Trotz katastrophaler Grosso-Zahlen: Gruner + Jahr-Produktvorstand Schäfer hält an No Sports fest

Gruner + Jahr-Produktvorstand Stephan Schäfer und die zweite Ausgabe von No Sports
Gruner + Jahr-Produktvorstand Stephan Schäfer und die zweite Ausgabe von No Sports

Tennis, Eishockey, Handball, Rudern, Curling und Schach - mit dem Randsport-Titel No Sports wollte Gruner + Jahr-Produktvorstand Stephan Schäfer ein anderes Licht auf die Welt des Sports werfen, das jenseits des Massenphänomens Fußball scheint. Doch das ungewöhnliche Magazin-Experiment fällt bei den Lesern durch - zumindest bei der ersten Ausgabe. Die Grosso-Inlands-Zahlen sind katastrophal. Doch Schäfer lässt sich nicht beirren. Er will die Zeitschriften-Innovation im nächsten Jahr fortsetzen.

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Er sollte auf dem Cover für eine gute Auflage sorgen: Wimbledon-Sieger Boris Becker. „Immer wieder Bum Bum“ – auf elf Seiten zeichnete die neue Gruner + Jahr-Innovation No Sports in ihrer ersten Ausgabe das Comeback der ehemaligen Nummer 1 im internationalen Tennis nach, der sich jüngst als Trainer des Serben Novak Djokovic wieder in der Sportwelt zurückmeldete.

nosports116coverDie erste Ausgabe von No Sports

Ob Porträts über Tennis-Stars wie Boris Becker oder Reportagen über Radfahr-Legenden wie Marcel Kittel – das redaktionelle Konzept von No Sports ist außergewöhnlich: Das Blatt berichtet ausschließlich über Menschen, die in Randsportarten für Schlagzeilen sorgen. Nicht dabei: Helden des deutschen Lieblings- und Breitensports Fußball. Ein außergewöhnliches Magazin-Experiment, für das Gruner + Jahr-Produktvorstand Stephan Schäfer im Juni grünes Licht gab.

Doch das Magazin, das 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster journalistisch verantwortet, fällt im Handel durch – zumindest bei der ersten Ausgabe. Nach MEEDIA-Informationen hat das norddeutsche Verlagshaus von dem Sport-Titel im Grosso-Inland lediglich 5.650 Exemplare an den Kiosken verkauft. Geliefert wurden hingegen 72.600 Stück.

Nicht enthalten in der von MEEDIA genannten verkauften Grosso-Auflage ist zwar der Bahnhofshandel. Doch auch hier soll die Nachfrage nach der G+J-Innovation ähnlich schlecht ausgefallen sein, heißt es in Branchenkreisen. Die Bahnhofshandel listet Titel schnell aus, die bei den Lesern auf wenig Gegenliebe stoßen.

Bereits zum Start hatten viele Media-Agenturen Zweifel an einem dauerhaften Auflagenerfolg des Magazins angemeldet. „Die alte Weisheit, dass Fußball-Content die Reichweite steigert, greift noch immer – egal ob in TV, Zeitschriften, Zeitungen und so weiter. Insofern bin ich gespannt, wie erfolgreich sich ein reiner Randsport-Titel ohne das Zugpferd Fußball etablieren kann“, mahnte damals Anne-Kathrin Bida, Leiterin Beratung Media der Mediaagentur Pilot in Hamburg, gegenüber Meedia.

Zu den Auflagenzahlen der ersten Ausgabe will sich Gruner + Jahr auf MEEDIA-Nachfrage nicht äußern. G+J-Produkt-Vorstand Schäfer lässt die schlechte Auflagenentwicklung offenbar kalt. Er will weitermachen. „Das Konzept trifft den Punkt. Wir sind mit den wirtschaftlichen Ergebnissen und der redaktionellen Entwicklung von No Sports sehr zufrieden. Das Magazin erscheint im kommenden Jahr, wie bereits angekündigt, sechs Mal. Die nächste Ausgabe ist am 17. Februar im Handel erhältlich“, erklärt eine Verlagssprecherin. Dem Vernehmen nach sei das Anzeigenaufkommen der nächsten Ausgabe gut, heißt es.

nos__2_cover11Die zweite Ausgabe von No Sports

Dass Schäfer bei No Sports dabei bleibt und hier nicht gleich aufgibt, ist verständlich. Der ehemalige Schöner Wohnen-Chefredakteur will sich in diesem Jahr keinen weiteren Flop leisten. Spektakulär ist Mitte Juni sein äußerst ambitioniertes Zeitschriften-Projekt Frei! gescheitert. Wegen verheerender Auflagenzahlen musste Schäfer den Titel bereits nach 18 Wochen nach Start vom Markt nehmen. Lediglich 50.000 Exemplare im Schnitt gingen damals jede Woche über den Ladentisch.

Dabei hatte der G+J-Vorstand im Vorfeld für Frei! viel Marketingaufwand betrieben und von der ersten Ausgabe 900.000 Exemplare in den Handel gedruckt. Doch die hohen Erwartungen an einen Auflagenerfolg konnte der gelernte Journalist hier nicht erfüllen. Vielleicht rührt Schäfer im nächsten Jahr für No Sports kräftig die Werbetrommel, um der Auflage den nötigen Schub zu verleihen – möglicherweise mit TV-Werbung wie beim Frauen-Titel Barbara. Ob sich allerdings bei No Sports der Marketingaufwand lohnt, ist offen.

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Alle Kommentare

  1. „Die Bahnhofshandel listet Titel schnell aus, die bei den Lesern auf wenig Gegenliebe stoßen.“
    Seit wann denn das ? Das Grosso beliefert Supermärkte und Tankstellen dann nicht mehr mit dem Titel.
    In den Platzbegrenzten Bahnhofs-Buchhandlungen ist alles was da ist auch in den Regalen denn Lagerflächen gibt es kaum.
    Manche Titel über-beliefern massivst und stehen dann als Stapel herum!!!

    Und weil es scharenweise Titel gibt wo nur 2-5 Stück im Regal liegen, dürfte No Sports auch irgendwo im Regal stehen.
    Gehen sie doch mal dort hin (aber das wäre ja Recherche) und zählen die Anzahl der ausländischen Tages-Zeitungen (nicht Huriyet). Das sind überwiegend einige wenige Stücke. Oder viele Fachzeitschriften und Fach-Titel. Schach-Zeitschriften beispielsweise. Das sind oft nur Mini-Mengen.
    Nicht gemeint sind die großen IVW-Titel und natürlich alles was auch im Supermarkt zu haben ist. Sondern die kleineren Titel welche es nur dort oder halt im Abo gibt.
    Lidl hat oft nur 3-10 verschiedene Pflanzen oder Obst oder Beeren im Angebot aber jede Woche andere aber evtl einen Drehständer mit zig verschiedenen Pflanzensamen-Tütchen und 1,5 Regalmeter Zeitschriften und Tages-Zeitungen. Bahnhofs-Buchhandel hingegen ist der Gartenbetrieb mit 100-200 Pflanzen. Vielfalt statt Einfalt…
    Kioske z:b. sind wieder was anderes, weil die meist nicht begehbar sind und durchs Fenster verkaufen.

    Trittin hätte Regeln gegen Über-produktion von Zeitschriften schaffen können. War wohl nicht so wichtig. Paragraph 103 wurde wohl ja auch nicht abgeschafft…

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