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Signal an die AGF: Warum MEEDIA über TV-Quoten berichtet, aber keine Top-20-Tabellen mehr veröffentlicht

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Seit Beginn des Jahres verzichtet MEEDIA auf die Veröffentlichung der täglichen Top-20-Tabellen der TV-Quoten. Damit will die Redaktion ein Zeichen setzen und erreichen, dass die Leistungswerte der Fernsehsender Fachjournalisten nicht mehr wie bislang zu absurd hohen Kosten, sondern möglichst unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Ausführliche TV-Quoten-Berichterstattung von MEEDIA wird es weiterhin geben.

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Wie andere Fachdienste ist MEEDIA nicht mehr bereit, über die für die Werbevermarktung wichtigsten tabellarischen Kennzahlen der TV-Branche nur gegen Zahlung erheblicher Lizenzgebühren berichten zu können. Die Top 20 der TV-Sendungen des Vortags, die MEEDIA seit dem Start des Portals im Sommer 2008 veröffentlicht hat, ist zudem an vertragliche Bedingungen geknüpft, die eine redaktionelle Aufbereitung stark einengen: Veröffentlichte Tabellen mussten wir bei MEEDIA nach Vorgabe der Verwertungsgesellschaft AGF nach drei Tagen wieder löschen bzw. offline nehmen. Es war uns untersagt, ein Archiv mit den Tabellen aufzubauen. Vom Baden-Badener AGF-Dienstleister media control geliefert wurden zudem nur die 20 erfolgreichsten und damit nicht alle interessanten Daten des TV-Vortags. Für unsere journalistischen Quoten-Analysen waren daher seit jeher zusätzliche Recherchen nötig.

Der Verkauf der TV-Quoten, an deren Verbreitung die Sender doch größtes Interesse haben, entwickelte sich so zum Neben-Geschäftsmodell der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung AGF, hinter der die großen TV-Häuser ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 und Mediengruppe RTL stecken. Eine derartige Praxis, in der Leistungswerte zahlungspflichtig sind, gibt es in anderen Medienbereichen nicht. Man stelle sich vor, die IVW-Auflagen, -Klickzahlen, Reichweiten der AGOF oder MA wären für die Fachpresse nicht mehr kostenlos. Undenkbar. Diese Zahlen finden sich meist frei zugänglich im Netz oder werden Journalisten zumindest umfangreich zur Verfügung gestellt. Bei den TV-Quoten ist das leider nicht so. Das ist insbesondere deswegen sehr schade, weil die Bedeutung der Quoten allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin sehr hoch ist. Für TV-Sender, Produktionsfirmen, Protagonisten bleiben die Quoten auch im Jahr 2017 das mit Abstand wichtigste Erfolgskriterium für ihre Arbeit. Die Reichweiten beim Streaming im Netz sind bei Weitem noch nicht so hoch wie die im traditionellen Fernsehen.

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Trotz des Wegfalls der täglichen Quoten-Tabelle: Die journalistische Quoten-Berichterstattung wie auch die Artikel zu wichtigen Trends und Formaten im deutschen Fernsehen wird es bei MEEDIA weiter geben. Die tägliche Quoten-Analyse erscheint in gewohnter Qualität und Ausführlichkeit weiterhin jeweils am Morgen. Doch auch hierfür wäre ein Umdenken bei der AGF wünschenswert: Jeder Fachjournalist, der umfangreich und unabhängig über die TV-Zuschauerzahlen berichten will, muss sich die Daten morgens aus verschiedensten Quellen beschaffen und dafür einen erheblichen Recherche-Aufwand erbringen. Im eigenen Interesse sollte die AGF umdenken und Quoten frei zugänglich anbieten. Sollte dies in Zukunft der Fall sein, wird MEEDIA auch die Tabellen wieder online stellen und an Interessierte per Newsletter versenden.

Bis dahin verweist die Redaktion auf die journalistische Aufbereitung unseres Daten-Analysten Jens Schröder, die täglich die wichtigsten Daten enthält. Sie finden Sie jederzeit an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. Sie haben sicherlich Recht in ihrer Begründung die Quoten Tabelle nicht mehr zu veröffentlichen, aber lassen sie uns Leser doch bitte wissen, wieviel eine Informationsmedium wie Meedia u.a. für die Tabelle bezahlen müsste.

    Es ist doch ein Unding, dass eine Private Firma für die Quoten Veröffentlichung in Form von einer Tabelle die freie Presse bezahlen läßt. Das gibt es in keinem anderen Land!

    Die Erhebung der Quoten kommt ja nicht von Kogels Firma… sondern von der AGF. Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung wird in Form einer BGB-Gesellschaft von ihren Gesellschaftern ARD, ProSiebenSat.1 Media SE, Mediengruppe, RTL Deutschland sowie ZDF getragen. Wieso werden die Daten dann an einen dritten (Kugel) überhaupt verkauft?

    Veröffentlichen sie doch bitte einmal die Zahlen im Interesse ihrer Leser.

