„Wir machen mehr, als Nachrichten nur zu verbreiten“: Mark Zuckerberg sieht Facebook auch als eine Art Medienunternehmen

Während des Jahresrückblicks mit Sheryl Sandberg gesteht Mark Zuckerberg ein: Facebook ist mehr als nur ein Tech-Unternehmen
Während des Jahresrückblicks mit Sheryl Sandberg gesteht Mark Zuckerberg ein: Facebook ist mehr als nur ein Tech-Unternehmen

Schon länger wird über die Rolle Facebooks in der Gesellschaft diskutiert – und darüber, inwiefern Facebook für die Inhalte auf seiner Plattform verantwortlich ist. Bislang betonte CEO Mark Zuckerberg, dass sein Unternehmen keine publizistische Rolle habe, sondern lediglich Technologie-Anbieter sei. Nun lenkt er ein und sagt zumindest: "Wir sind kein traditionelles Medienunternehmen".

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Der Facebook-Chef erklärt damit zum ersten Mal, dass sein Unternehmen einem publizistischem Angebot gleicht, nur eben nicht im klassischen Sinne. In einer Gesprächsrunde mit Facebook-Co-Chefin Sheryl Sandberg erklärte Zuckerberg zur Rolle seines Unternehmens: „Facebook ist eine neue Art von Plattform. Es ist kein traditionelles Tech-Unternehmen. Es ist kein traditionelles Medienunternehmen. Wie stellen Technologie zur Verfügung und wir fühlen uns verantwortlich dafür, wie sie genutzt wird.“

Damit rückt der CEO von seiner bisherigen Linie ab. Öffentlich betonte Zuckerberg stets, dass auf Facebook zwar Inhalte verbreitet, sein Unternehmen aber lediglich Anbieter einer Technologie und Distributionsplattform für Content sei, der in der Verantwortung der Urheber liege.

Facebook is a new kind of platform. It’s not a traditional technology company. It’s not a traditional media company. You know, we build technology and we feel responsible for how it’s used – Mark Zuckerberg

Dieser Einstellung widersprochen hatte vor allem die Politik. In Deutschland allen voran Justizminister Heiko Maas, der seit Monaten fordert, Facebook müsse seiner Verantwortung stärker gerecht werden. Dabei ging es bislang vor allem um den Umgang mit so genannter Hassrede im Netz. Nach der US-Wahl und im Vorfeld der Bundestagswahl in Deutschland erreicht die Diskussion über die Rolle des Netzwerkes mit dem Aufkommen von Fake-News eine neue Dimension. Entsprechend wächst auch der Druck auf Zuckerberg, der zuletzt angekündigt hatte, Lösungen zu finden, die die Verbreitung falscher Nachrichten möglichst verhindern.

Im Gespräch mit Sandberg fügte er zur Rolle Facebooks hinzu: „Wir schreiben nicht die Nachrichten, die die Menschen bei uns lesen. Aber gleichzeitig wissen wir, dass wir weit mehr machen, als diese Nachrichten nur zu verbreiten. Wir sind ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Diskurses.“

We don’t write the news that people read on the platform. But at the same time we also know that we do a lot more than just distribute news, and we’re an important part of the public discourse – Mark Zuckerberg

Dass Zuckerberg nun eingesteht, nicht nur ein Tech- sondern auch ein Medienunternehmen zu führen, dürfte bei Kritikern wie Justizminister Maas mit Freude aufgenommen werden. Beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) allerdings eher weniger. BDZV-Präsident und Springer-Vorstand Mathias Döpfner hatte in den vergangenen Wochen immer wieder davor gewarnt, Facebook die Rolle eines Medienunternehmens zuzusprechen. Facebook bekomme so eine Rolle als „Super-Verleger“, mit der das Unternehmen gar nicht umgehen könnte. Darüber hinaus fürchten Kritiker negative Auswirkungen auf Presse- und Meinungsfreiheit, da Facebooks Richtlinien für Inhalte sehr umstritten sind.

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Alle Kommentare

    1. Nein, das ist nicht wahr. Jeder andere Verlag nicht. Aber einige wüsste ich schon zu nennen, allen voran die Bildzeitung und den Kölner „Express“. Es gibt bestimmt noch mehr, die ich nicht kenne.

      Gute Presseverlage sind die großen Zeitungen wie „Zeit“, „Süddeutsche“, „Frankfurter Rundschau“, TAZ und FAZ, mit Einschränkungen „Welt“ und die regionalen Tageszeitungen. Wer gute Hintergrundberichte haben will, wählt „Stern“ und „Spiegel“. Diese Verlage bieten wahrheitsgetreue, genaue, unvoreingenommene, besonnene Informationen und meiden jede angsthysterische, pauschalisierende Berichterstattung. Ihre Nachrichten sind überprüfbar, keinesfalls „postfaktisch“. Wer die liest, ist informativ immer auf der Höhe der Zeit und immun gegen fakenews.

      1. Es wird einfach nur vorausgesetzt, dass der „mündige“ Leser die Berichterstattung mit einer gewissen kleinen Skepsis aufnimmt. Sich über Hintergründe informiert zu haben, darf von jedem an Politik Interessierten vorausgesetzt werden –
        der Büchermarkt bietet sich mit durchaus erschwinglichen Produkten dafür an.Auch die Magazine und Reportagen von ARD und ZDF sind weit davon entfernt, bewusst tendenziös informieren zu wollen und liefern, so gut wie’s eben im Fernsehen geht, Einblicke auch in durchaus schwer verständliche Faktenlagen. Aber: anstatt über’s Quotenfernsehen – auch bei den OR -zu mosern, empfiehlt sich Lektüre, möglicherweise da und dort als Alternative zum X-ten Krimi…
        Da die Autoren in dicken und fetten Lettern auf dem Bucheinband für ihre Einstellung gerade stehen, weiß man nicht nur stets, woher der Wind weht, sondern darf sich außerdem fast ausnahmslos über Lektüre in einwandfreiem Deutsch freuen. Letzteres scheint in den SM nur mehr eine äußerst marginale Rolle zu spielen. Möchtegern – Publizisten
        mit derlei orthographisch/grammatikalischen Defiziten kann man zwar nicht von ihrer Lust auf Meinungsäußerungen abbringen. Für mich persönlich – und das mag ungerecht und falsch sein – trennt sich schon hier, auch ganz unbewusst, die Spreu vom Weizen, bevor ich weiterlese…

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