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Zwei Wochen vor Weihnachten: SWMH streicht beim Nordbayerischen Kurier fast jede vierte Stelle

Mitten im Advent sorgte die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) bei den Mitarbeitern des Nordbayerischen Kuriers für Angst und Schrecken. Am Donnerstagmorgen wurde der Betriebsrat darüber informiert, dass im Zuge von Umstrukturierungen mehr als 50 der 225 Arbeitsplätze im Verlag abgebaut werden sollen. Zu den Gesellschaftern des Blatts mit Sitz in Bayreuth gehört auch die SPD-nahe Holding DDVG.

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Wie viele Stellen wo bis Mitte 2017 gekürzt werden, wollten die SWMH-Manager nach Darstellung der Gewerkschaft BJV den Mitarbeitern während eines Rundgangs durch die einzelnen Abteilungen offiziell mitteilen. Danach sollen der Kundenservice sowie Buchhaltung und Personalabteilung mit je neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Bayreuth ganz dichtgemacht werden, ebenso der Medienvertrieb mit sieben weiteren Kolleginnen und Kollegen. Auch die Redaktion, die durch Fluktuation im Laufe des Jahres 2016 bereits zehn von 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verloren habe, soll nach BJV-Angaben weiter verkleinert werden. Konkrete Zahlen gebe es dort jedoch noch nicht.

Der bisherige Geschäftsführer Michael Rümmele, sei zudem am Donnerstag von allen Aufgaben entbunden worden. Sein Nachfolger ist Bodo Kurz, der bereits im Impressum der Zeitung geführt werde. Der BJV-Vorsitzende Michael Busch reagierte verärgert auf den geplanten Stellenabbau: „Es ist bei den Verlegern leider schon schlechter Brauch geworden, ihre Mitarbeiter gerade in der Adventszeit mit derartigen Hiobsbotschaften zu konfrontieren. Das zeugt von wenig Empathie gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“. Es sei ein typisches Verhalten der Verleger, dass sie im Personalabbau den einzigen Weg sehen, um die Rendite zu erhöhen. Dabei habe sich diese Methode als weitgehend erfolglos erwiesen.

Die Eigentümerstruktur hat seit diesem Jahr eine neue Konstellation: Im Juni hatte der Verkauf von 65 Prozent der Anteile am Nordbayerischen Kurier an die Frankenpost in Hof, die zur SWMH und der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) gehört, bereits für große Unruhe in der Belegschaft gesorgt. Die DDVG wiederum hatte zwei Monate zuvor ihre Anteile am Nordbayerischen Kurier durch Kauf der Anteile des früheren Mitgesellschafters Lorenz Ellwanger aufgestockt. Der SWMH mit Sitz in Stuttgart gehört unter anderem auch die Süddeutsche Zeitung. Wie man nun sieht, haben die Gesellschafter offenbar zu einem weitreichenden Umbau keine Alternative gesehen. Das Blatt berichtet dazu auch in eigener Sache.

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