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Führungswechsel bei Spiegel Online: Barbara Hans folgt als Chefredakteurin auf Florian Harms

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Barbara Hans folgt auf Florian Harms

Der Machtkampf bei Spiegel Online ist entschieden: Auf einer kurzfristig angesetzten Vollversammlung wurden die Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und Berlin über den Führungswechsel beim reichweitenstarken Newsportal unterrichtet. Florian Harms, erst seit 2015 als Chefredakteur im Amt, gibt die Verantwortung ab. Neue starke Frau bei Spiegel Online ist künftig die bisherige Vize Barbara Hans.

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Die letztlich überraschende Personalie setzt den Schlusspunkt unter turbulente Tage, in denen zunächst über eine zeitnahe Ablösung von Harms spekuliert wurde, zum anderen aber auch an der Ericusspitze erbittert um den Verbleib des SpOn-Chefredakteurs im Haus gerungen wurde. So hatten SPON-Mitarbeiter sowohl in Berlin als auch in Hamburg mit großer Mehrheit eine Petition unterzeichnet, die sich für eine Fortführung unter der derzeitigen Besetzung in der Chefredaktion ausgesprochen hatte. Unklar war dabei die Rolle der Gesellschafter, die sich am vergangenen Donnerstag offenbar auch mit der Personalfrage und der im Haus spürbaren Unruhe befasst haben. Anders als von MEEDIA berichtet, kam es dabei aber wohl nicht zu einem tragfähigen Rückhalt für den umstrittenen SPON-Macher.

In die Kritik geraten war Harms offenbar durch seine Haltung im Zusammenhang mit der Paid Content Strategie des Portals sowie seinem Bestreben, vermehrt Artikel aus dem gedruckten Spiegel zur Steigerung der Online-Reichweite einzusetzen. Auch der angeblich ausgebliebene Erfolg in der Kooperation mit dem externen Dienstleister Laterpay soll Harms angekreidet worden sein. Genauso habe es am Führungsstil des Chefredakteurs Kritik gegeben. Der enorme Rückhalt von Harms bei Ressortleitern und Redakteuren hat ihm offensichtlich nichts genutzt. Als am Vormittag die Mitarbeiter zur kurzfristig einberufenen Versammlung einbestellt wurden, machten sofort Spekulationen über die zu erwartende News die Runde. Zeitgleich soll auch der Betriebsrat über die Ablösung des Chefredakteurs in Kenntnis gesetzt worden seien. Damit hat sich die Spiegel-Online-Geschäftsführung, allen voran Jesper Doub, in der Personalfrage doch noch durchgesetzt. Mit der 35-jährigen Barbara Hans steht nun erstmals eine Frau an der Spitze einer Redaktion der Spiegel-Gruppe. 

Am frühen Nachmittag bestätigte die Spiegel-Gruppe die „Abberufung“ von Harms und teilte mit, dass der 43-Jährige das Haus verlassen werde. SPON-Geschäftsführer Jesper Doub dankte Harms für „sein überaus großes Engagement“. Über die neue Chefredakteurin sagte er: „Barbara Hans ist eine exzellente Journalistin und wird das publizistische Profil von Spiegel Online weiter schärfen sowie unser Angebot entschlossen ausbauen. Sie hat in verschiedenen, leitenden Funktionen Kreativität und Führungsstärke bewiesen. Ich freue mich sehr, dass wir sie für eine der spannendsten und einflussreichsten Positionen gewinnen konnten, die derzeit im Journalismus zu besetzen sind.“

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Barbara Hans studierte Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft und Kulturwissenschaften in Münster und Brighton, Großbritannien. Sie promovierte an der Universität Hamburg über Inszenierungsstrategien von Politikern und Vertrauen in Politik. Nach dem Volontariat bei Spiegel Online arbeitete sie als Redakteurin im Ressort Panorama sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. 2011 wurde sie Leiterin des Ressorts Panorama, im Februar 2014 stellvertretende Chefredakteurin.

 

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Alle Kommentare

  1. ja so ist es: operative Hektik ersetzt geistige Windstille – in der Redaktion, im Verlag. Der Spiegel zertrümmert sich Woche für Woche publizistisch zum Beispiel mit Nonsens-Geschichten über Fußballer, deren Gehälter, deren Verwendung, deren vermeintliche Steuerlecks – und niemanden interessiert das noch. Und er demontiert sich halbjährlich mit Personalentscheidungen nach der Art der Bundesliga – hire and fire . . . wer ihn nicht liest, muss sich wenigstens nicht ägern über die hohlen Geschichten wie die über Trump: peinliches Archiv-Geseier, Erkenntniswert: Null!

  2. Operative Hektik, wo Personalien an dem „Problem“ eher wenig bis nichts ausrichten dürften; ganz unabhängig vom Geschlecht.

    Systemfromm bunte Propaganda in Zeiten des noch halbwegs offenen Internets findet eben immer weniger Schafe, die sich -wegen der betriebswirtschaftlich gebotenen Relevanz- lediglich ihren Metzger, aussuchen dürfen.

    Das Problem bleibt; vielschichtig …

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