ARD und ZDF droht Olympia-Totalausfall: Auch „Tagesschau“ und „heute“ von Blackout betroffen?

ARD und ZDF werden die Olympischen Spiele nicht zeigen – im Zweifel nicht einmal mit Bewegtbild darüber berichten dürfen.
ARD und ZDF werden die Olympischen Spiele nicht zeigen – im Zweifel nicht einmal mit Bewegtbild darüber berichten dürfen.

Mehr als 300 Stunden live aus Rio, allein 40 Stunden Olympia-Zusammenfassungen und rund 1.000 Stunden Livestreams auf den Online-Seiten der Sender – das waren die Olympischen Spiele 2016 in Rio bei ARD und ZDF. Nun liegen die Ausstrahlungsrechte für den prestigereichen Wettbewerb von 2018 bis 2024 bei Eurosport. Und die Öffentlich-Rechtlichen werden im Zweifel keine einzige Sekunde Bewegtbild zeigen können.

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Für viele Sport- und Olympia-Fans war es ein kleiner Schock: ARD und ZDF werden nicht von den Olympischen Spielen 2018 bis 2024 berichten. Das US-Unternehmen Discovery und die öffentlich-rechtlichen Sender konnten sich nicht auf den Verkauf von Sub-Lizenzen einigen. Die langwierigen Verhandlungen waren damit gescheitert. Ein öffentlich-rechtlicher Blackout – der droht, zu einem Totalausfall zu werden.

„Wir haben Discovery so verstanden, dass sie die Spiele exklusiv in ihren Programmen zeigen werden“, so ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky gegenüber MEEDIA. „Und exklusiv heißt erst einmal exklusiv.“ So exklusiv, dass die öffentlich-rechtlichen Sender im Zweifel überhaupt kein Bewegtbild von den Spielen 2018-2024 zeigen können – weder in der ARD-„Tagesschau“, noch beim ZDF-„heute journal“ oder in anderen Formaten. „Discovery hat sich klar positioniert, deshalb gehen wir derzeit nicht davon aus, dass sich an der aktuellen Rechtesituation zeitnah noch etwas ändert“, so Balkausky weiter. Natürlich werde man sich um den Erwerb von Nachverwertungsrechten – „sei es Live, sei es Highlights“ – bemühen. Doch „sollte dies nicht gelingen, werden wir nicht mit Bewegtbildern von den Olympischen Spielen berichten dürfen.“

Wie und in welcher Form Eurosport von den Olmpischen Spielen 2018-2024 berichten wird, lässt man bei Discovery noch weitestgehend offen. „Auf Eurosport 1 werden wir jeden bedeutenden Olympia-Moment im Free-TV übertragen und stellen eine umfassende Berichterstattung sicher“, so Discovery-Sprecherin Daniela Allgayer-Koreiman gegenüber MEEDIA. Darüber hinaus wolle man die Berichterstattung im Free-TV auf Dmax zusätzlich ergänzen. Während bei Pay-TV-Sender Eurosport 2 das Angebot mit „exklusiven Inhalten“ bereichert werden soll. Über den Eurosport-Player im Netz soll „wirklich jede Minute, jeden Augenblick, auf allen Geräten immer und überall“ zu sehen sein. „Wie die genaue Aufteilung dann aussehen wird, was unsere Berichterstattung ausmacht und wie sich die Berichterstattung auf den einzelnen Plattformen unterscheiden wird, ist noch alles in Planung“, so Allgayer-Koreimann weiter. Man wolle voraussichtlich im Januar 2017 zu einer größeren Pressekonferenz laden, „in der wir mehr zu unseren Plänen, unserer Programmgestaltung, unseren Visionen kommunizieren werden.“

Doch: Discovery ist dazu verpflichtet, mindestens 200 Stunden der Sommerspiele und 100 Stunden der Winterspiele im Free-TV zu zeigen. „Und wir werden dieser Verpflichtung nicht nur nachkommen, sondern wir werden sie übertreffen“, so die Deutschland-Chefin von Discovery, Susanne Aigner-Drews, gegenüber Horizont.

Darauf angesprochen, dass sowohl ARD als auch ZDF weiterhin offen für Verhandlungen mit Discovery sind – um etwa wenigstens rein nachrichtlich über die Spiele mit Bewegtbild berichten zu können – erläuterte Allgayer-Koreimann gegenüber MEEDIA: „Wir haben gerade verkündet, dass Eurosport das exklusive Zuhause der Olympischen Spiele 2018-2024 in Deutschland wird und wir freuen uns jetzt erst einmal auf den Startschuss in PyeongChang 2018.“

Exklusiv heißt wohl erst einmal exklusiv.

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Alle Kommentare

  1. Wie war das noch? Man sitzt in der ersten Reihe? Der Zuschauer hat da nie gesessen… und es ist inzwischen Tatsache, dass man ARD und ZDF nicht mehr braucht. Der politische Journalismus dort ist inzwischen zu einem zweiten DDR-Staatsfernsehen geworden… wer braucht denn das?

  2. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Öffentlich-Rechtlichen Rentenanstalten mit angeschlossenem Sendebetrieb haben nun eine Begründung weniger, entweder die Anzahl der Anknüpfungs-Tatbestände (Wie mit der „Haushaltsabgabe“) oder den Betrag selbst zu erhöhen. Sport ist Unterhaltung. Und wer in dieser Gesellschaft auf einer speziellen Art des Amüsements besteht, der möge dies bitte selbst bezahlen und nicht anderen die Kosten dafür aufbürden, dass ihm die Milliarden anderen Beschäftigungsmöglichkeiten gerade nicht zusagen. Außerdem wird die „Grundversorgung“ (als ob TV satt machen würde) so ausgedehnt, dass man eine fette Verwaltung mit jeder Menge exorbitant bezahlten Intendanten, Direktoren und (bei 100%igen Töchtern) Geschäftsführern vorhalten kann. Das ist eine gigantische Fehlleitung gesellschaftlicher Ressourcen und muss endlich aufhören! Etwas Hochkultur, investigativer Journalismus und Bildungsendungen, alles preisgünstig nur noch über das Internet verbreitet – gern. Dann wären wir bei 1 Euro pro Monat. Seifenopern, Sport, sinnfreie Talkshows, Nachrichten auch wenn nichts eine Nachricht wert ist, Krimis und Schunkelsendungen – dass passt alles nicht zu einer zwangsweisen Eintreibung der Kosten. Weg damit! Wer das machen will, soll vorher Spenden sammeln! Dann würde sich zeigen, ob es den Zuschauern etwas wert ist.

    1. Unterhaltung ist auch Grundversorgung.
      Warten wir mal ab bis die öffentlich-rechtlichen mitbekommen für was das Internet erfunden wurde (das Musical Avenue Q hat einen schönen Song dazu…) dann werden wir uns an öffentlich-rechtlichen Pornofilmen erfreuen können…
      Ist es nicht schlimm das so ein wichtiger Teil der Grundversorgung bislang nur von kommerziellen Anbietern betrieben wird ? 😉

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