Anzeige

„Merkel wirkt erschöpft“ und „ziemlich ratlos“: die Medienstimmen an Tag zwei nach dem Anschlag

Angela-Merkel-Joachim-Gauck-Bild-Frankfurter-allgemeine-zeitung-FAZ-handelsblatt-spiegel-online.jpg

Der gestrige Tag nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin hätte eigentlich im Zeichen der Trauer stehen sollen. Stattdessen sahen die meisten Kommentatoren überforderte Politiker, eine erschöpfte und ratlose Merkel, eine misslungene Polizei-Aktion und eine unpassend polternde AfD. Zudem beschäftigen sich die Leitartikel mit der Reaktion von Horst Seehofer („Verlierer des Tages“ bei SpOn).

Anzeige
Anzeige

Für Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblattes, war gestrige Tag „an Trostlosigkeit nur schwer zu überbieten“. So hätten alle Politiker „gesprochen und keiner hat etwas gesagt. Der Berliner Betrieb produzierte eine Überdosis Ohnmacht, derweil der Täter des Anschlags vom Weihnachtsmarkt sich weiter auf der Flucht befindet.“ Sein gesamtes Morning Briefing ist eine ruhige, aber sehr wütende Betrachtung, die zu dem Schluss kommt: „So findet der Anschlag vom Breitscheidplatz seine Fortsetzung auf dem Territorium des Politischen. Die Kanzlerschaft der Angela Merkel wirkt erschöpft. Der schwarze Sattelschlepper räumte mehr ab als nur die Stände mit Mandeln und Lebkuchen.“

Für den Politik-Chef der Bild, Nikolaus Blome, sind diese Tage eine „Prüfung für Merkel“. Denn gerade jetzt kommt es „besonders auf die Politiker an: Ob sie die Terror-Lage rasch in den Griff bekommen. Ob sie vorschnelle Antworten vermeiden und ehrliche geben. Ob sie die richtige Mischung aus Härte und Mitgefühl im Umgang mit Flüchtlingen wie Migranten finden – und damit auch tief frustrierte, verunsicherte Bürger der deutschen Demokratie erhalten. Die Politik, vor allem aber die Regierung, muss als erste die Klammer sein, die das Land zusammen hält.“ Weiter schreibt er: „Eine gezeichnete Kanzlerin muss zeigen, ob sie die Kraft zu dieser Klammer hat. Das wird schwer: Auf ihren lange gewohnten Vertrauens-Vorschuss kann sie bei weitem nicht mehr so sicher zählen wie vor zwei Jahren noch. Daran trägt gewiss nicht sie allein die Schuld. Aber viele im Land projizieren ihre Wut, ihre Angst auf Angela Merkel, auf sie persönlich.
So wird es auch ihr schwerster Test. Und das Ende ist offen.“

In ihrer Morgenpost erklärt die stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros des Spiegels, Christine Hoffmann, Horst Seehofer zum „Verlierer des Tages“: „Am Morgen nach dem Berliner Anschlag wartete der bayerische Ministerpräsident noch nicht einmal erste Ermittlungsergebnisse ab, bevor er forderte, die gesamte Zuwanderungspolitik „zu überdenken und neu zu justieren“. Seehofer will die Bluttat von Berlin nutzen, um seine Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge durchzusetzen. Das ist billig.“
In der Süddeutschen watschte zum einen Heribert Prantl Seehofer für dessen Äußerungen ab: „„Seehofer missbraucht das Attentat von Berlin, um gegen Merkels Flüchtlingspolitik Stimmung zu machen“, kritisiert Prantl. „Das ist böse und perfide“.

Zum anderen schreibt Chefredakteur Kurt Kister, dass sich Deutschland „nicht im Krieg“ befinde. „Leider bringen schlimme Zeiten auch das Schlechte in manchen Menschen zum Vorschein. Das wird zum Beispiel daran erkennbar, dass etliche, noch bevor das Blut getrocknet ist, den Mord an anderen Menschen politisch zu instrumentalisieren versuchen. Da gibt es jene Extremisten, die nahezu gewohnheitsmäßig von „Merkels Toten“ schreien. Aber es sind eben auch Leute wie der saarländische CDU-Innenminister Klaus Bouillon, der erst mal vom „Kriegszustand“ faselt, bevor er selbst erkennt, dass es zwischen dem Terrorismus in Berlin und dem Massentöten in Aleppo Unterschiede gibt.“

