Aufbruch im deutschen Hörfunkmarkt: Bauer liebäugelt mit Einstieg ins Digitalradio

Bauer-Topmanager Andreas Schoo, Digitalradio DAB+: „hohes Interesse an einer guten Verbreitung“
Bauer-Topmanager Andreas Schoo, Digitalradio DAB+: "hohes Interesse an einer guten Verbreitung"

In den Ausbau des digitalen Radios via Antenne - kurz DAB plus - kommt Bewegung. Bis zum 24. Februar nächsten Jahres können sich Unternehmen für ein zweites DAB+ Multiplex bewerben. Um das bundesweite Hörfunkangebot zeigen viele Medienunternehmen reges Interesse - darunter der Hamburger Großverlag Bauer Media. Das Unternehmen könnte damit auf einen Schlag eine namhafte Größe auf dem deutschen Radiomarkt werden und hier von Werbeeinnahmen profitieren.

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In Deutschland ist das Hamburger Medienunternehmen Bauer ein kleines Lichtlein auf dem Radiomarkt. Eine spärliche Schachtelbeteiligung am norddeutschen Sender Radio Hamburg und ein kleines Web-Engagement mit Bravo Radio – ansonsten ist die im europäischen Hörfunkgeschäft eher stark vertretene Gesellschaft hierzulande jedenfalls nicht präsent.

Das könnte sich jetzt ändern. Denn seit einigen Tagen hat die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) die Ausschreibung für einen zweiten bundesweiten DAB plus-Multiplex mit 15 Programmen veröffentlicht. Bis zum 24. Februar nächsten Jahres können sich hier Plattformanbieter bewerben. Reges Interesse hieran zeigt seit Längerem die Bauer Media Group. Konzerngeschäftsführer Andreas Schoo hatte bereits mehrfach öffentlich mit einem Einstieg bei DAB+ in Deutschland geliebäugelt, sobald die Rahmenbedingungen besser sind. „Wir haben ein hohes Interesse an einer guten Verbreitung von DAB+ in Deutschland“, sagte Schoo der Süddeutschen Zeitung und ergänzte: „Wir kennen uns aus mit der Technik und den Inhalten, hätten auf einen Schlag zahlreiche Kanäle anzubieten“. Momentan sei es aber „leider so, dass DAB+ nach wie vor diskutiert und immer noch nicht entscheidend realisiert wird“.

Die Indizien jedoch sprechen dafür, dass Bauer bei der Ausschreibung mitmacht. Erst jüngst hatte Schoo zwei Experten ins Boot geholt, um das Digitalradio hierzulande bundesweit bekannter zu machen: Bauer Steve Parkinson von Bauer Media aus London und Lena Puntila von Bauer Media Oy. Ob der Verlag ein Angebot abgibt, will ein Firmensprecher auf MEEDIA-Anfrage nicht sagen. Er verweist auf ein jüngstes Statement von Carsten Schüerhoff, Geschäftsleiter Radio, TV und New Business bei Bauer: „Wir werden uns den Ausschreibungstext anschauen und danach eine Entscheidung treffen.“

Sollten die Hamburger das Rennen um das zweite Multiplex gewinnen, könnten sie beim Aufbau des Geschäfts auf Erfahrungen aus Großbritannien zurückgreifen. Hier hat das Medienunternehmen seit geraumer Zeit eine zweite DAB plus-Abdeckung aufgebaut. Denn in England ist das Digitalradio sehr beliebt. Die Verbreitung liegt hier bei mehr als 50 Prozent. Bauer ist dort bereits mit elf Millionen Digitalradio-Hörern pro Woche Marktführer unter den privaten Rundfunkunternehmen. Das ist jedoch nicht alles. Der Verlag ist hier zudem an mehr als 80 UKW-Stationen beteiligt.

Doch Bauer ist nicht der einzige Interessent für das neue Hörfunkangebot. Auch der Düsseldorfer Sendenetzbetreiber Uplink Network hat ein Auge auf das Digitalradio geworfen. „Wir prüfen derzeit die Ausschreibung sehr genau“, erklärt Uplink-Geschäftsführer Michael Radomski gegenüber MEEDIA. Ein Investment wäre für das Unternehmen „technisch und kommerziell sehr interessant“, betont der Firmenchef. Uplink ist ein Dienstleister für den Sendenetzbetrieb von UKW-Stationen. An dem Unternehmen sind namhafte Investoren beteiligt – unter anderem Helmut Markwort, Gründer und ehemaliger Chefredakteur des Burda-Magazins Focus sowie der ehemalige Postminister Christian Schwarz-Schilling.

Als weiterer Interessent für das zweite Multiplex gilt ferner der Leipziger Immobilienkönig Steffen Göpel. Der Geschäftsmann verfügt durch den Verkauf der Mehrheit an der Immobiliengruppe GRK-Holding angeblich über eine gut gefüllte Kriegskasse. Diese könnte er einsetzen, um mit Partnern eine Kette an privaten Radiostationen aufzuziehen, die für eine nationale Werbevermarktung interessant sind. Erfahrene Branchenmanager wie Florian Schuck, ehemals Geschäftsführer der Radio Saarbrücken GmbH, hat Göpel bereits an seine Seite geholt, um seine Expansionspläne zu verwirklichen.

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