UBS-Analyst: „Apple ist wie eine Gucci-Tasche. Änderungen um ihrer selbst willen sind nicht gut“

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Die Stahlkraft schwindet: was wird das nächste große Ding aus Cupertino? (c) Apple

Steve Milunovich gilt seit Längerem als einer der kritischsten Apple-Analysten. Auf der Telefonkonferenz bei Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen stellte Milunovich gar Tim Cooks Zukunftsstrategie infrage. Im Gespräch mit dem Blogkonglomerat Business Insider vertritt der UBS-Analyst die These, dass Apple aus Gründen der Markenwiedererkennung bewusst selten Designänderungen bei seinen Produkten vornehme. Was der nächste Kassenschlager nach dem iPhone werde, sei aber weiter unklar.

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Es ist mit Apple inzwischen wie mit einer Erfolgsserie in der sechzehnten Saison: Man hat schon alles gesehen, schaltet aber trotzdem wieder ein. Während andere Tech-Unternehmen von Jahr zu Jahr mit neuen Features und Designänderungen zu punkten versuchen, wird bei Apple, seitdem Tim Cook CEO ist, eine Produkt-Politik der kleinen Schritte betrieben.

Seit mehr als zwei Jahren sieht das iPhone gleich aus – das iPhone 7 ist lediglich ein marginales Update des Vorgängermodells iPhone 6s, das wieder nur als minimale Überholung des iPhone 6 auf den Markt gebracht wurde. Tatsächlich werden ganze 36 Monate vergehen, bis Apple mit dem iPhone 8 im kommenden Jahr wieder ein komplett neu designtes Modell ins Rennen um die Käufergunst schickt.

„Apples Produkte sind wie eine Gucci-Tasche. Wenn man sie zu viel ändert, ist es keine Gucci-Tasche mehr.“

Während vermutlich kaum ein anderes Tech-Unternehmen den erkennbaren Mangel an (Design-)Innovationen überleben würde, könnte er bei Apple zur Strategie zählen, mutmaßt einer der zuletzt schärfsten Kritiker des Kultkonzerns aus Cupertino. Steve Milunovich erklärte dem Blogkonglomerat Business Insider in einem langen Interview seine Sichtweise der konservativen Produktpolitik: „Apples Produkte sind wie eine Gucci-Tasche. Wenn man sie zu viel ändert, ist es keine Gucci-Tasche mehr.“

„Es gibt inzwischen so viele iPhones. Ich glaube daher nicht, dass Apple Änderungen am Format um ihrer selbst willen vornimmt – das könnte fürchterlich nach hinten losgehen“, glaubt Milunovich. Apple unterscheide sich mit seinem Ansatz fundamental von Samsung, das mit immer neuen Features punkten wolle.

Unklare Zukunftsstrategie

Obwohl der UBS-Analyst Tim Cook grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellt und die Apple-Aktie wegen des kommenden iPhone 8-Zyklus als Kauf mit einem Kursziel von 127 Dollar empfiehlt (aktuell: 110 Dollar), bleibt Milunovich skeptisch in der Beurteilung der langfristigen Zukunftsstrategie.

„Haben Sie eigentlich eine Zukunftsstrategie? Wissen Sie, was Sie in den nächsten drei bis fünf Jahren tun werden?“ fragte Milunovich Apple-CEO Tim Cook in der jüngsten Analystenkonferenz Ende Oktober unverblümt. Der UBS-Mann fragte Cook, ob Apple eigentlich ein tiefes Verständnis habe, wohin sich die Technologietrends entwickeln werden. „Wir haben ein starkes Verständnis davon, wohin sich die Dinge entwickeln und wir können ziemlich schnell den Schalter umlegen, wenn es nötig ist“, konterte Cook hörbar genervt.

Apple Watch zu früh auf den Markt gebracht

Gegenüber Business Insider präzisierte Milunovich nun seine Bedenken: Apple habe das Problem, dass neue Märkte für eine Disruption noch nicht bereit waren. Als der Techpionier 2001 den iPod auf den Markt brachte, existierte bereits ein Markt für MP3-Player, ebenso 2007 beim iPhone (Smartphone-Industrie) und 2010 beim iPad (Tablet-Industrie).

Bei der Apple Watch jedoch sei Apple in die Falle gelaufen: Der Smartwatch-Markt sei gerade erst entstanden und habe noch längst keinen Reifegrad erreicht, der in der Bilanz einen Unterschied machen würde, während Apple in der ersten Generation mit dem Fokus auf Benachrichtigungen auf die falschen Anwendungen gesetzt habe. Der Fokus verschiebe sich inzwischen in Richtung auf Fitness- und Gesundheitsanwendungen, die jedoch erst in den nächsten Generationen erkennbar zum Einsatz kommen.

„Apple kann sich keine Fehler erlauben“

Apples eigentliche Problematik kurz vor dem zehnjährigen Jubiläum des iPhones liegt in der fehlenden Identifizierung und Umsetzbarkeit des nächsten Kassenschlagers. „Ich glaube schon, dass Apple weiß, in welchen Bereichen sie sich in Zukunft bewegen wollen: Smart Home, auf dem Gesundheitsmarkt und auch in der Autoindustrie sowie bei Augmented und Virtual Reality.“

Apples Problem sei jedoch, dass all diese Zukunftsindustrien technisch noch nicht masssenmarkttauglich wären: „Ich glaube nicht, dass die Technologien heute so weit entwickelt sind, dass diese Bereiche die Kundenwünsche vollständig befriedigen.“, mutmaßt der UBS-Mann. Die Folge: das Warten auf das ’nächste große Ding‘ in der Tech-Industrie geht weiter – gerade bei Apple, das zu einem Hit-Produkt verdammt ist. Gerade nach der enttäuschenden Aufnahme der Apple Watch mahnt Milunovich an: „Apple kann sich keine Fehler erlauben.“

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Alle Kommentare

  1. Leider fehlt es bei Apple einfach an einem Visionär. Die Apple Watch ist ok aber kein Must Have. Ich könnte problemlos wieder darauf verzichten. Sie kam definitiv zu früh. Tim Cook musste liefern deswegen kam sie zu früh.

    Der neue Mac Pro ist viel zu teuer und die Touchbar braucht anscheinend niemand. Früher hat Apple sowas nur implementiert wenn es auch Sinn gemacht hat. Heute wird sowas raus gebracht damit man was gemacht hat. 2000€ für einen MacBook Pro das man ohne Adapter derzeit nicht sinnvoll benutzen kann ist schon eine gewagte Preisgestaltung.

    Was hat Aplle eigentlich gegen Amazons Echo zu bieten? Immerhin ist Echo in den USA schon seit zwei Jahren erhältlich. Siri wird wohl kaum dagegen ankommen können.

    Was machen eigentlich die Airpots? Die passen wohl auch nicht in jedes Ohr vor allem sind sie nicht verfügbar. Mir passen Sie sowieso nicht und die Siri Steuerung ist einfach nur lächerlich. Die kapiert überhaupt nichts. Was soll ich mit websuche? Da kann ich auch gleich einen Browser benutzen.

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