor, der das Geld von passiven Anlegern einsetzt. Wir finanzieren unsere Firmenkäufe aus den Mitteln eines geschlossenen Kreises von Co-Investoren mit spezifischen Industrieerfahrungen. Wir engagieren uns bei unseren Unternehmen langfristig ohne ‚Exit-Druck“. Unser Investmentfokus liegt dabei auf Gesellschaften, deren Umsatz sich zwischen fünf bis 150 Millionen Euro bewegt.

Ist der Kauf von Gruner + Jahr Spanien Ihr erstes Engagement im Mediensektor?
An Axos MipCap sind verschiedene Unternehmerpersönlichkeiten beteiligt. Wir können dadurch auf ein großes Netzwerk aus Leuten zugreifen, die in verschiedenen Branchen aktiv sind. Dazu gehören auch Unternehmer aus der Medienindustrie wie das ehemalige Mitglied der Geschäftsführung von Premiere, Unity Media und Sport Five, Kai Flatau, oder etwa Joachim Müller-Soares, Gründer und Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins bizz energy, das für unsere Expansion im spanischsprachigen Raum ein wichtiger Baustein ist.

Und welchen?
Die Marke bizz energy ist ein Special-Interest-Wirtschaftsmagazin für Energiethemen. Es erscheint achtmal im Jahr mit einer Print-Auflage von jeweils 7000 Exemplaren, dazu kommt ein aktuell stark steigender Verkauf an Online-Kiosken. Zudem hat die tagesaktuelle Webseite derzeit bereits mehr als 33.000 Page Impressions im Monat. Das Wirtschaftsmagazin, 2012 unter dem Namen BIZZ energy today gegründet, versteht sich als Bindeglied zwischen dem Energie- und Finanzsektor und richtet sich vor allem an die Entscheider. Die Redaktion hat in den vergangenen Jahren viel Branchen-Know How angesammelt. Chefredakteur Müller-Soares ist im Magazinbereich kein Unbekannter. Er hat viele Jahre für das Gruner + Jahr-Wirtschaftszeitschrift Capital gearbeitet. Viele bizz energy-Redakteure und Autoren kommen von renommierten Titeln wie der Zeit, Handelsblatt oder Wirtschaftswoche. Auch Hans Peter Schütz, früher Leiter der Politikredaktion des G + J-Flaggschiffs Stern, ist als Autor mit von der Partie.

Wollen Sie bizz energy in Spanien verlegen?
Ja, wir planen im nächsten Jahr einen spanischen Ableger auf den Markt zu bringen. Dazu beabsichtigen wir Verlagssynergien, mit der von uns erworbenen Gruner + Jahr Tochter in Madrid zu heben. Mit der spanischsprachigen bizz energy-Ausgabe wollen wir auch die Märkte in Lateinamerika erreichen. Hier sehen wir großes Wachstumspotenzial. Die dortigen Energiemärkte sind im Aufbruch – zum Beispiel Chile. Das Land ist zwar klein, doch der Energiemarkt ist liberalisiert und für Investoren hochinteressant.

Ist für Sie Print die einzige Einnahmequelle?
Nein, der gedruckte Titel ist zwar eine wichtige Erlössäule unserer Strategie. Wir planen jedoch, die spanischen bizz energy-Inhalte auch über Online-Kioske wie die des niederländischen Anbieters Readly zu verkaufen. Darin sehen wir eine gute Chance für hohe Reichweiten. Zudem wollen wir unser Event- und Researchangebot in den spanischsprachigen Raum übertragen. Allein 2016 haben wir drei Wirtschaftsdelegationsreisen nach Lateinamerika veranstaltet.

Laut ihrer Unternehmensbeschreibung engagiert sich Axos Midcap bislang in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Warum dehnen Sie ihren Wirkungskreis auf Spanien aus?
In unserem Investorenkreis sind auch spanische Unternehmer an Bord. So ist mit Vicente Perez-Lucerga ein erfahrener Co-Investor mit spanischem Hintergrund bei uns engagiert. Medienkompetenz bringen die bizz energy-Verleger Martin Heimes und Kai Flatau als Anteilseigner ein. Mehrheitsgesellschafter bei Gruner + Jahr Spanien ist Axos MidCap.

In Spanien verlegt Gruner + Jahr diverse Frauen- und Wissensmagazine – darunter Titel wie Beef, Cosmopolitan, divinity, Geo, Marie Claire, Mia sowie Muy Interesante. Werden Sie alle Titel weiterführen?
Nein, den Frauentitel Cosmopolitan werden wir aus den spanischen Aktivitäten heraustrennen. Dies liegt daran, dass der Lizenzgeber Hearst von seiner Change of Control-Klausel Gebrauch macht. Das US-Verlagshaus will das Geschäft zurücknehmen und den Titel künftig selbst herausgeben, was wir sehr bedauern, aber angesichts der mittlerweile bestehenden Präsenz von Hearst im spanischen Markt nachvollziehen können.