  2. @ Meedia: richtige Entscheidung. Einziger Kritikpunkt: ein bißchen zu spät.
    @ Keumel: möge er sich doch, verdammt noch mal, kürzer fassen! Nicht faseln, sondern Fakten in präziser Kürze. Guter Vorsatz für 2017. Vielleicht wie Trump, 140 Zeichen, Altmeier will dies auch nachmachen.
    Schmunzelnd. . .

  3. Ihr habt vollkommen Recht, die Quoten der Sender nicht weiter zu verbreiten, wenn vor allem ARD und ZDF – bestens subventioniert vom Bürger und zwar auch dann, wenn der Bürger diese Sender gar nicht sehen möchte – auch dafür noch Geld kassieren wollen, dass man ihre Programme erwähnt und damit für Reihen und Protagonisten pure Werbung macht. Diese Sender blasen denjenigen Darstellern, die sie mit „Reihen“ und „Serien“ versorgen so viel Zucker in den Allerwertesten, zahlen Unsummen, verlangen NULL vertragliche Vermarktungsleistungen (die für Hollywoodstars selbstverständlich sind) und zocken dafür diejenigen, ohne die sie keinen Film zustande brächten, mit Hungerlöhnen ab. Wenn man sieht was „Nord-Nord-Mord“ (Atzorn) für Quoten hat (aktuell 7,16), Traumschiff (7,26), Taunus-Krimi (Woll, Bergmann 6,06), Heller (Ø 5,62), Chefin (Ø 4,94) und dann eine Vorabendserie, deren Protagonisten nicht viel Zucker in den A.sch geblasen bekommen geschweige denn eine Dankeschön, mit 5,90 Millionen aufschlägt, zeigen sich diese behaupteten Erfolgsgeschichten durch bestimmte Darsteller als Farce und dummes Zeug. Niemand braucht dieses Abzocken von Fachmedien in Sachen Quoten, niemand braucht überhaut diese Machtfülle bei öffentlich-rechtlichen Auftraggebern (Monopol, Oligopol), die in all diesen Punkten weder kontrolliert werden noch kritisiert weil ALLE – Produzenten, Regisseure, Kameraleute, Schauspieler, Autoren, Caster, Komponisten, Produktionsmitarbeiter usw. – vollkommen abhängig sind von Aufträgen der Sender-Angestellten. Ist das nicht ein Wahnsinn? Ich würde mir von MEEDIA nicht nur dann so einen Artikel wünschen, wenn es um IHR GELD geht… sondern eben auch Hintergrundgeschichten über die mehrfach geschilderte. unkontrollierte Machtfülle der Sender mit der sie ihre Töchter und behaupteten „Stars“ füttern und gleichzeitig den meisten anderen eins aufs Maul gibt und sie ansonsten vollkommen ignoriert. Hier hätten Sie – und alle anderen – Fachpresse-Organe ein großes Spielfeld… Ich empfehle Ihren eigenen Artikel vom 22.12.2012 http://meedia.de/2012/11/22/ard-und-zdf-sollten-verschmolzen-werden/ … Was hat’s gebracht? Dem Siebenhaar, bei den Sendern? Nada oder? Wann beginnen die deutschen Medien endlich mal, an diesen Sendern dran zu bleiben, ja sie vor sich herzutreiben. Es gibt genügend Informanten aus der ganzen Branche, die nur drauf warten, unsägliches loszuwerden.

    1. Ergänzung: Diese erwähnte Vorabendserie war „SOKO WIEN“, die am 29.12.2016 mit einem hervorragenden 90-Minuten-Krimi um 20.15 Uhr bessere Quoten erreicht hat (5.90 Millionen) als – ein Beispiel unter vielen – die aktuell 5 x am Freitag um 20.15 Uhr gezeigte Versorgungsreihe „Die Chefin“, produziert von ZDF-Tochter Network Movie mit Sitzen in Köln und Hamburg (die ebenso produzieren: Unter anderen Umständen, Helen Dorn, Solo für Weiss, Der Kommissar und das Meer, Soko Köln, Unter Feinden, Bettys Diagnose, Katie Fforde, Hattinger, The Team, Stralsund, Neben der Spur, Nord Nord Mord, Nachtschicht, jede Menge Fernsehfilme mit immer denselben Regisseuren und Darstellern und vieles, vieles mehr). Fällt das einem Fachpresse-Format – nach den „Nimmersatten“ von Herrn Siebenhaar – auf?

  4. Sehr interessanter Beitrag! Ich danke Ihnen für Ihre Berichterstattung über die TV-Quoten, die ich mit Interesse verfolge. Vielen Dank für die Arbeit, insbesondere an Jens Schröder.

  5. Gratulation zu Ihrem Mut, Herrn Kögel die Stirn zu bieten. Den wird es, so wie ich ihn erlebt habe, in seiner Eitelkeit schwer kränken (hoffen wir mal, zumindest ein kleines bißchen).

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