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Die Digital-Ziele der New York Times: unabhängiger werden von Print und Facebook, irgendwann 10 Mio. Abos

Das Hauptquartier der New York Times in Manhattan
Das Hauptquartier der New York Times in Manhattan

Die New York Times ist globales Leuchtturm-Medium und Vorreiter, was die Entwicklung von Print-Zeitung hin zum journalistischen Qualitätsmedium betrifft. Vor allem in Sachen Paid Content blickt die NYT mittlerweile auf viele Jahre Erfahrung und beeindruckende Erfolge zurück. Für die Zukunft hat sich CEO Mark Thompson einiges vorgenommen, wie er unlängst auf einer Konferenz in New York erklärte.

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Auf der alljährlichen UBS Global Media Conference, über die u.a. Niemanlab.org berichtet, gab Thompson eine Bilanz der aktuellen Digital-Bemühungen und eine Ausblick.

Die New York Times hat seit Oktober 2016 netto rund 200.000 neue Abonnenten hinzu gewonnen. Der Löwenanteil davon seien Digitalabos, so Thompson. Das sei ein zehnfach größerer Abo-Zuwachs als noch im vergangenen Jahr und würde der Times Bilanz bis zu 30 Mio. US-Dollar zusätzlichen Umsatz bringen, so der CEO. Das sind wirklich positive Zahlen. Mittlerweile würde die NYT „nur“ noch 22 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Print-Anzeigen erwirtschaften. Im 3. Quartal des Jahres 2016 gingen die Umsatzerlöse mit Print-Anzeigen bei der Times erneut um 18 Prozent zurück.

180.000 Digital-Abonnenten der New York Times stammen von außerhalb der USA, das sind 13 Prozent des gesamten Abo-Stamms, was die Rolle der New York Times als globales Medium unterstreicht. Einen kräftigen Abo-Schub erhielt die NYT durch die Wahl Donald Trumps. Seit dessen Wahl zum nächsten US-Präsidenten sei die Zahl an Abos sprunghaft gestiegen, was aber ein einmaliger Effekt war. US-Medienmacher sprechen hier von einem „Trump Bump“.

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Nicht so stark wie erwartet wächst das Geschäft mit Branded Content, also vor allem Native Advertising – Werbung in der Aufmachung redaktioneller Inhalte. 2015 setze die NYT mit Native Advertising 35 Mio. US-Dollar um. Das Ziel war es, diesen Betrag 2016 zu verdoppeln. Das wird nicht erreicht, sagte Thompson. Er betonte, dass die Sparte trotzdem weiter signifikant wachse. Medienhäuser wie die New York Times setzen nach wie vor auf Native Advertising, da das klassische digitale Werbe-Geschäft weiter unter enormen Preisdruck steht und von Google und Facebook immer stärker dominiert wird.

Interessant ist, was Thompson zu Facebook sagte. So hat die Times ihr Engagement bei Facebooks Instant Articles drastisch zurückgefahren und veröffentlicht nur noch ausgewählte Stücke über diesen Weg. Stattdessen wurden die Pay-Schrauben für Leser, die über Facebook kommen, angezogen. War es bislang möglich, über das Einstiegstor Facebook die 10-Artikel-pro-Monat-Schranke zu umgehen, ist dies nicht länger der Fall. Wer über Facebook auf den Seiten der New York Times landet und sich durchklickt, wird nach zehn Artikeln zum Zahlen aufgefordert. Laut Thompson hat die Maßnahme zu einem deutlichen Zuwachs an Digitalabos geführt.

Als Fernziel gab Thompson die Fabelzahl von zehn Millionen Abos aus. Freilich ohne einen Zeitrahmen zu nennen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Im September meldete die NYT rund 1,6 Mio. Digital-Abonnenten.

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Alle Kommentare

  1. Der Establishment-Bürger und wohl fast alle dort wohnenden CNBC-Gäste und Moderatoren lesen täglich vermutlich New York Times.
    Vermutlich liefern sie auch Lokal-News. Siehe hier die Statistiken wo die Rhein-Pfalz wohl auffällig wenig Leser-Schwund hat.

    Jedes Jahr sterben 1.2 % der Bevölkerung also wachsen je nach Land und Übervölkerungs-Level 0.8%-2% frisch nach welche digital konsumieren.
    Ähnliches gilt auch für Deutschland und gehört in alle Media-Planungen einbezogen.
    Im Prinzip kann man also den Rückgang der Print-Abonnenten gegen das Digitalwachstum (und Bevölkerungswachstum von New York) gegenrechnen und eine Grafik aufzeigen, wann die 10 Mio erreicht sein dürften. Ein Blogger gewann in der Media-Branche prominenz als er vor ein paar Jahren die IVW-Zahlen extrapolierte und aufmalte, wann die Bild-Zeitung bei 0 (oder unter 100.000) täglichen Käufern wäre.

    Bei den Preisen nimmt man als Mallorca-Rentner wohl besser readly auch wenn es wohl PDF ist was nicht jeder mag.
    Denn alte Leute haben schlechte Augen und wollen die Schrift größer drehen können am iPad:
    http://meedia.de/2016/10/07/us-umfrage-unter-50-jaehrige-wollen-nachrichten-als-text-nicht-als-bewegtbild/
    Warum wohl gibts im Bahnhof so viele „Rätsel…“ und wohl auch „Arzt-Romane in GROßER SCHRIFT“ ? Na also.

  2. Die digitale Strategie der NYT sollte Vorbild für die deutschen Verlage darstellen. Funktionales Angebot zum realistischen Preis von monatlich 8 Euro für den Basis Zugang bzw 16 Euro für den Insider Zugang mit zusätzlichem Content und Zugang für 2ten User. Die Angebote überregionaler deutscher Tageszeitungen sind im Vergleich teils weit überteuert, beispielsweise SZ zu 31,99 Euro und FAZ mit über 40 Euro, lediglich Springers Welt mit Zugängen zu monatlich ab 9,99 Euro und der Tagesspiegel mit einem Komplettpaket zum noch akzeptablen Preis von monatlich ca 22 Euro stellen positive Ausnahmen dar.

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