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Kommt erst die Familie, dann der Beruf? Die Zeit spricht mit Wolfgang Büchner über Work-Life-Balance

Wolfgang Büchner ist seit 1. Januar Chief Digital Officer der Mediengruppe Madsack
Wolfgang Büchner ist seit 1. Januar Chief Digital Officer der Mediengruppe Madsack

Diese Woche hat Wolfgang Büchner bei Madsack seinen neuen Job als Chief Content Officer angetreten. Nach dem Aus beim Spiegel und einem kurzen Intermezzo bei Ringier plant der 50-Jährige wieder längerfristig. Im Interview mit der Schweiz-Ausgabe der Zeit spricht Büchner über seine Kurzzeit-Stationen, digitale Reformen und wehrt sich gegen Gerüchte, seine Führungsjobs nicht ernst genug zu nehmen.

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Ein gutes Jahr war er von der Bildfläche der deutschen Medienszene verschwunden, nun ist er wieder da: Wolfgang Büchner tritt derzeit in Hannover als Digital-Verantwortlicher und Chefredakteur des Redaktions-Netzwerks Deutschland (RND) eine neu geschaffene Doppel-Position an. Das Verlagshaus Madsack erhofft sich davon wichtige Impulse für den Ausbau seines Internet-Angebots und die Qualität des Mantelteils seiner mehr als 20 regionalen Zeitungsmarken. Die Verpflichtung des früheren Chefredakteurs von Spiegel Online, der dpa und dem Print-Spiegel war ein Wunsch von Konzern-Chef Thomas Düffert, der die Umstrukturierung und Digitalisierung seiner Gruppe seit Jahren im Rahmen der „Agenda 2018“ vorantreibt.

Büchner hatte zuletzt beim kriselnden Schweizer Boulevard-Blatt Blick die Geschäfte geführt, war dort allerdings im Sommer nach nur einem Jahr wieder ausgeschieden – zu Ende Oktober 2016 wurde der Vertrag „im gegenseitigen Einvernehmen“ aufgelöst. Zum Start bei Madsack gab Wolfgang Büchner nun der Zeit ein Interview, das morgen auf den Schweiz-Seiten des Blattes veröffentlicht wird. Im Gespräch mit den Redakteuren der Wochenzeitung gibt sich der Rückkehrer hinsichtlich seiner Episode in der Spiegel-Chefredaktion wortkarg, muss zunächst aber auf Spekulationen antworten, dass er bei seinen letzten Stationen zu häufig durch Abwesenheit geglänzt habe. So fragt Die Zeit: „Im Sommer 2015 kamen Sie zu Ringier nach Zürich. Haben Sie da dem CEO Marc Walder gesagt: Bei mir kommt zuerst die Familie, dann der Beruf?“ Büchner dazu: „Nein, aber ich habe ihn gefragt, wie wichtig ihm meine Präsenz in Zürich ist.“

Und weiter heißt es im Interview: „Als mein Sohn in diesem Juni geboren wurde, nahm ich, wie in der Schweiz üblich, fünf Tage Vaterschaftsurlaub …“ ZEIT: … gesetzlich vorgeschrieben ist hierzulande nur ein Tag … Büchner: … bei Ringier ist man da anscheinend etwas großzügiger. Anschließend habe ich zwei Wochen von zu Hause aus in Berlin gearbeitet.“ Auch an anderer Stelle thematisieren die Fragesteller die Work-Life-Balance. O-Ton: „ZEIT: Als Sie beim Spiegel als Chefredakteur angefangen haben, wurden Sie gleich dafür kritisiert, dass Sie etwas Elternzeit genommen haben. Ist das sinnbildlich für die ganze Branche oder nur für dieses eine Haus?“ Büchner: „Kleine Korrektur: Ich habe einen Monat Elternzeit genommen, unmittelbar bevor ich beim Spiegel angefangen habe. Und zu Ihrer Frage. Unsere Branche hat in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau sicher noch Nachholbedarf.“

Sein Ausscheiden beim Schweizer Verlag, der ihn für einen umfangreichen Change-Prozess geheuert hatte, nach nur einem Jahr, bedauert Büchner: „Ich hatte bei Ringier eine Aufgabe mit einer großen Verantwortung übernommen. Normalerweise sollte man so einen Job mindestens zwei, drei Jahre lang machen. Das wäre besser gewesen, da muss man nicht drum herumreden.“ Dennoch habe er sich mit der Ringier-Führung nicht überworfen, sondern es habe ihn nach Hannover gezogen. Über seine neue Aufgabe sagt der Journalist: „Ich möchte dazu beitragen, in Deutschland guten Journalismus auch in der Fläche zu erhalten. (…) Wir wollen bei Madsack eine digitale Zukunft für Lokal- und Regionalzeitungen schaffen. Das ist entscheidend, wenn es gelingen soll, dass die Demokratie in Deutschland wach und lebendig bleibt.“

Auch zum Spiegel wird Büchner wiederholt gefragt. Doch dazu, wie auch zum Vorwurf seines Hamburger Widersachers Cordt Schnibben, der ihm vorgeworfen hatte, sich mehr für Strukturen als für Inhalte zu interessieren, will sich Büchner („No comment“) nicht äußern. Immerhin lobt er den zum Jahresende entlassenen Online-Chefredakteur Florian Harms: „Ein kluger Kopf, der sehr viel über die Digitalszene weiß. Er hat einen fantastischen Job gemacht.“ Auf die Frage, ob er in seiner Zeit beim Spiegel Fehler gemacht habe, antwortet Büchner mit einer Gegenfrage: „Kennen Sie jemanden, der keine Fehler macht?“

 

Das vollständige Interview mit Wolfgang Büchner lesen Sie auf den Schweiz-Seiten der Wochenzeitung Die Zeit, die am Donnerstag, 5. Januar, erscheint.

 

 

 

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Arbeit und Karrierestreben ist nicht alles – das irdische Dasein ist zu kurz für diesen Schwachsinn. Was bringt denn ein relativ hohes Einkommen, wenn dafür das Luxusgut Zeit fehlt?

    Man kommt auch mit etwas weniger Geld bestens klar – denn für fast alles im Leben gibt´s gleichwertige Alternativen. Günstiger oder manchmal sogar kostenlos.

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