Und die anderen Titel?
Wir werden die Magazine Beef, Alberto Chicote, Geo, divinity, Marie Claire, Mia, Ser Padres und Muy Interesante, das Pendant zum deutschen PM-Magazin, weiterführen wie bisher. Mia und Muy Interesante sind eigene Titel mit vielen Line-Extensions. Sie bilden den größten Teil unseres Zeitschriften-Portfolios.

Haben Sie neue Magazine in der Pipeline?
Wir entwickeln derzeit ein weiteres neues Magazins, das im Laufe des Jahres 2017 in Spanien erscheinen soll. Es wird sich in dem Marktumfeld der Wissenschafts- und Frauenmagazine bewegen – unseren beiden großen Standbeinen in Spanien, Portugal und Lateinamerika.

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Ist es denkbar, dass sie andere Magazine von Gruner + Jahr als Lizenz in Spanien verlegen?
Ja, dies können wir uns sehr gut vorstellen. Wir tauschen uns hier mit Gruner + Jahr aus. Dies ist sicherlich im beiderseitigen Interesse.

Die Finanzkrise hat die Wirtschaft in Spanien in den letzten Jahren kräftig gebeutelt. Wie sehen Sie hier die weitere Zukunft auf dem Vertriebs- und Anzeigenmärkten?
Der Werbemarkt liegt in Spanien seit der Finanzkrise 2009 am Boden. Da gibt es nichts beschönigen. Im vergangenen Jahr hat die Wirtschaft allerdings wieder Tritt gefasst. Das spiegelt sich in der Entwicklung des Anzeigenmarktes wider. Wir sehen, dass der Markt jetzt mehr Luft nach oben als nach unten hat. Auch deswegen haben wir uns entschlossen, in das Geschäft von Gruner + Jahr in Spanien zu investieren. Bezogen auf unseren Gesamtumsatz entfallen jeweils die Hälfte auf Anzeigen- und Vertriebserlöse. In Spanien wird vor allem über Kioske und Buchhandel verkauft. Abonnements spielen eine untergeordnete Rolle.

Haben Sie Gruner + Jahr Spanien mit Verlusten übernommen?
Nein, das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Es ist nicht unsere Aufgabe zu beurteilen, warum sich Gruner + Jahr von einer rentablen Tochter getrennt hat. Doch zum besseren Verständnis: G + J hatte bereits bekannt gegeben, dass es sich künftig auf Deutschland und Frankreich fokussieren will. Im Zuge der Neuausrichtung hat sich der Verlag daher aus vielen Märkten wie Italien, Osteuropa und anderen Ländern zurückgezogen.

Noch ist Gruner + Jahr in den Niederlanden aktiv. Haben Sie hieran Interesse oder verhandeln hierüber bereits?
Das möchte ich derzeit nicht kommentieren. Derzeit liegt unser Schwerpunkt darauf, das spanischsprachige Geschäft auszubauen.

Planen Sie, das Management von Gruner + Jahr Spanien auszuwechseln?
Nein, Marta Arinio bleibt CEO der Gesellschaft und Carlos Franco wird weiterhin den Finanzbereich verantworten. Sie sind vor knapp drei Jahren an Bord gekommen.

Neben dem spanischen Verlag ABC galt auch das Management als Kaufinteressent. Hat sich die Geschäftsführung am Unternehmen beteiligt?
Es gibt in der Tat Überlegungen, das Management am Unternehmen zu beteiligen. Die sind aber noch nicht spruchreif.

Haben Sie einen negativen Kaufpreis gezahlt, also noch Geld von Gruner + Jahr erhalten, um das Geschäft in Spanien ausbauen?
Wie bei Unternehmenstransaktionen üblich haben wir über den Kaufpreis mit Gruner + Jahr Stillschwiegen vereinbart

ACP Axos Capital, geführt von dem Telekommunikations-Spezialisten Jan Budden, ist derzeit in vielen Schlagzeilen. So soll die Gesellschaft den Staat im Kosovo auf 390 Millionen Euro verklagen, weil die Privatisierung der staatlichen Telekomgesellschaft PTK mit Sitz in Pristina gescheitert ist. Derzeit soll ein Schiedsgericht des Internationalen Zentrums zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten hierüber entscheiden. Wieweit sind Sie miteinander verbandelt?
Wir haben eine gemeinsame Historie. Es handelt sich heute um eine Firma, die gesellschaftsrechtlich und personell strikt von der Axos MidCap getrennt agiert.

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Alle Kommentare

  1. @Herr Früh, lassen Sie uns gerne mal über eine Zusammenarbeit sprechen, auch wenn Readly aus Schweden kommt („… auch über Online-Kioske wie die des niederländischen Anbieters Readly zu verkaufen …“ ), die Niederländer heissen Blendle. PM, MD Readly

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