Nach Brandmail aus Berlin: Auch 120 Hamburger SpOn-Redakteure stützen Chefredakteur Florian Harms

Bleibt bis auf Weiteres im Amt: Spiegel-Online-Chefredakteur Florian Harms
Bleibt bis auf Weiteres im Amt: Spiegel-Online-Chefredakteur Florian Harms

An der Ericusspitze herrscht Unruhe: Laut einem Medienbericht steht Spiegel Online-Chefredakteur Florian Harms vor der Abberufung. Zur heutigen Gesellschafterversammlung haben 120 Hamburger SpOn-Redakteure die Verantwortlichen aufgefordert, die Chefredaktion "in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung" im Amt zu belassen. Am Vorabend hatten 25 Berliner Redakteure eine ähnlich lautende Mail versandt.

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Schon am heutigen Donnerstagabend könnte es Gewissheit in der Redaktion von Spiegel Online geben. Seit 11.00 Uhr sitzen die Spiegel-Gesellschafter in Form der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, den Augstein-Erben und Gruner + Jahr zusammen an einem Tisch, um über die zukünftige Strategie des Spiegel Verlages und seiner Medien zu sprechen. Beherrschendes Thema der Runde dürfte die Berichterstattung der vergangenen Tage und die Zukunft von Spiegel-Online-Chefredakteur Florian Harms sein. Dieser steht nach Angaben von Horizont kurz vor der Demission.

Der SpOn-Macher, so die Autorin Ulrike Simon, stehe in der Kritik, weil die vor einigen Monaten mit dem externen Dienstleister Later Pay gestartete Paid Content-Offensive Spiegel Plus sich als Flop herausstelle und Harms nicht bereit sei, Reichweiteneinbußen hinzunehmen. Stattdessen fordere er mehr Artikel aus dem Print-Spiegel für das Online-Portal. Der Verlag sowie Later Pay dementierten umgehend, dass Spiegel Plus gescheitert wäre – im Gegenteil: Man halte an der Kooperation fest.

In der Redaktion von Spiegel Online herrscht nicht nur Verunsicherung, sondern auch Wut. Am Mittwochabend erreichte MEEDIA anonym ein Schreiben der Berliner SpOn-Redakteure, in dem sie die Berichterstattung als „absurd“ bezeichneten und sich solidarisch mit Florian Harms zeigten. „Wir blicken auf erfolgreiche zwei Jahre zurück, sowohl journalistisch als auch ökonomisch. Wir können nicht erkennen, dass eine Veränderung der Chefredaktion angesichts dieser positiven Bilanz angezeigt wäre“, heißt es in dem Schriftstück. Unterschrieben haben 25 Redakteure, die nun Verstärkung aus der Zentrale bekommen.

„Die Hamburger Redaktion von SPIEGEL ONLINE stellt sich hinter die Chefredaktion in der gegenwärtigen Zusammensetzung“, heißt es in einem weiteren Schreiben, das MEEDIA kurz vor Beginn der Gesellschafterversammlung erreichte. Dahinter sollen nach eigenen Angaben 120 Mitglieder der Hamburger Redaktion stehen. Namen werden nicht genannt. Damit stellt sich die überwältigende Mehrheit der Spiegel-Online-Redaktion hinter ihren derzeitigen Chefredakteur.

Mit den beiden Protestaktionen ist eine neue Dimension im Rätselraten um die angeblich bevorstehende Wachablösung bei Spiegel Online erreicht. Für die Situation von Florian Harms lässt das nichts Gutes erahnen, sind es doch die Falschen, die für ihn in die Bresche springen: Das wäre eigentlich Sache seiner Vorgesetzten, die das vielleicht deutlicher hätten tun müssen, wenn an den Gerüchten denn nichts dran sein sollte.

Für die Entscheider – und die Gesellschafter sowieso – ist die quasi-öffentliche Aktion von der SpOn-Basis eher lästig. Es bringt sie unter Zugzwang und erhöht den Druck. Und in Führungszirkeln schätzt man es allgemein wenig, wenn die Mitarbeiter den Eindruck erwecken, sie wüssten am besten, wer für den Job des Chefs infrage kommt. Sollte also die Demission von Harms ernsthaft erwogen worden sein, so könnte sie nun schneller erfolgen als vielleicht mal geplant war.

Wenn nicht, wäre alles andere als ein klares öffentliches Bekenntnis von Verlag und Spiegel-Chefredakteur zu Harms unmittelbar nach der Gesellschafterversammlung unausweichlich. Man darf gespannt sein, wie sich die Verantwortlichen verhalten werden. So oder so wird eine längerfristige Unruhe in der rund 180 Mitarbeiter starken Redaktion von Spiegel Online kaum zu vermeiden sein.

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Alle Kommentare

  1. Im Ernst, der „FC Hollywood“ ist (war) ein feuchter Rattenschiss dagegen. Selbst das schwachsinnig alarmistische Trump-Titelbild verblasst neben diesem wunderbaren, ins schier Unendliche ausgedehnten Tanz auf der Messerspitze. Wie wäre es mit einem Sonderheft „SPIEGEL: SPIEGEL!“? Alle Interna, aller Wahnwitz direkt entladen, natürlich mit geschliffenem Kommentar vom spitzen Augsteinchen und einordnendem Ganz-nah-dran-Interview vom ollen Obermaat. ich würde es kaufen.

    1. Ich nicht.
      Mich macht es immer furchtbar traurig, was aus dem einstigen Spiegel geworden ist.
      Aus dem Sturmgeschütz der Demokratie ist eine Demokratie-Abrissbirne geworden.
      Der Markt wird es bereinigen…

  2. SPoN schau ich mir nur noch für Plattenkritiken an, ansonsten überhaupt nicht… Und selbst die sind nur noch ein Witz. Von daher ist mir völlig egal, wer da wo sitzt.

  3. stokowski -lobo- berg- fleischhauer- alles reine selbstdarsteller, die ihre kruden weltbilder als kolumnen verkaufen..dürfen..und als „journalisten“ absolute fehlschläge sind -ein medium ist so gut wie seine mitarbeiter und die werden immer besch….

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