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„Schon deprimierend, wenn man monatelang kaum Tageslicht sieht“: Domian beendet seinen Nacht-Talk

Teenager-Träume, der Mett-Mann und eine Anzeige: Die kuriosesten Anrufe aus Domians Sorgen-Sendung.
Teenager-Träume, der Mett-Mann und eine Anzeige: Die kuriosesten Anrufe aus Domians Sorgen-Sendung.

Ob Verbrechen, kuriose Sexspiele, Tod oder Krankheit: Wer jemanden zum Reden brauchte, konnte bisher nachts bei Domian anrufen. Mit seiner Sendung im WDR Fernsehen und bei 1Live Radio wurde Jürgen Domian zu einer Art öffentlichem Kummerkasten. Nun hört der Moderator nach 21 Jahren auf. Vor seiner letzten Sendung in der Nacht zum 17. Dezember freut sich der 58-Jährige vor allem darauf, endlich einen normalen Tagesablauf zu haben.

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Wo sollen all die Menschen in Zukunft anrufen, wenn es „Domian“ nicht mehr gibt?
Ich weiß es nicht, aber natürlich können sich die Leute bei der Telefonseelsorge melden, wenn sie in großer Not sind. Wir bekommen seit Monaten Unmengen von Mails, in denen Menschen ihre Sorge ausdrücken, demnächst keine Anlaufstelle mehr zu haben. Mir tut das wirklich sehr leid, dennoch ist die Entscheidung aufzuhören, für mich richtig und stimmig.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Dass ich endlich einen normalen Tagesablauf haben werde, so wie die meisten anderen Menschen auch. Bisher bin ich erst nachmittags aufgestanden, im Winter wird es dann ja bald schon wieder dunkel – das ist manchmal schon recht deprimierend, wenn man monatelang kaum Tageslicht sieht. Auch mein Sozialleben hat darunter gelitten. Ich werde sofort nach der letzten Sendung versuchen, in einen neuen Rhythmus zu kommen. Das wird natürlich ein paar Tage dauern, aber es wird klappen – wenn ich Urlaub habe, mache ich das ja auch.

Haben sich die Themen, wegen denen Menschen bei Ihnen angerufen haben, im Lauf der mehr als 20 Jahre geändert?
Anfangs ging es sehr oft um das Thema Sexualität. Das hat abgenommen. Wahrscheinlich ist eine Art Sättigung eingetreten, weil man heute über das Internet alles erfahren und sehen kann. Überhaupt nicht weniger geworden sind allzu menschliche Themen wie Liebe, Tod, Trauer oder Eifersucht. Zugenommen haben die Themen Gewalt und Brutalität. Es ist oft erschütternd zu hören, was den Leuten widerfahren ist. Und seit einigen Jahren melden sich vermehrt junge Leute mit Migrationshintergrund, die zwischen den Kulturen stehen – zum Beispiel junge Frauen, die das traditionelle Frauenbild ihrer Eltern nicht mehr erfüllen wollen, oder muslimische Schwule oder Lesben.

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Wie schwierig ist es, sich von den Geschichten der Anrufer abzugrenzen?
Manchmal ist das sehr schwierig. Am meisten zu Herzen gehen mir die Gespräche mit Sterbenden und mit Menschen, die gerade einen Angehörigen verloren haben. Besonders herausfordernd ist es, wenn Menschen auf dem Sterbebett von einer großen Schuld berichten, die sie in ihrem Leben auf sich geladen haben, oder überhaupt mit sich nicht im Reinen sind.

Was werden Sie denn künftig tagsüber machen?
Von Januar bis April werde ich mit einer 1Live-Produktion auf Talk-Tournee durch NRW gehen. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich dabei mit vielen Fans sprechen und sie dabei auch sehen kann (lacht). Danach sehen wir weiter. Außerdem werde ich natürlich weiter Bücher schreiben, das ist ja mein zweites Standbein.

Und privat?
Ich werde viele soziale Kontakte neu pflegen, die bisher durch meine permanente Nachtarbeit auf der Strecke geblieben sind. Und ich werde reisen. Noch öfter nach Lappland als bisher, aber auch in die USA, wo sehr gute Freunde von mir leben.

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