Anzeige

In der taz ruft Bettina Gaus erst einmal zu Gelassenheit auf: „In Berlin ist geschehen, was schon lange zu befürchten stand. Ein Akt brutaler Gewalt. Die einzig wirksame Gegenwehr: Gelassenheit. Nach wie vor ist das Risiko weit höher, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen. Dennoch werden Autos nicht verboten. Beim Umgang mit potenziellen Gefahren geht es immer um Güterabwägung. Nie um absolute Sicherheit.“

In der FAZ kritisiert Michael Hanfeld die Reaktion der öffentlich-rechtlichen Sender am Abend des Anschlages. Diese agierten seiner Einschätzung nach „in einer Weise zurückhaltend, die – sehen wir einmal von RTL ab – ans Absurde grenzt“. „Das Wort des Abends ist „Spekulation“. Man dürfe nicht „spekulieren“, jede „Spekulation“ verbiete sich, man verbreite und interpretiere nur Informationen, die „gesichert“ seien. So sagen es Ingo Zamperoni (der an diesem Abend kein Bein auf den Boden bekommt) und Georg Mascolo in der ARD, Marietta Slomka und Elmar Theveßen im ZDF und Ilka Eßmüller und Peter Kloeppel bei RTL. Das ist die Lehre, welche die Sender aus der Nacht des 22. Juli gezogen haben“.

Damals hatte ein Achtzehnjähriger im Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen ermordete und die Sender spekulierten wild. „Das ist jetzt anders“. Diesmal seien die Öffentlich-Rechtlichen zu vorsichtig gewesen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ach göttchen, die Merkel wirkt erschöpft! Die Alte hat mehre Menschenleben auf dem gewissen. Das Volk ist in Aufruhr und die Herrschaften von der Presse machen sich Gedanken, wegen angeblicher brauner Kommentare bei Meedia, aber wenn 12 Mitbürger draufgehen, wird Besonnenheit befohlen. Herrlich, holt das Popcorn raus. Beste Unterhaltung.

  2. Christine Hoffmann vom Spiegel erklärt heute früh Seehofer zum „Verlierer“, weil er „vor Abschluss der Ermittlungen“ eine Neujustierung der Abschiebe-Praxis gefordert habe.

    Einige Stunden später wird die Spiegel-Vizechefin von der eigenen Redaktion widerlegt. Der Gesuchte ist ein geduldeter tunesischer Flüchtling – der offenbar von NRW nicht abgeschoben wurde. Und nach dem die Polizei bereits seit 15 Stunden fahndet – was auch Seehofer intern längst bekannt war.
    Mal sehen, ob sich die naseweise „Verliererin“ Christine Hoffmann in ihrer nächsten „SPON-Morgenlage“ bei Seehofer entschuldigt.

    1. Das wird nicht passieren bei diesen „Journalisten“. Die sind anpassungsfähiger als die katholische Kirche.

      Seehofer stellt wenigstens noch die richtigen Fragen und Forderungen. An der Umsetzung hapert es seit Monaten/ Jahren.

      Irgendwann, früher oder später, hat Merkel eh fertig. Besser früher. Nur die Frage, wer und was danach kommt?

      Gnade unserem Land!

  3. Es würde mich interessieren, wie die Leute, die von anderen Gelassenheit fordern, reagieren wenn ein solcher Anschlag sie selber oder ihre Angehörigen betreffen würde. Dann wären sie wohl kaum gelassen. So etwas müssen wir nicht akzeptieren! Die unverantwortliche Politik der deutschen Regierung schadet ganz Europa, darum haben alle Europäer das Recht, sich dagegen zu wehren.

  4. Frau Merkel,
    das was Sie gerade spüren, haben auch Saddam Hussein und Gaddafi gespürt, kurz bevor sie gestürzt wurden.

    Genießen Sie noch ihre letzten Tage, denn der nächste Anschlag, mit vielleicht sogar hunderten Toten, wird kommen (das ist so sicher wie das Amen in der Kirche).

    1. Schlechter Vergleich, ganz schlechter Vergleich. Schon mal darüber nachgedacht, mit welchen Mitteln Hussein und Gaddafi regiert haben und dann mal einen fairen Vergleich gezogen? Ich glaube kaum.

