Das bittere Jahr der deutschen Medienaktien: zweistellige Verluste von Axel Springer bis Ströer

Konzernlenker: Springer-CEO Mathias Döpfer (li.) und ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling
Konzernlenker: Springer-CEO Mathias Döpfer (li.) und ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling

Überfälliger Schlussstrich unter ein Jahr zum Vergessen: So dramatisch 2016 medial verlief, so entwickelten sich die Aktiengesellschaften der deutschen Medienindustrie – höchst negativ. Alle vier börsengelisteten deutschen Medienkonzerne, die mindestens einen Börsenwert von einer Milliarde Euro aufweisen, haben in den vergangenen zwölf Monaten zweistellige Kursverluste zu beklagen – paradoxerweise, weil die Geschäftsentwicklung branchenübergreifend nach oben zeigt.

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4. Ströer: – 28 Prozent

Die Gesetze der Schwerkraft gelten auch weiterhin an der Börse: Nach furiosen Aufstiegen folgt oft der Fall. Das musste auch der Überflieger des vergangenen Jahres in den ersten sechs Monaten leidvoll erfahren – Außenwerbevermarkter Störer, der 2015 noch ein beeindruckendes Plus von 122 Prozent eingefahren hatte, liegt zwölf Monate später um 28 Prozent hinten.

Der Löwenanteil des Kurseinbruchs ist einem der größten Aufreger des  Medienjahres geschuldet: der Attacke des US-Hedgefonds Muddy Waters. Es war ein Angriff aus dem Hinterhalt: Der Hedgefonds hatte die Aktie des Werbevermarkters, der im vergangenen Jahr durch zahlreiche namhafte Internet-Akquisitionen – darunter das Portalgeschäft von T-Online – aufgefallen war, im April durch Leerverkäufe auf Talfahrt geschickt.

Binnen Minuten verlor das Kölner Unternehmen fast 1 Milliarde Euro an Börsenwert – und hat sich bis zum Jahresende nicht mehr vom Kursrutsch erholt. Die Kapitalmärkte misstrauen Ströer seitdem. So stockten im Herbst überraschend gleich drei Hedgefonds ihre Wetten gegen Ströer auf.

Wie aus dem Bundesanzeiger hervorging, haben Landsdowne Partners LLP,  Costue Management L.L.C und der Asset Management-Arm von JP Morgan ihre Short-Positionen im Oktober ausgebaut. Analysten reagierten im Jahresverlauf zudem enttäuscht mit Herabstufungen – das Störfeuer gegen Ströer hat Wirkung gezeigt.

3. ProSiebenSat.1: – 22 Prozent

Es war ein Absturz mit Ansage: Just in dem Moment, als ProSiebenSat.1 nach sensationellen Kurszuwächsen von in der Spitze 5000 Prozent in sieben Jahren in den Elite-Index Dax aufstieg, war die Börsenparty vorbei. Der Aufstieg in den nächsthöheren Index ist schließlich immer eine nachträgliche Belohnung für eine Kursentwicklung, die in der Vergangenheit liegt.

So finden sich Aktionäre des Fernsehkonglomerats, das Konzernchef Ebeling mit Hochdruck zum digitalen Medienkonzern umbaut, nach zwölf Monaten im Börsenjahr 2016 in einer recht ungewohnten Rolle wieder: Satte 22 Prozent gingen seit dem 1. Januar verloren – in der Spitze waren es sogar mehr als 30 Prozent –, obwohl die Münchner nach Umsätzen und Gewinnen mit einem zweistelligen Plus überzeugen konnten.

2. Axel Springer: – 10,3 Prozent  

Auch Springer-Aktionäre hatten 2016 erneut nicht viel Freude an ihrem Investment: Wie bereits im Vorjahr hat sich die Aktie von Europas größtem Digitalverlag schwächer als der Vergleichsindex MDax entwickelt.

Während der Nebenwerte-Index 2016 um 6 Prozent zulegte, liegt die Springer-Aktie seit Jahresbeginn um 10 Prozent hinten. Fundamental verlief die Geschäftsentwicklung 2016 solide: In den ersten drei Quartalen konnte bei stagnierenden Umsätzen das EBITDA um immerhin 6 Prozent gesteigert werden. Für Schlagzeilen sorgte Axel Springer zuletzt durch den Zukauf des Marktforschers eMarketer.

1. RTL Group: – 9,6 Prozent

Auch das gibt es: Eine zweistellige Minusperformance, die zum Spitzenplatz unter den höher kapitalisierten deutschen Medienaktien reicht. Die RTL Group verlor bis einen Handelstag vor Jahresende knapp 10 Prozent an Wert und kämpft damit mit Axel Springer in den letzten Stunden des Börsenjahres noch um die beste Performance unter den deutschen Medienaktien.

Fundamental kann die Bertelsmann-Tochter weiter nachhaltiges Wachstum vorweisen: In den ersten neun Monaten legte der operative Gewinn (EBITDA), angeschoben durch die deutsche RTL Mediengruppe, konzernweit um 7 Prozent zu, während der Umsatz im Jahresvergleich um 2 Prozent zulegte.

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Alle Kommentare

  1. Na das Ströer verschwindet, tut gut.
    Ihr Nachrichtenportal wurde als „Zensurstelle“ mißbraucht zugunsten einer engen, politischen Ausrichtung. Dies betraf sowohl die Auswahl der für Diskussionen freigegebenen Themen wie auch die zugelassenen Beiträge der Nutzer.

  2. JP Morgan – die Bank, die zig Dollar Milliarden dafür zahlt, dass ihre Chefs nicht hinter stählerne Gardinen wandern? Naja, solange die Politik die Wetten solcher Hinterzimmer-Ganoven mit dem Geld der Steuerzahler versichert, wird deren Geschäftsmodell den Mafiosi weltweit die Gesichter gelb vor Neid färben. Drogenhandel – nur was für Verlierer. Waffenhandel – viel zu riskant und die Rendite lächerlich. Naja, ich könnte jetzt Brecht zitieren, aber der Kommunismus war in seinem Verbrechen den Banken (von heute?) doch zu ähnlich, als dass ich einen ihrer Propagandisten hier zu Wort kommen lasse.

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