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Vier Instagram-Kanäle, Facebook, Snapchat und ein Promi-Takeover bei Twitter: das Social-Media-Konzept des Zeit Magazins

Promi-Takeover: Constantin Schreiber (re) übernimmt für eine Woche den Twitter-Account des Zeit Magazins (Chefredakteur Christoph Amend)
Promi-Takeover: Constantin Schreiber (re) übernimmt für eine Woche den Twitter-Account des Zeit Magazins (Chefredakteur Christoph Amend)

Es gibt in Deutschland nur wenige Print-Titel, die im Social-Web so aktiv sind, wie das Zeit Magazin. So snappen die Berliner bereits seit fast zwei Jahren. Neben ihrer großen Facebook-Community und gleich vier Instagram-Accounts, will Chefredakteur Christoph Amend jetzt auch bei Twitter die Schlagzahl erhöhen. Im MEEDIA-Interview erklärt er sein neues Konzept, nach dem nun immer eine Medien-Promi den Zwitscher-Kanal des Zeit Magazins für eine Woche übernimmt. Den Anfang macht der neue Mister-"Tagesschau“ Constantin Schreiber.

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Gibt es einen Masterplan? Wie sieht die Social-Media-Strategie des Zeit Magazins aus?
Wir überlegen uns ständig für alle Medien, von Social-Media bis zu aufwändig produzierten Zeitschriften: Was passt zu uns? Also: Was ist sinnvoll, macht uns Spaß und unterstützt, was wir mit dem wöchentlichen erscheinenden Zeit Magazin machen. Bei Instagram haben wir unsere Reihe #InstaZEIT eingeführt und laden Schauspieler wie Lars Eidinger und Karoline Herfurth oder Fotografen wie Alex Soth und Ellen von Unwerth ein, ihre Bilderwelten mit unseren Followern zu teilen. Mittlerweile haben wir dort neben dem Zeit Magazin-Account auch die eigenständigen Kanäle Zeit Magazin-Wochenmarkt, Zeit Magazin-Mode und Zeit Magazin-Design.

zeitmagazin-instagram-collage-quadratDie Instagram-Kanäle des Zeit Magazins

Warum braucht das Zeit Magazin überhaupt Social-Media?
Wir wollen überall sein, wo unsere Leserinnen und Leser auch sind – und natürlich auch diejenigen, die unser Heft oder unsere Website noch gar nicht kennen. Alleine auf Facebook hatten wir in der vergangenen Woche eine Reichweite von 3,1 Millionen Kontakten. Was ich besonders reizvoll finde: Man kann auf Social-Media journalistische Formen entwickeln, die nur dort funktionieren, wie etwa unser allsonntägliches „Tatort“-Zitat, das wir seit Jahren live auf Facebook posten, und um das sich eine eigene kleine Community entwickelt hat.

Gibt es Vorbilder für die Social-Media-Aktivitäten des Zeit Magazins?
Vorbilder im eigentlichen Sinne nicht, der New Yorker macht das wunderbar, beispielsweise mit seinem Fotokanal auf Instagram – oder mit den herrlichen digitalen Icons, die Christoph Niemann gerade gezeichnet hat.

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Für Ihren Twitter-Kanal haben Sie sich was Neues überlegt. Erzählen Sie doch mal. Ab sofort zwitschern jetzt Medienmacher für das Zeit Magazin?
Ja, Twitter eignet sich hervorragend als Ort für offene Debatten, in Deutschland ist es ja kein Massenmedium wie in den USA. Dafür haben wir uns ein neues Takeover-Konzept überlegt: Prominente Meinungsmacher übernehmen eine Woche langen unseren Account und diskutieren mit unseren Followern – und allen anderen natürlich auch. Den Anfang macht der neue Mister „Tagesschau“, Constantin Schreiber.

Warum bespielen Sie Twitter denn überhaupt noch. Das Netzwerk gilt doch irgendwie längst als abgehalftert uncool?
Twitter hat bekanntermaßen wirtschaftliche Probleme, was im Angesicht der alten Mediendebatte zwischen Digital und Print nicht ganz ohne Ironie ist. Als Medium für politische Debatten funktioniert es aber besser denn je. Das haben wir im amerikanischen Wahlkampf erlebt. Donald Trump hat für seine höchst fragwürdige Kampagne Twitter geschickt eingesetzt.

Was ist mit Snapchat? Bespielt das Zeit Magazin auch Snapchat?
Ja, seit Januar 2015. Wir snappen jede Woche visuelle Ausschnitte aus unseren Kolumnen von Harald Martenstein mit den Zeichnungen von Martin Fengel, dem Wochenmarkt und unserer Heiter bis Glücklich-Seite. Und zurzeit zeigen wir unseren Snapchat-Freunden, was sie täglich im Zeit Magazin-Adventskalender gewinnen können.

Wie steht es um Ihren eigenen Social-Media-Konsum? Kann man ohne Facebook, Twitter & Co. noch Blattmachen und ein guter Journalist sein?
Klar kann man das sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man verpasst nur eine Menge. Wenn man Social-Media richtig nutzt, kann es unglaublich inspirierend sein, man kann einfach viel mitbekommen – und kommt so auch auf neue Geschichten fürs Heft. Als ich am Morgen nach der US-Wahl etwas übermüdet getwittert habe „Angela Merkel is now really the leader of the free world“, habe ich so viele Reaktionen aus der ganzen Welt bekommen, positive wie negative, dass ich angefangen habe darüber nachzudenken, ob das nicht ein größeres Thema ist. Daraus hat sich dann unsere Titelgeschichte „Emails an Angela Merkel“ entwickelt, in der 33 Menschen aus aller Welt der Kanzlerin geschrieben haben, was sie sich in diesen Zeiten von ihr wünschen. Zu meinen Lieblings-Mails gehörten die Ratschläge, die Monocle-Macher Tyler Brûlé aus London für Merkel hatte: „Nehmen Sie in der Weihnachtspause Theresa May mit auf einen sehr langen Spaziergang, und reden Sie einmal vernünftig mit ihr. Wenn sie nicht zur Vernunft kommen sollte, schubsen Sie sie in den Schnee und stecken Sie ihr Eisklumpen unter die Klamotten.“

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