    2. Ich habe noch nie die Partei Merkels gewählt, doch angesichts einer solchen Hasswelle tut mir die Kanzlerin aufrichtig leid. Der Vergleich mit Schlächtern wie Sadam Hussein und Gaddafi ist schlichtweg ekelerregend und eines Medienportals wie meedia – immerhin eine Tochter der Verlagsgruppe Handelsblatt – unwürdig. Es ist traurig, dass diese Website, im Gegensatz zur Konkurrenz (Horizont, W&V, kress), zum Tummelplatz von Hetzern und AfD-Trollen geworden ist.

      1. ja gell, ich finde das auch doof, dass hier so viele Meinungen zugelassen werden – wo is bloß Hr.Maas und seine Kohorte..nein, Kahane ??

      2. Es ist traurig, dass diese Website, ……bla,blablabla…

        Warum nicht?

        Der Untertanengeist und die Jünger der Jubelpresse tummeln sich doch auch hier!

  5. Frau Merkel, keine Angst, es ist alles gut!

    Laut der aktuellen Wahlprognose der Bildzeitung (So würde Deutschland wählen!) liegt die CDU/CSU/SPD derzeit bei 54,5% – wäre heute Bundestagswahl. Die AfD liegt bei 13% und verliert 1% zur Vorwoche (49 KW.).

    Zu finden bei Bild online auf der Politik-Seite.

    1. Wenn Merkel nur auf die Wahlprognosen schielen würde, hätte sie ihre Flüchtlingspolitik angesichts vieler negativer Stimmen im Land und innerhalb ihrer Partei längst um 180 Grad drehen müssen. Tut sie aber auch angesichts einer aktuellen Gewalttat nicht, die nur das Ziel hat, unsere Gesellschaft zu verunsichern, zu spalten und zu radikalisieren. Und warum nicht? Weil sie Überzeugungen und Charakter hat, im Gegensatz zu Politikern wie Seehofer, die ihr Fähnchen gerne in den Wind hängen, je nachdem, aus welcher Richtung er gerade kommt. Und das sage ich, ohne die Dame jemals gewählt zu haben, fernab davon, ein „Merkel-Troll“ zu sein.

  6. Richtig analysiert Schrotti! Danke!
    Merkel ist allein zu Haus mit ihren weltoffenen und toleranten Gästen aus dem Orient. Jetzt haben wir dank Merkel ein Land in dem wir nicht leben wollen: Poller auf Weihnachtsmärkten, Scanner am Eingang von Sportarenen, Verzicht auf christliche Weihnachtslieder wegen muslimischer Kinder usw. Die Liste ist noch viel länger… Angie go home!

  7. …und sie macht lieber Selfies mit „Flüchtlingen“,spricht nur noch „die Flüchtlingshelfer“, Ehrenamtlichen & Co., die Polizei und die Feuerwehr an und nicht mehr „das Volk“, aus dem gerade eben 12 Menschen getötet wurden, viele noch um ihr Leben kämpfen und viele nicht wissen, wie sie nach dem Krankenhaus leben werden. Sie hat den Bürgern „Wir schaffen das“ zugerufen und den ganzen Rest dieses Ausrufes dem gemeinen Volk vor die Füße gekippt. Die Bürger sind es nämlich, denen sie „den Rest“ überlässt. Die erwirtschaften die Milliarden, die gebraucht werden, DIE kämpfen um Wohnungen, Ärzte, die noch Zeit haben, Verwaltungsgerichte, die „dicht“ sind, Behörden, die nur noch für Flüchtlinge arbeiten aber Bürgern Termine geben müssen zur Abholung von Pässen etc. und so weiter. Man könnte unendlich vieles aufzählen, das hier nur noch im Flüchtlings-Modus arbeitet (Schulen, Kitas, Dolmetscher, Psychologen, Ämter, Gemeinden, Landkreise, Kreisräte, Ärzte, Polizei, die viel mehr erzählen könnte als „erlaubt“ ist…). Und dann Meldungen am laufenden Band von Köln über Hamburg u.a., Vergewaltigungen, Mord, Islamismus, Rückkehrer, sonstige Angriffe etcetera pepeeee. …und Frau Merkel macht Selfies…und ist „traurig“ über einen Terrorangriff…. und ihr Dank gilt immer nur denjenigen, die sie KOSTENLOS davor schützen, dass hier – als Folge ihrer einsamen Beschlüsse „Gutes zu tun“ – alles zusammen bricht.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*